Ein Kurzurlaub in Cuxhaven

Irgendwie passte es in diesem Jahr nicht so recht mit dem großen Sommerurlaub. Ideen gab es reichlich aber ständig wurden unsere Planungen von sonstigen Terminverpflichtungen durchkreuzt. Hinzu kam, dass Angie und ich unsere Wohnungen Anfang April zusammengelegt haben. Da gab es viel zu renovieren und die neue Küche hat natürlich auch ein größeres Loch in der Haushaltskasse verursacht. Nebenbei haben wir noch den Smart und die BMW R850R angeschafft. Doch ein Jahr so ganz ohne Urlaub, das konnte es nun auch wieder nicht sein. So waren wir vom 26.06. bis 01.07.2016 doch noch für ein paar Tage in Cuxhaven zu Gast. Über diese Reise in den hohen Norden der Bundesrepublik möchten wir im Folgenden berichten.

Sonntag 26.06.2016 - Anreise

Unsere Anreise erfolgte mit Angies Opel Tigra. Für die wenigen Tage brauchten wir nicht so viel Gepäck. Und da das Wetter recht gut mitspielte, konnten wir das Stahlverdeck des Cabriolet zusätzlich zur Reisetasche im Kofferraum verstauen. Wir sind daher nur einen kleinen Teil der Fahrstrecke über Autobahnen gefahren und konnten so die Anreise auf landschaftlich schönen Straßen und mit der wärmenden Sonne in Gesicht, Nacken und auf den Oberarmen genießen. Gut, dass wir uns mittlerweile angewöhnt haben, ein Fläschchen Sonnenmilch im Handschuhfach mitzuführen. Aus Erfahrung wird man klug.



Untergebracht waren wir im Hotel "Stadt Cuxhaven". Das Traditionshaus liegt im Lotsenviertel, gleich in der Nähe des Hafens. Das Cabrio konnten wir kostenfrei gleich nebenan auf dem Hotel-Parkplatz abstellen und die Wege zu den Cuxhavener Sehenswürdigkeiten waren kurz. Das Zimmer war geschmackvoll eingerichtet und bot einigen Komfort. Das morgendliche Frühstücksbuffet war ein Träumchen. So konnte man morgens schonmal entspannt und gut gesättigt in den neuen Tag starten.

Montag 27.06.2016 - Eine erste Stadterkundung



Da wir nunmal gleich neben dem Hafen logiert haben, zog es uns am Montag dann auch gleich in den Fährhafen. Hier werden reichlich Fahrten angeboten. Hafenrundfahrten, Ausflüge zu den Seehundsbänken, zur Insel Neuwerk oder nach Helgoland sind im Angebot. Da fällt es mitunter schon schwer den Überblick zu behalten. Und für die Fahrten der verschiedenen Reedereien wird mitunter lautstark geworben. Gut, wer in diesem Chaos halbwegs den Überblick behält.



Cuxhaven zählt zu den größten Fischereihäfen Deutschlands. Bis Ende 2008 befand sich hier die Schiffsmeldestation für Hamburg und für den Nord-Ostsee-Kanal. Im Nordseeheilbad Cuxhaven ist der Kurbetrieb und Tourismus ebenfalls von großer wirtschaftlicher Bedeutung.



„Warum hat Deutschland noch kein großes öffentliches Seebad", fragte sich Ende des 18. Jahrhunderts der Göttinger Professor Georg Christoph Lichtenberg und schlug Cuxhaven als möglichen Standort vor. Letztlich ist es jedoch dem vielgereisten Hamburger Amtmann Amandus Augustus Abendroth zu verdanken, dass das erste deutsche Seebad im Jahre 1816 an der Mündung der Elbe in die Nordsee gegründet wurde. Wo vor zweihundert Jahren alles mit einem Warmbadehaus und Karrenbad am Strand begann, befindet sich heute, 200 Jahre später, Deutschlands größtes Nordseeheilbad.



Okay, die Sehnsucht nach einem vernünftigen und wohlschmeckenden Fischbrötchen kann man vielleicht nur verstehen, wenn man im Ruhrgebiet beheimatet und mangels entsprechendem Angebot ganzjährig auf die Alternative Currywurst, Pommes, Majo zurückgreifen muss. Da kann man schon einen gewissen Heißhunger auf Fischbrötchen entwickeln. Und so ging es dann auch Angie und mir. Und das erste Fischbrötchen mit Matjes ist dann so etwas wie eine Offenbarung.



Und dazu schmeckt dann ganz besonders gut ein friesisch herbes gewissenhaft gezapftes Pilsener. Es braucht garnicht so viel um einen Menschen glücklich zu machen. Manchmal liegt das Paradies gleich am Wegesrand.



