06.08.2008

Sonnenschein gleich zum ersten Hahnenschrei. Damit hatten wir nun wirklich nicht mehr gerechnet. Der Mittwoch startete also vielversprechend. Und passend zum guten Wetter wollten wir Frankreich eine zweite Chance geben. So rollten die Motorräder dann gleich um 10:00 Uhr in Richtung der französischen Grenze. Das Navi wollte uns wohl etwas bieten und schickte uns über zahlreiche kleine und kleinste Nebenstraßen. Es hätte mich nicht gewundert, wenn unsere Fahrt plötzlich in einem verwilderten Hinterhof geendet hätte. 

Auf den Straßen im Zentrum von Colmar ging es erwartungsgemäß (französisch) hektisch zu. Irgendwie und irgendwann haben wir dann aber doch noch einen Parkplatz für die BMW´s gefunden. Eine freundliche Französin hat uns ihr Parkticket überlassen. Erste Pluspunkte für Frankreich! Colmar hat eine wunderschöne Altstadt. Eine schier endlose Ansammlung von verwinkelten Gassen und hübschen Fachwerkhäusern. Die Auslagen in den kleinen Läden der Altstadt lockten zum Verweilen.


Colmar (1871 bis 1918 sowie in der Zeit des Nationalsozialismus auch Kolmar) ist nach Straßburg (frz. Strasbourg) und Mülhausen (frz. Mulhouse) die drittgrößte Stadt im Elsass (französisch Alsace). Der Ort liegt in einer relativ flachen Landschaft am Fluss Lauch, der hier in die Ill mündet, etwa 20 km westlich des Rheins und ungefähr in der geographischen Mitte zwischen Basel (60 km entfernt) und Straßburg (65 km entfernt).


Die Stadt ist Sitz der Präfektur des Departements Haut-Rhin und außerdem Sitz des höchsten elsässischen Gerichts (Cour d'appel de Colmar, 1871 bis 1918 Oberlandesgericht Colmar). Die Präfektur verwaltet auch das Arrondissement Colmar, das aus sechs Kantonen besteht. Colmar-Stadt ist Hauptort (frz.: chef-lieu) der Kantone Colmar-Nord und Colmar-Sud. Mit 65.136 Einwohnern (1999) ist Colmar nach Mülhausen die zweitgrößte Stadt im Département Haut-Rhin.


Colmar wurde als Königsgut unter dem Namen Columbarium (Taubenhaus) im Jahr 823 erstmals urkundlich erwähnt. Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die Befestigung errichtet. Im Jahr 1226 ist Colmar zur Freien Reichsstadt geworden. Der Rat der Stadt übergibt 1360 die Macht an die Berufskorporationen. Im 14. Jahrhundert trat Colmar dem Zehnstädtebund bei. Im 14. und 15. Jahrhundert bestand in Colmar, wie auch in anderen Städten am Oberrhein, eine bekannte Meistersinger-Schule. Josel von Rosheim führte 1548 einen Prozess für die Juden der Stadt Colmar vor dem Reichskammergericht wegen des seiner Ansicht nach unzulässigen Marktverbotes der Stadt für die Juden.


 Truppen des französischen Königs Ludwigs XIV. besetzen Colmar im Jahr 1673. Mit dem Frieden von Nimwegen 1679 wird Colmar Frankreich zugeschlagen und Sitz der Allgewaltigen Ratsversammlung der Provinz Elsass. Colmar bekam 1791 den Sitz der Verwaltung des Departements Haut-Rhin. Im 19. Jahrhundert besitzt Colmar eine leistungsfähige Textilindustrie.

Nach Ende des deutsch-französischen Krieges (1870/71) wird Colmar Teil des neugebildeten Reichslandes Elsass-Lothringen (Deutsches Reich) und Hauptstadt des Bezirks Oberelsass sowie Sitz eines eigenen Oberlandesgerichtes. 1902 eröffnete in der Stadt ein Straßenbahnbetrieb, der 1960 stillgelegt wurde.


Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wird Colmar 1918 zusammen mit dem übrigen Elsass wieder Teil von Frankreich. Am 22. August 1926 kommt es in Colmar zu Zusammenstößen zwischen elsässischen Autonomisten und französischen Nationalisten (Blutiger Sonntag). Im Zweiten Weltkrieg wird Colmar 1940 nach der Niederlage Frankreichs als Teil des Reichsgaus Baden-Elsass de facto dem Großdeutschen Reich angeschlossen. Ab 1942 werden auch die Bürger von Colmar in die Wehrmacht eingezogen. Am 2. Februar 1945 wird die Stadt nach erbitterten Kämpfen in der „Kesselschlacht von Kolmar“ (Poche de Colmar) – die letzte Schlacht des Zweiten Weltkriegs auf französischem Territorium – durch die Westalliierten befreit und gehört nun wieder zu Frankreich.

Auch mit der Altstadt von Colmar hat Frankreich bei unserer Tourwertung aufgeholt. Doch es zog uns noch ein bisschen weiter ins Elsass und in die Vogesen. Über Kayserberg fuhren wir nach Fraize. Das war schon mal eine Strecke mit reichlich Schräglagenanteil. Die D73, die wir für den Weg nach Xonrupt-Longemer wählten, erwies sich als kleine Nebenstraße, die uns durch ein schönes Tal führte. Am kristallklaren Lac de Longemer vorbei ging es auf den Col de la Schlucht. Eine fantastische Straße mit einigen tollen Ausblicken in die gigantische Schlucht.


Der Col de la Schlucht (Schluchtpass) ist ein 1139 m hoher Pass in den Vogesen. Er verbindet die Städte Munster und Gérardmer und ist auch namensgebend für ein Skigebiet unterhalb des 1362 m hohen Hohneck. Am Col de la Schlucht kreuzt die Passstraße die Route des Crêtes, eine 77 km lange Höhenstraße, die vom Lac Blanc bis nach Cernay verläuft und sich dabei immer auf einer Höhe um die 1000 Meter bewegt. Der Col de la Schlucht wurde in den Jahren 1931, 1957, 1961, 1969, 1970, 1973, 1992 und 2005 von der Tour de France befahren. Am Col de la Schlucht beginnt auch der Klettersteig Sentier des Roches, der vom Col zum Hohneck verläuft. Er gilt als einer der eindrucksvollsten (und gefährlichsten) elsässischen Gebirgspfade.


Tour de France-Etappe? Angie war eigentlich froh, dass sie es mit den 50 PS ihrer F 650 GS bis auf die Anhöhe geschafft hat. Doch in der Tat konnten wir einige Hobby-Rennradfahrer beobachten, die sich die Steigung hochquälten. Motorradfahren kann so schön sein. Über Munster ging es zurück Richtung Colmar. Der Verkehr war an diesem Nachmittag allerdings etwas zähflüssig. Ungefähr so zähflüssig wie der frische Teer, den die Straßenbauer an diesem Tag rund um Colmar an zahlreichen Baustellen auf den Straßen verteilten.

Sommerhitze und Staus sind eine ziemlich schlechte Kombination für Motorradfahrer. Und da auch die Rheinbrücke zurück ins Breisgau wegen Bauarbeiten nur einspurig zu befahren war, standen wir schon bald in einem etliche Kilometer langen Megastau. Ich sag es jetzt mal so, angenommen es wäre nachts um drei Uhr. Kein Auto befährt um diese Zeit die Burgaltendorfer Alte Hauptstraße. Kein Schulkind könnte sich ein Beispiel am schlechten Vorbildverhalten eines Erwachsenen nehmen

ErErwachsenen nehmen. Angie würde trotzdem auf das grüne Ampelmännchen warten, bis sie die Straße überquert. Und jeder, der das nicht so handhaben würde, müsste sich so einiges von ihr anhören. Und genau diese Angie, die personifizierte Straßenverkehrsordnung mit dem goldenen Schülerlotsenabzeichen, setzt auf einmal den linken Blinker und überholt diesen kilometerlangen Megastau über die Gegenfahrbahn und erkämpft sich bei gelegentlichem Gegenverkehr eine Lücke im Stau. Was Hitze aus einem Menschen machen kann....

