Sibirien liegt im Schwarzwald

Die Temperaturen waren für einen nordrhein-westfälischen Großstadtbewohner tatsächlich als sibirisch zu bezeichnen. Tiefstwerte von minus 17 Grad Celsius waren in unserer Urlaubswoche Ende Februar / Anfang März in Baiersbronn zu verzeichnen.  Aber, da auch zu Hause der Frühling noch auf sich warten liess, hatten wir uns entschlossen wenigstens ein paar Tage in den Schnee zu fahren. Unser Haupt-Reisegefährt, Angies Golf Cabriolet, schied schon wegen der Sommerbereifung aus und Fahrten mit geöffnetem Verdeck kamen wegen der winterlichen Witterung ohnehin nicht in Frage. Da hat sich dann eben mein Suzuki Jimny mit Winterbereifung und Allradantrieb aufgedrängt. Leider ist es bei diesem Spaßfahrzeug mit der Langstreckentauglichkeit nicht ganz so weit her. Und so haben wir uns eben für Baiersbronn entschieden. Die Strecke von etwa 430 Kilometern hat der Jimny dann auch mühelos gemeistert. 



Untergebracht waren wir im Hotel Krone welches zentral in der Ortsmitte von Baiersbronn liegt. Allerdings stellte sich das Zentrum des Ortes in der Nebensaison als kaum vorhanden dar. Zahlreiche Geschäfte und Cafes waren während unseres Aufenthalts geschlossen, es wirkte alles etwas wie der Ort, an dem der Hund begraben ist. Das Hotel selbst war allerdings top. Ansprechende Zimmer, perfekter Service, gutes Frühstücksbuffet und das abendliche Viergang-Menü ließen keine Wünsche offen.



Wie viele andere Häuser der Region, hatte auch unser Hotel eine Fassadenverkleidung aus Holzschindeln. Die alten Schwarzwaldhäuser wurden bereits vor 400 Jahren mit Holzschindeln gedeckt. Für die großen Dächer werden rund 35.000 Schindeln benötigt, die der Dachdecker, der zumeist auch Schindelmacher war, in den langen Wintermonaten in mühsamer Handarbeit anfertigte. Wegen ihrer sehr guten Beständigkeit gegenüber Sturm, Schnee, Hagel, Regen und Sonne im rauen Klima des Schwarzwaldes werden auch heute noch gern Dächer und Fassaden in der Traditionellen Schindeltechnik eingedeckt.



Einer unserer ersten Ausflüge führte uns nach Freudenstadt. Freudenstadt ist eine Große Kreisstadt mit ca.  22.000 Einwohnern  im Regierungsbezirk Karlsruhe in Baden-Württemberg und Sitz des Landkreises Freudenstadt. Freudenstadt ist ein anerkannter heilklimatischer und Kneippkurort sowie ein traditionell beliebter Urlaubsort. Bekannt ist Freudenstadt vor allem durch den größten bebauten Marktplatz Deutschlands, auf dem eigentlich ein Schloss stehen sollte . Er gilt als das Wahrzeichen der Stadt und mit den Maßen 219 × 216 m fast quadratisch. Charakteristisch sind die umlaufenden Laubengänge, Arkaden genannt. Drei Zierbrunnen auf dem Marktplatz überstanden den Zweiten Weltkrieg unversehrt. Der Markt wurde nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg 1950 im Heimatschutzstil wiederaufgebaut.



Besonders gut hat uns die Fahrt über die Schwarzwaldhochstraße gefallen. Die berühmte Panoramastraße von Baden-Baden nach Freudenstadt ist ein Muss für jeden Schwarzwaldbesucher. Die Schwarzwaldhochstraße mit ihren rund 60 Kilometern Länge ist die älteste und bekannteste und vielleicht sogar die schönste Touristenstraße im Schwarzwald. Bereits 1930 wurde die Straße eingeweiht – von ihrem Charme hat sie bis heute nichts verloren. Sie verläuft in einer Höhe von 600 und 1000 Metern und eröffnet dem Besucher zauberhafte Blicke in den Schwarzwald, die Rheinebene und bis zu den Vogesen.