Dienstag 28.06.2016 - Mit dem Cuxliner auf Stadtrundfahrt



Die roten Doppeldecker-Aussichtsbusse fahren täglich im Stundentakt auf dem fast 40 km lagen Rundkurs durch Stadt und Hafen. Die Fahrt dauert etwa 2 Stunden und man wird durch einen Stadtführer live über alles Sehens- und Wissenswerte informiert.



Als Startpunkt unserer Sightseeing-Tour hatten wir die Haltestelle "Alte Liebe" gewählt. Von dort ging es am Jachthafen vorbei in Richtung Centrum und Lotsenviertel.



An der Kugelbake und dem Kurpark vorbei wurden wir nach Cuxhaven Döse chauffiert. In Duhnen haben wir die Fahrt mit dem Doppeldecker für einen Strandspaziergang unterbrochen.





Duhnen bietet unter anderem einen feinen weißen Sandstrand direkt am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. In ganz Niedersachsen gibt es keinen einzigen Ort, der einen so langen Sandstrand bietet wie Cuxhaven. Und den Blick auf die Insel Neuwerk gibt es kostenfrei dazu.









Nach diesem schönen Ausflug an den Strand von Duhnen haben wir unsere Fahrt mit dem Cuxliner fortgesetzt. Vorbei an Schloss Ritzebüttel und dem Ringelnatzmuseum ging es zur Cuxhavener Offshore Basis und zum Cuxport-Terminal. Hier werden zum Beispiel PKW der Marke BMW zu den britischen Inseln verschifft. Zum Ausgleich warten dann hunderte von Jaguar-Modellen auf ihren Weitertransport auf dem Festland.



Nächstes Ziel waren die Hapag-Hallen hinter dem Steubenhöft. Erinnert wird hier in einer Austellung an das Schicksal jener Menschen, die an diesem Kai der Sehnsucht Abschied nach Amerika genommen haben. Heute legt an diesem Ort unter anderem die Elbefähre an.



Weiter ging es am Museum "Windstärke 10" und der Fischmeile vorbei zurück zu unserem Ausgangspunkt "Alte Liebe".



Den Tag haben wir dann stilecht bei einem leckeren Fischgericht und einem gut gezapften Jever Pilsener ausklingen lassen.



Mittwoch 29.06.2016 - Eine Tagesreise nach Helgoland



Die Sonne lachte an diesem Morgen schon früh am Himmel. Beste Voraussetzungen für eine kleine Seereise mit der MS Helgoland, dem neuen Seebäderschiff der Reederei Cassen Eils. Bereits um 10:15 Uhr nahm unser Schiff vom Cuxhavener Fährhafen aus Kurs auf die Insel Helgoland.



Die MS Helgoland wurde 2015 gebaut, hat eine Länge von 83 Metern und eine Gesamtbreite von 12,85 Metern bei einem Tiefgang von 3,60 Metern. Mit ihrer Maschinenleistung von insgesamt 4730 kw erreicht sie eine Geschwindigkeit von 20 kn. Inclusive der Crew können 1060 Passagiere befördert werden.



Das Besondere an der neuen MS Helgoland ist der innovative Antrieb mit Flüssiggas-(LNG)technik. So reist man mit dem Neuzugang in der Flotte der Reederei Cassen Eils emissionsarm und umweltfreundlich zur Insel Helgoland.



Helgoland liegt ca. 64 km Luftlinie von Cuxhaven entfernt in der Nordsee. Auf Halunder (das ist das Helgoländer Friesisch) heißt die Insel "Deät Lun", das Land.



Der mächtige Buntsandsteinfelsen ist Deutschlands einzige Hochseeinsel und besteht aus der Hauptinsel sowie der Nebeninsel "Düne", die 1721 durch die Neujahrsflut endgültig vom Felsen abgetrennt wurde.



Die Friesen bewohnen die Insel seit dem 7. Jahrhundert. Vom 12. bis 14. Jahrhundert stand Helgoland - wie ganz Nordfriesland - unter dänischer Herrschaft und wurde 1544 schließlich Schleswig-Holstein zugesprochen. Über die Jahrhunderte diente Helgoland immer wieder Piraten und Schmugglern als Standort.



Britische Truppen besetzten 1807 das Eiland. Bis zur Rückgabe an Preußen im Rahmen des "Vertrags zwischen Deutschland und England über die Kolonien und Helgoland", gehörte die Insel zum Vereinigten Königreich Großbritannien und Irland.



Im 1. und 2. Weltkrieg wurden Helgoland und die umgebene Nordsee immer wieder Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen. Nach der Evakuierung der Bevölkerung kurz vor Ende des 2. Weltkriegs diente die Insel - nach einem erfolglosen Zerstörungsversuch - als Bombenabwurfplatz der Briten und wurde später zum militärischen Sperrgebiet erklärt.



Die Wiederfreigabe für die zivile Nutzung erfolgte am 01. März 1952, die Bevölkerung kehrte zurück und der Wiederaufbau der Infrastruktur begann nach einem eigens entwickelten städtebaulichen Konzept. 1962 erhielt Helgoland die Anerkennung als Staatliches Nordseeheilbad.