Auf diese fragwürdige Art und Weise kamen wir dann doch noch recht zügig in Deutschland an. In Hochstetten haben wir uns nach dieser Hitzeschlacht noch ein wunderbar erfrischendes und vor allem kaltes alkoholfreies Weizenbier gegönnt. Dann ging es zurück ins Münstertal. 223 Kilometer sollten an diesem warmen Sommertag reichen. Außerdem waren wir an diesem Abend noch mit unseren Zimmernachbarn Petra und Frank mit Sohn Tom aus Quedlinburg zum Grillen verabredet.


Es wurde ein gemütlicher und langer Abend mit anregenden Gesprächen, leckeren Speisen vom Grill, kühlem Gerstensaft und köstlichem Birnenbrand.

07.08.2008

Der kurze Auftritt des Sommers war an diesem Morgen schon wieder beendet. Ziemlich wolkenverhangen und windig war es und der Wetterbericht kündigte für den Nachmittag nichts Gutes an. Davon haben wir uns aber nicht entmutigen lassen, schließlich sind wir zum Motorrad fahren in den Schwarzwald gefahren. Wir wählten den direkten, aber auch nicht sonderlich atraktiven Weg nach Radolfzell. Bis zum Bodensee war es dann auch erst einmal ein ziemliches Stück.


Doch zunächst sollten wir uns an dieser Stelle einmal über die kleine Heuschrecke Zirp unterhalten. Umgangssprachlich differenziert der Begriff Heuschrecke nicht zwischen verschiedenen Heuschreckengruppen und -arten, sondern benennt in erster Linie den allgemein bekannten Heuschreckenhabitus, der durch eine langgestreckte, mäßig seitlich abgeplattete Körperform, einen breiten, sattelartigen Halsschild, einen großen, in vertikaler Richtung gestreckten Kopf und vor allem die zu kräftigen Sprungbeinen umgebildeten Hinterbeine gekennzeichnet ist. Beispielsweise werden die Grillen, die als Untergruppe der Langfühlerschrecken wissenschaftlich zu den Heuschrecken zählen, wegen ihres abweichenden Körperbaus im allgemeinen Sprachgebrauch nicht mit dem Begriff Heuschrecke assoziiert.

Nun denn, die Heuschrecke namens Zirp hat es sich jedenfalls im Münstertal quasi als blinder Passagier auf der Verkleidungsscheibe meiner RT gemütlich gemacht. Natürlich hat sie sich mit Absicht einen Tourer aus dem Hause BMW ausgesucht. Denn wenn man vom Münstertal bis an den Bodensee verreist, dann sollte man schon Wert auf Komfort legen. Zirp hat es sichtlich genossen, sich den Fahrtwind um die mäßig seitlich abgeplattete Körperform blasen zu lassen.  In der Tat bilde ich mir ein, aus Richtung der Verkleidungsscheibe meiner RT auf der Fahrt an den Bodensee ein leises "Born to be wild - Zirpen"  vernommen zu haben. 


Zirp hat sich jedenfalls einen guten Tag für seinen Umzug nach Radolfzell ausgesucht. Denn das Wetter am Bodensee war um einiges besser als im Münstertal. Irgendwann zur Mittagszeit hat sich Zirp von seinem lieb gewonnenen Stammplatz auf der BMW R 1100 RT verabschiedet. Er ist durch die Innenstadt von Radolfzell gehüpft, hat die Unterführung am Nordbahnhof gewählt, eine kurze Pause auf dem Akordeon der alten Dame am Ende des Tunnels eingelegt, um dann seine neue Heimat in den Wiesen am Ufer des Bodensees erkundet. Und als Angie und ich Radolfzell etwas später den Rücken gekehrt haben, da war Zirp schon fleißig dabei eine neue Heuschreckenpopulation vom Typ der Langfühlerschrecken anzulegen.