Hier oben in 1.000 Metern Höhe war alles noch ein bisschen extremer. Mehr Schnee, noch niedrigere Temperaturen und ein ziemlich eisiger Wind. Also ging es schnell zurück ins Auto um bei angenehmeren Temperaturen die Fahrt durch die traumhafte Winterlandschaft zu geniessen.



Während unseres Aufenthaltes mussten wir Kurtaxe entrichten. Dafür konnten wir die Angebote der Schwarzwaldkarte plus nutzen. Und so habe wir unter anderem eine Bustour zur Klosterbrauerei Alpirsbach mit Brauereibesichtigung und kostenfreiem Probeausschank gebucht. Dieses Event kann man vorbehaltlos weiterempfehlen.



Ein weiterer Ausflug führte uns nach Schramberg ins denkmalgeschützte Industriegebäude der Hamburg-Amerikanischen-Uhrenfabrik (H.A.U.) - Anfang des 20. Jahrhunderts neben Junghans eine der größten Uhrenfabriken in Deutschland. Mehr als 200 Autos und Zweiräder brauchen zum Aufstellen viel Platz! Und den gibt es auf dem alten Werksgelände reichlich. Die "Fahrzeugwelten und Nachkriegs-Zeitgeschichte" der Sammlung Martin Sauter präsentiert sich großzügig auf vier Stockwerken. Das Uhrenmuseum hat seinen Platz ganz oben im fünften Stockwerk.







Nach diesem beeindruckenden Museumsbesuch haben wir noch einen Abstecher nach Schiltach unternommen. Dieses romantische Fachwerkstädtchen hatten wir uns bereits bei unserer Schwarzwald-Motorradtour 2008 genauer angeschaut. Jetzt zehn Jahre später zeigte sich Schiltach aus einer anderen und vor allem winterlichen Perspektive.



Zum Abschluss des Tages haben wir noch einen kurzen Blick in das ehemalige Benedektinerkloster Alpirsbach geworfen, welches im Stil der Romanik erbaut wurde. Der Kreuzgang ist im Stile der Gotik. Es wurde bereits am 16. Januar 1095 vom Konstanzer Bischof Gebhard III. geweiht.



In der Nacht von Freitag auf Samstag schlug das Wetter um. Die Temperaturen wurden deutlich angenehmer, dafür gab es in der Nacht Neuschnee. So begann unser letzter Urlaubstag erst einmal damit, den Wagen vom Schnee zu befreien.



Ansonsten stand dieser Samstag ganz im Zeichen der Kuckucksuhr. Zunächst führte uns unsere Tagestour nach Triberg. Dort wurde im Maßstab 60:1 einem Original-Uhrwerk einer Kuckucksuhr nachgebaut. Diese Uhr kann von innen und von außen besichtigt werden. Bei der Uhr der Superlative handelt es sich um eine komplette Einzelanfertigung. Der größte Raddurchmesser beträgt 2,60 m. Das Werk hat ein Gewicht von 6 t, das Pendel eine Länge von 8 m. Die Bauzeit betrug 5 Jahre.







Ohne uns für einen Kauf entscheiden zu können, haben wir uns im Anschluss noch einige Läden mit Kuckucksuhren angeschaut. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Denn auch im Internet gibt es unendliche Angebote an diesen typischen Schwarzwälder Uhren. Vielleicht hängt ja schon bald ein Exemplar in unserem heimischen Flur und nervt mindestens stündlich mit dem Original-Kuckucksruf.



So ging unsere Urlaubswoche im Schwarzwald dann auch zu Ende. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es wieder in Richtung Heimat. Die Fahrt dauerte wegen einer Vollsperrung der A3 ein wenig länger, verlief ansonsten aber ohne größere Zwischenfälle. Und einen Trost haben wir ja: Bis zum nächsten Urlaub dauert es jetzt nicht mehr so lange.