Ah, leckere Fischbrötchen gibt es auch auf Helgoland.



Helgoland gehört heute zu den beliebtesten Reisezielen der Republik und lockt seine Besucher mit viel Natur, Ruhe und Erholung und - aufgrund seiner Lage außerhalb des EU-Zollgebiets - traditionell mit der Möglichkeit zum mehrwertsteuer- und zollfreiem Einkauf vieler Produkte.



Im Westen und im Norden grenzt das Helgoländer Felswatt an die Insel. Es gehört zum Naturschutzgebiet "Helgoländer Felssockel" und ist einzigartig in Deutschland. Es reicht bis zu 48 Meter in die Tiefe des Meeres und ist durch die jahrhundertelange Erosion des Felssockels entstanden. Flora und Fauna der Unterwasserwelt haben sich dem Gezeitenwechsel (der Tidenhub beträgt im Durchschnitt 2,30 Meter) optimal angepasst.



Das Helgoländer Felswatt beherbergt eine reiche Artenvielfalt: man stößt hier auf Algen, wirbellose Tiere und die unterschiedlichsten Fische. In den Felshöhlen leben vor allem Strandkrabben und Taschenkrebse. Der "Verein Jordsand zum Schutze der Seevögel und der Natur e.V." betreut diesen wertvollen Lebensraum.





Die "Lange Anna" - mehr als nur ein Felsen. Der alleinstehende Buntsandsteinfelsen ist das bekannteste Wahrzeichen der Insel Helgoland und trotzt tapfer der Nordsee-Brandung. Der markante Punkt ist bereits aus weiter Entfernung zu erkennen.







Börteboote haben auf Helgoland Tradition. Es sind hochseetaugliche Holzboote, die seit 1952 in den Sommermonaten Inselgäste zwischen den Seebäderschiffen und der Landungsbrücke befördern. Die meisten Börteboote stammen ausden 1960ern und 1970ern und sind mit relativ starken Dieselmotoren ausgestattet.







Nach einer solchen Seereise verlangt der Körper natürlich nach einer Stärkung. Höchste Zeit also das nächste Fischrestaurant aufzusuchen. So haben wir den Tag mit gutem Essen und einem eisgekülten Linie-Aquavit ausklingen lassen.





Donnerstag 30.06.2016 - Windstärke 10



Kein schönes Wetter. Alles grau in grau, Nieselregeln und dann auch noch Windstärke 10.... Nein, so heftig hat es an unserem letzten Cuxhaven-Tag nicht gestürmt. Aber aufgrund des nicht ganz so tollen Wetters haben wir uns ins gleichnamige Museum geflüchtet.



Willkommen im Museum "Windstärke 10". Hier erwartete uns ein ungewöhnliches Museumserlebnis zu den Herausforderungen und Gefahren der Seefahrt. Hier wurde über Fangreisen nach Island, Geschichten von Untergängen und Rettungen, über Fisch-Kontrolleure und über Wracks auf dem Grund der Nordsee berichtet.



Der Fischgeruch ist inzwischen verflogen. Aber das Museum ist stolz darauf, die Spuren der Vergangenheit zu erhalten. Schließlich befindet man sich hier an einem wichtigen Schauplatz Cuxhavener Fischereigeschichte.



Für das Museum wurden zwei Fischpackhallen aus den 1930er Jahren mit einer neuen Mittelhalle verbunden. Früher befand sich zwischen den beiden Hallen eine Straße mit Schienenanbindung an die nahen Betriebe der Fischverarbeitung.



In den historischen Hallen wurde ursprünglich Fisch verarbeitet und verpackt. Dazu benötigte man auch Wasser. Die Fußböden im Erdgeschoss weisen daher noch heute ein Gefälle zu den ehemaligen Wasserabflüssen auf.



Nachdem wir uns tagsüber zu den unterschiedlichen Fangmethoden und zur Weiterverarbeitung weitergebildet hatten, galt es am Abend erneut sich auf eine höchst angenehme Art und Weise mit dem Thema Fisch auseinander zu setzen.





Für den Nachtisch war natürlich auch wieder gesorgt....



Freitag 01.07.2016 - Abreise

Und schon war er auch wieder um, unser Kurzurlaub an der Nordsee. Noch einmal haben wir das leckere Frühstücksbuffet in unserem Hotel geplündert. Dann ging es auch schon wieder nach Hause. Wir sind relativ staufrei durchgekommen. Das Dach von Angies Cabriolet musste allerdings an diesem Tag geschlossen bleiben. Der Sommer hatte sich mal wieder eine Auszeit genommen.

Es hat uns aber gut gefallen im hohen Norden. Sicherlich kommen wir nochmal mit einem mehr an Zeit ans Meer. Im nächsten Jahr wird aber vermutlich die Sehnsucht nach den Bergen gewinnen.