Neben dem See haben Angie und ich auch die Altstadt und das Zentrum von Radolfzell erkundigt. Neben unserem persönlichen Interesse wollten wir natürlich auch sicherstellen, dass Zirp ein geeignetes und heuschreckengerechtes neues "zu Hause" gefunden hat.


Doch nicht nur Heuschrecken können sich in Radolfzell pudelwohl fühlen. Hier findet jeder Pott seinen Deckel. Beinahe hätte auch Angie einen neuen Partner gefunden. Frei nach dem Motto: "Jecken aller Länder vereinigt euch". Ich musste schon meinen ganzen Charme aufbringen um Angie für mich zurück zu gewinnen.


Dann ging es weiter in Richtung Neuhausen am Rheinfall. Auf dem Weg dorthin wechselten wir ständig zwischen Deutschland und der Schweiz hin und her. Einer der Schweizer Grenzposten war in einer uralten hölzernen überdachten Brücke untergebracht. Das Städtchen dahinter, vermutlich war es Stein am Rhein - ich hab mir den Namen nicht gemerkt, hatte eine alte Stadtmauer und Wehrtürme. Insgesamt machte der Ort mit den vielen Fachwerkhäusern einen mittelalterlichen Eindruck. Gern hätten wir uns den Ort ein bisschen näher angeschaut. Doch wir hatten noch eine ziemliche Strecke zu fahren und der Himmel zog sich immer weiter zu.

Am Grenzübergang Stühlingen fuhren wir zurück nach Deutschland. Da wir weder Bernhardiner mit Schnapsfässern am Hals noch Heuschrecken verzollen mussten, gestaltete sich der Grenzübertritt problemlos. Weiter ging es über die Panoramastraße in Richtung Bonndorf. Auf halber Strecke haben wir uns ein Restaurant mit Biergarten gesucht. Ich habe aus der regionalen Küche gewählt und Käsespätzle mit ausgelassenen Zwiebeln verspeist.


Leider nahm der Wind nun immer mehr zu. Aus der Ferne hörte man ein erstes Donnergrollen. Und die Wolken zogen mit hoher Geschwindigkeit an uns vorbei. Nun wurde es höchste Zeit nach Hause zu kommen. Über den Feldberg ging es noch relativ trocken. Doch am Schauinsland sind wir dann doch noch in einen ersten Schauer geraten. Beim schlimmsten Regen haben wir uns eine Zeit lang untergestellt. Doch die Zeit schritt voran und irgendwie mussten wir ja noch ins Münstertal zurück. Ich hab dann die Regenjacke übergezogen und dann ging es im gemäßigten Tempo weiter.

Die Verbindungsstraße ins Münstertal haben wir ausgelassen. Die engen Kehren waren uns bei der nassen Witterung dann doch zu heikel. Daher sind wir die spektakuläre Schauinsland-Strecke bis hinunter nach Freiburg gefahren. Der Umweg über Staufen zurück ins Münstertal war beträchtlich. 310 Kilometer waren wir an diesem Tag auf dem Motorradsattel unterwegs, Angies persönliche Bestleistung. Sie war zu Recht mächtig stolz auf sich, hat aber lange mit sich gerungen ihr Weizenbier und ihren Obstler an diesem Abend im Stehen zu sich zu nehmen.  

08.08.2008

An diesem Freitag mit dem einprägsamen Datum haben sich allein in Freiburg über 50 Paare trauen lassen. Nur dem Wetter konnte man mal wieder nicht so richtig trauen. Einmal mehr sah es morgens "grau in grau" aus. Doch während wir uns im Aufenthaltsraum unserer Pension das Frühstück haben schmecken lassen, war es aufeinmal so, als habe jemand den Lichtschalter umgelegt. Herrlicher Sonnenschein lockte nach draußen vor die Tür. Also nichts wie rein in die Motorrad-Kluft. Fertig angezogen und mit dem Helm in der Hand öffnete ich die Haustür. Doch dann setzte der erste Regen des Tages ein.

Also hab ich mich erst einmal mit meinem Buch "Die Tore der Welt" auf den überdachten Balkon gesetzt und ein bisschen gelesen. Einige Zeit später wurde die Motorradhose gegen die lange Jeans getauscht, und Angie und ich haben uns ins Auto gesetzt um dem Nachbarort Staufen, mit dem Regenschirm bewaffnet, einen Besuch abzustatten. Und manchmal liegt das Gute eben nah. Einige Male sind wir durch Staufen gefahren, ohne zu ahnen, welch schöne Altstadt sich hinter der Hauptstraße versteckt. Und wenn ich dann auch noch geahnt hätte, dass die Firma Schladerer, bekannt für edle Obstbrände, ihren Sitz in Staufen hat, dann hätten wir der Stadt vor dem Münstertal viel eher unsere Aufwartung gemacht.


Zur Geschichte Staufens:

Nur wenige Funde belegen eine vorgeschichtliche Begehung bzw. Besiedlung: Einige Feuersteinartefakte datieren in die Mittel- bzw. Jungsteinzeit, für die Bronzezeit wird aufgrund von Geländemerkmalen und Keramikbruchstücken eine Höhensiedlung der Urnenfelderkultur angenommen, dies gilt auch für eine eisenzeitliche Siedlung der Hallstattkultur.

Archäologisch direkt nachgewiesene Ansiedlungen setzen erst mit der römischen Kaiserzeit ein. Durch moderne archäologische Methoden wie die Luftbildarchäologie und geophysikalische Prospektion ist ein als villa rustica angesprochener Gebäudekomplex zwischen Staufen, Grunern und Kropbach gut dokumentiert, wenn auch nicht vollständig erfasst. Weitere römische Funde liegen auf dem Gebiet der mittelalterlichen Stadt bzw. am Schlossberg vor, deren Ausdehnung und genaue Zeitstellung bleibt jedoch aufgrund der mittelalterlichen Überbauung unklar.


Urkundlich wird Staufen erstmals im Lorscher Codex mit der am 16. April 770 erfolgten Schenkung von Gütern in der villa Staufen in pago Brisigawo an das Kloster Lorsch genannt. Weitere Schenkungen sind bereits für die Jahre 772 bzw. 773 belegt; so ist auch aufgrund des St. Martin-Patrozinium der späteren Stadtkirche von einer größeren Ansiedlung um einen fränkischen Herrenhof auszugehen.

Sehr früh ist die Bedeutung des Bergbaus urkundlich belegt: Im Jahr 1028 verlieh Kaiser Konrad II. Bergbaurechte bei Kropbach an den Bischof von Basel.


Dem wird entgegengehalten, dass die Herren von Staufen als Zeugen des Vertrages wie die anderen Zeugen auch dem Gefolge der Erben der Zähringer zuzuordnen sind. Die Wahl der Burg Staufen als Beurkundungsort belegt zumindest, dass die Stellung der Herren von Staufen durch Beziehungen zu verschiedenen Herrschaftsträgern gekennzeichnet war.

Interessanterweise werden weder die Üsenberger noch die Zähringer oder ihre Erben im Zusammenhang mit den Rechten der Herren von Staufen im Münstertal genannt (die Quellenlage ist allerdings aufgrund späterer Fälschungen des Klosters St. Trudpert dürftig, das benachbarte Möhlintal bei St. Ulrich wie das Tal des Neumagens sind zumindest in davon unabhängigen Verträgen über Rechte der Erben der Zähringer ausgenommen).

Da spätere Streitigkeiten mit Kloster über Bergwerksrechte im Münstertal vor dem Bischof von Straßburg ausgetragen wurden, erscheint auch eine Belehnung durch deren Rechtsvorgänger, den Anfang des 13. Jahrhunderts ausgestorbenen Grafen von Nimburg, möglich. Herzog Berthold IV. erkennt zumindest für das Möhlintal 1214 die Obervogtei der Straßburger Bischöfe an. Letztlich bleibt die hochmittelalterliche Geschichte Staufens und die Herrschaftsbildung der Herren von Staufen ungeklärt. 

Die weitere Geschichte des Ortes ist eng mit den Herren von Staufen verbunden. Diese sind nicht verwandt mit dem Hochadelsgeschlecht der Hohenstaufen und hatten die Herrschaft Staufen fast 500 Jahre kontinuierlich zum Lehen (für ein teilweise angenommenes Allodialgut finden sich keine Belege). Die Kontinuität der Herrschaft über ein halbes Jahrtausend hinweg ist auch deswegen bemerkenswert, weil die Herren von Staufen üblicherweise das Erbe unter den Gliedern der Familie aufteilten.

Für das Jahr 1111 wird im Rotulus Sanpetrinus, dem Schenkungsverzeichnis des Klosters St. Peter, erstmals ein Adelbert von Staufen erwähnt, der Eigengüter im Nachbarort Ballrechten an das Kloster überträgt. Die gleiche Quelle belegt die Herren von Staufen als Ministeriale der Herzöge von Zähringen, ebenso eine Urkunde des Klosters Cluny von 1115. Adalbert dürfte bereits eine Burg in oder bei Staufen besessen haben, ob es sich dabei bereits um die noch heute sichtbare Burg Staufen handelte ist fraglich. Deren Entstehung wird jedoch im Lauf des 12. Jahrhunderts angenommen.


Die Herren von Staufen entstammen einer Nebenlinie derer von Blankenberg, die ihren Sitz vermutlich auf einem kleinen Berg bei Opfingen hatten und im Dreisamtal über Besitz verfügten. Wie auch bei deren Verwandten, den Herren von Weiler/Falkenstein, handelt es sich wahrscheinlich um alten Adel, der mit dem Vordringen der Zähringer in die Ministerialität eintrat, und somit nicht um ursprünglich unfreie Dienstmänner der Zähringer. Eine besondere Stellung der Herren von Staufen unter den Zähringern ist durch die Übernahme des Hofamts des Marschalls belegt.

Fraglich ist, wer die Herren von Staufen neben Staufen selbst mit ihren Haupteinnahmequellen, der Vogtei über das Kloster St. Trudpert und dem Bergregal im Münstertal, belehnte. Als Vögte sind sie erstmalig 1211 nachgewiesen, jedoch können aufgrund der Stiftung eines silbernen Vortragekreuzes aus dem Jahr 1175 mit den Bildern der Stifter Anna und Gottfried von Staufen ältere Rechte postuliert werden. Aufgrund des Ministerialenverhältnisses zu den Zähringern wurde lange Zeit von einem zähringerischen Lehen ausgegangen, obwohl sich dafür keine Schriftquellen finden.

Möglich erscheint ein durch die im Kaiserstuhl beheimateten Herren von Üsenberg erhaltenes Afterlehen des Bistums Basel. Neben anderen Lehen ist dies ist für den Teilort Grunern belegt; weiterhin bezieht sich auch die erste Erwähnung der Burg Staufen 1248 auf die Anwesenheit zweier Üsenberger, die auf der Burg einen Vertrag mit dem Kloster Tennenbach abschließen.

Nach dem Aussterben der Zähringerherzöge 1218 versuchten ihre Erben im Breisgau, die Grafen von Urach (die sich später aufgrund des Verlustes des namensgebenden Stammsitzes Grafen von Freiburg nannten), die Lehnshoheit über Staufen in Anspruch zu nehmen, was aber von den Herren von Staufen für Staufen selbst, nicht jedoch für andere Lehen, bestritten wurde. Weiterhin scheinen die Herren von Staufen auch unter den Grafen von Freiburg das Amt des Marschalls innegehabt zu haben, in einem Vertrag der Grafen aus dem Jahr 1239 wurden sie als deren Ministeriale bezeichnet, nannten sich jedoch selbst in einem Vertrag mit dem Bischof von Basel 1258 nobilis vir.


Die Herren von Staufen näherten sich jedoch den seit 1368 im Breisgau erstarkten Habsburgern an; unter den Gefallenen der Schlacht bei Sempach von 1386 befanden sich auch Gottfried und Hans-Ullrich von Staufen. Weiterhin beruhigten sich die Konflikte der Freiherren mit dem Kloster St. Trudpert und der Stadt Freiburg, seitdem sich alle Beteiligten an die Habsburger gebunden hatten.

In der Folge wurde die Stadt Staufen ein Teil Vorderösterreichs; die Freiherren bekleideten ab dem 15. Jahrhundert verschiedene habsburgische Amtsposten in Vorderösterreich. In dieser Phase kam es möglicherweise auch zu einer Erweiterung der Stadt (im Stadtbild ist im Anschluss an die damals noch breite Marktstraße eine Verschiebung der Straßenachse mit Ausrichtung auf die Burg erkennbar, die zu dieser Zeit einen neuen Palas mit repräsentativer Front zur Stadt hin erhielt); weiterhin wurde 1487 die Stadtkirche St. Martin in ihrer heutigen Form errichtet.

In das gleiche Jahr datiert ein Münzvertrag zwischen Marschall Gottfried von Staufen und der Stadt Freiburg zum Schutz des Breisgauer Pfennigs. Möglicherweise war er weniger Ausdruck der Einigkeit der beteiligten Parteien, sondern eher Vorbote der später offen ausgebrochenen Konflikte. Die Entwicklung von Staufen zur Stadt stand in engem Zusammenhang mit diesen Auseinandersetzungen. Staufen wurde 1269 noch als villa bezeichnet, die Kirche ist 1275 als eigenständige Pfarrei belegt.

Von einer ersten Fehde zwischen den Herren von Staufen und der Stadt Freiburg wird aus den Jahren 1280/1281 berichtet. Eine Urfehde mit Freiburg ab dem Jahr 1306 endete mit einer Niederlage der Herren von Staufen, die als Sühneleistung ab 1309 der Stadt Freiburg für zehn Jahre Kriegsfolge leisten mussten. 1313 brach eine nicht näher beschriebene Seuche im Breisgau aus, die auch Staufen traf. In der Folge trat 1315-1317 eine Hungersnot ein; zwischen 1321 und 1325 mussten Glieder der Familie der Herren von Staufen sogar ihre Anteile an der Burg Staufen verpfänden.

Staufen selbst wird 1323 in einer Urkunde des Heiligen-Geist-Spitals in Freiburg erstmals als Stadt bezeichnet (für das oft genannte Gründungsdatum 1280 finden sich keine Belege). Möglicherweise lag kein eigentlicher Gründungsakt vor, sondern vielmehr ein stetiges Wachstum von einem Marktort hin zur aufgrund der Konflikte mit einer Stadtmauer umgebenen Stadt.

Im Stadtbild zeichnet sich neben dem Komplex um die Kirche und dem anschließenden kleingliedrigen dörflichen Siedlungskern eine ehemals breite Marktstraße ab. Die Gründung von Staufen als Markt für und zur Kontrolle über die ältere, später abgegangene, reine Bergwerksstadt Münster im Münstertal scheint wahrscheinlich. Möglicherweise wollten die Herren von Staufen auch ihren wirtschaftlichen Einfluss auf die nördlich liegenden Bergbaureviere im Möhlintal und die südlich gelegene Bergwerksstadt Sulzburg, deren einstiger Markt sich aufgrund der engen Tallage weit in der Rheinebene befand, ausweiten.

1325-1326 befanden sich die Herren von Staufen in einem Kleinkrieg mit Freiburg um den Bergbau im Münstertal und widerstanden dabei angeblich einer Belagerung. Der Konflikt wurde zu Ungunsten der Herren von Staufen im April 1326 beigelegt, möglicherweise aufgrund des spätestens 1327 erfolgten Erwerbs von pfandschaftlichen Anteilen an der Burg Staufen durch die Stadt Freiburg.

1350 grassierte der Schwarze Tod auch in Staufen; weiterhin wird von Zerstörungen durch das Basler Erdbeben von 1356 berichtet. 1369 wurden die Einkünfte der Stadt Staufen an Freiburger Kaufleute verpfändet; die Freiherren von Staufen mussten 1370 die Oberlehnshoheit der Grafen von Freiburg akzeptieren.


1602 erlosch das Geschlecht derer von Staufen durch den Tod des letzten Freiherrn. Schwedische Truppen besetzten im Dreißigjährigen Krieg die Stadt und brannten 1632 die Burg nieder.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Staufen Opfer eines Fliegerangriffs. Zeitzeugen berichten, dass in Staufen zum Zeitpunkt des Angriffs viele deutsche Truppen stationiert waren, die aus Frankreich abgezogen worden waren. Es heißt, dass französische Piloten, die britische Flugzeuge flogen, die Eisenbahnbrücke zerstören wollten, da diese für den Rückzug der deutschen Truppen wichtig war.

Am frühen Nachmittag haben wir uns dann trotz weiterhin unbeständiger Witterung doch noch einmal auf die Motorräder gewagt. Uns fehlte noch ein Pin vom Schwarzwald. Zunächst machten wir uns in Bad Krozingen auf die Suche. Leider ohne Erfolg. Dabei mussten wir feststellen, dass wir im Verlauf der letzten Tage eine Menge weit atraktivere Orte als diesen bekannten Kurort gesehen haben. 

Über kleine Nebenstraßen ging es anschließend nochmals an schönen Weinbergen vorbei nach Freiburg. Dort haben wir erstens die begehrten Pins gefunden und zweitens eine leckere Pizza gegessen. Dumm war dann nur, dass es noch während unseres Aufenthalts in Freiburg zu regnen anfing. Und der Regen sollte dann auch erst am späteren Abend aufhören. Also haben wir uns im schönsten Dauerregen auf die BMW´s gesetzt und sind recht langsam zurück zur Pension gefahren. Irgendwann muss die Straßenmeisterei im Schwarzwald nämlich mal günstig an Bitumen gekommen sein. Den hat man dann großzügig und in alle möglichen Richtungen auf den Straßen verteilt. Besonders häufig ist dieses Gesamtkunstwerk dann auch in Kurven anzutreffen, was das Motorrad fahren bei feuchter Witterung dann nicht unbedingt sicherer macht. 

Nun denn, wir sind ein wenig feucht, aber ansonsten wohlbehalten an unserer Unterkunft angekommen. Ein letztes Mal haben wir uns an diesem Abend mit unseren Zimmernachbarn auf dem überdachten Balkon getroffen. Unser letzter Abend im schönen Schwarzwald. Noch einmal die (wenn auch ein bisschen verregnete) Aussicht auf die umliegenden Berge genießen. Doch dann hat sich das Münstertal zum Abschied doch noch etwas ganz Besonderes für uns einfallen lassen. Für einen kurzen Moment schaute die Sonne vorbei und zauberte uns diesen bildschönen Regenbogen auf unseren Panoramablick.


09.08.2008

Der Tag der Abreise war da. Wie immer viel zu früh. Es gab doch noch so vieles in der Umgebung zu entdecken. Obwohl das Wetter in dieser Woche nicht immer gepasst hatte, haben wir immerhin 1.083 Kilometer Schwarzwald und Umgebung mit den Motorrädern bereist. Nach dem gewohnt guten Frühstück haben wir das Gepäck im Auto verladen, den Anhänger angekoppelt und die Motorräder verspannt. Dabei hat uns Frank tatkräftig unterstützt. An dieser Stelle nochmals vielen Dank für deine Hilfe. Gegen 10.30 Uhr sind wir losgefahren. Für die Strecke bis nach Essen haben wir 7 1/2 Stunden benötigt. Es war eine Menge los auf den Straßen. In Nordrhein Westfalen gingen an diesem Wochenende die Ferien zu Ende. Und es gab auch ein paar Unfälle unterwegs, die für ziemliche Staus sorgten.

Während ich diese Zeilen schreibe, hab ich meinen ersten Bürotag bereits wieder hinter mir. Im Haushalt war ich auch schon aktiv. Der Alltag hat uns also zurück. Na klasse. I wish i was back in Münstertal...