Donnerstag 05.06.2014: durchs östliche Trentino



251 Kilometer (Track-Datei)

Wie eigentlich immer ging es von Cavalese aus durchs Valle de Fiemme. Heute stand eine Tour durchs östliche Trentino an. Und der Weg dorthin führte über den Passo di Rolle. Der war bei einer Tour vor wenigen Tagen wegen Schneefall nicht befahrbar. Doch heute hatten wir Glück. Der 20 Kilometer lange Pass war frei und Schnee konnte man nur noch auf der Passhöhe von 1.970 Metern entdecken. Ansonsten erschien uns der Rollepass über den Monte Grappa im Vergleich zu anderen Dolomitenpässen relativ unspektakulär.




Bei Valstagna verließen wir die Bundesstraße und fuhren eine kurven- und kehrenreiche Straße über den Monte Spitz. Die Straße war ziemlich eng und die vielen Kehren reichlich knapp bemessen. Am Ende hatten wir eigentlich das Himmelstor erwartet, so steil ging es hier hinauf.





Weiter hinaus ging es über Gallio, Asiago, Gionghi und Caldonazzo. In Telve wartete dann zum Schluss der Tour ein echtes Highlight auf uns. Der Passo di Manghen ist kaum breiter als bei uns zu Hause die Bürgersteige. Das ganze liess sich zunächst ganz nett an. Eine schöne kleine Straße durch eine tolle Landschaft. Dafür sind die Kehren in Gipfelnähe nahezu gemein eng. Da ist volle Konzentration gefordert, denn links und rechts geht es steil bergab. Und Leitplanken sind Mangelware. Zusätzlich fanden heuer großflächige Waldarbeiten statt. Und Forstfahrzeuge und Holztransporter nahmen zusätzlich Platz in Anspruch.













Nach 251 Kilometern kamen wir wohlbehalten in Cavalese an. Angie hat nun erstmal keinen Bock mehr auf Kehren. Morgen zum Timmelsjoch darf ich alleine fahren.
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Freitag 06.06.2014: Timmelsjoch



307 Kilometer (Track-Datei)

Heute hatten Angie und ich unterschiedliche Urlaubsprogramme. Für mich sollte es dann heute endlich aufs Timmelsjoch gehen. Und dafür hatte ich mir tatsächlich Kaiserwetter bestellt. Auf meinen 307 Tourkilometern war es reichlich warm, sodass alle Lüftungsschlitze der Motorradjacke geöffnet werden konnten. 











Das Timmelsjoch (2.509 Meter) verbindet das österreichische Ötztal mit der italienischen Region Südtirol. Gleichzeitig trennt es die Ötztaler von den Stubaier Alpen. Angefahren bin ich das Timmelsjoch von der anspruchsvolleren Nordseite, also von Südtirol aus. Aber da ich in Untergurgl gedreht habe bin ich ja gleich zweimal in den Genuss dieser Traumstraße gekommen.







Übrigens war das Timmelsjoch grade mal ein paar Tage geöffnet. Die Schneefräsen hatten einiges zu tun, um die Straße zum Saisonstart frei zu bekommen. So hatte ich zu dieser frühen Jahreszeit das Vergnügen, an bis zu 3 Meter hohen Schneewänden vorbei zu cruisen.





Angies Tour

Angie ist dagegen eine kleine Tour über 130 Kilometer durch die nähere Umgebung gefahren und hat dabei ihren Hintern und ihre Oberarme geschont. 












Samstag 07.06.2014: zu Gast bei König Laurin



116 Kilometer (Track-Datei)

Heute haben wir uns zum Abschied kilometertechnisch etwas zurückgehalten. Wir sind nochmal auf bereits bekannten Strecken gecruist. Unter anderem waren wir nochmal am Rosengarten um das tolle Dolomitenpanorama abzulichten.

 

Hier herrschte der Sage nach der Zwergenkönig Laurin auf einer kristallenen Burg tief im Erdinneren. Tausende von Zwergen waren ihm untertan und bargen unermessliche Schätze an Gold, Silber und Edelsteinen aus dem Felsen. Genau darüber im Licht der Sonne hatte sich der König einen herrlichen, nur mit goldenen Seidenfäden umzäunten Rosengarten geschaffen, dessen Anblick jeder Vorbeikommende genießen aber nicht betreten durfte, wenn ihm sein Leben lieb war. Herr Dietrich von Bern (Verona) samt Gefolge scherte sich aber nicht darum. Er wollte den Zwergenkönig dafür bestrafen, dass dieser – in heiß entbrannter Liebe zur Jungfrau Kühnhilde – sie mithilfe seiner Tarnkappe entführt hatte. Sogleich sprengte König Laurin heran, bebend vor Zorn. Es kam zum Kampf, den der Zwergenkönig trotz seiner Zauberkräfte verlor. Also musste er Dietrich zu der Entführten leiten.

Sie gingen durch eine Felsenpforte in den Thronsaal, der aus Marmor, Gold und edlen Steinen erbaut worden war. Laurin lud nun seine Gäste zu Tisch, die arglos tafelten, aber von vergifteten Säften betäubt wurden. Laurin ließ sie fesseln und in den Kerker werfen. Kühnhilde, die im Zwergenreich als Königin geachtet wurde, konnte ihre Retter aber wieder befreien und es kam zum Kampf mit dem verräterischen Zwergenvolk. Laurin wurde abermals gefangen genommen und musste fortan am Berner Hof schmachvoll dienen. Laurins Rosengarten aber wurde in den gleichnamigen Berg verwandelt.

In der Mittagszeit, in der die Sonne ihre volle Kraft entwickelte und wirklich sommerliche Temperaturen zu verzeichnen waren, haben wir die Motorräder verladen. Danach waren wir nochmal Eis essen und haben unsere Einkäufe für die Heimfahrt erledigt. Und natürlich haben wir noch das ein oder andere Mitbringsel für die Lieben daheim besorgt.



Und irgendwie wird es nun auch Zeit, das wir nach Hause kommen. Die Mopeds müssen geputzt werden....




Sonntag 08.06.2014: Heimreise

Wenn es über die Heimreise aus dem Urlaub nicht viel zu berichten gibt, dann ist wohl alles gut gelaufen. Und so war es dann auch. Wir sind etwas später aus Cavalese losgefahren als ursprünglich geplant. Ursache war der BMW-Motorradclub aus Mailand, der mit ca. 20 Motorrädern die Ausfahrt des Hotelparkplatzes blockierte. Aber nach 14 Tagen Urlaub in den Bergen besitzt man ausreichend Gelassenheit, um auch mit solchen Situationen umzugehen.

Diesmal sind wir nach der Brenner-Autobahn über den Fernpass und dann auf der A7 Richtung Würzburg gefahren. Dadurch haben wir etwa 60 Kilometer Fahrstrecke eingespart. Nach knapp 12 Stunden Fahrzeit sind wir wohlbehalten und staufrei zu Hause angekommen. Wir haben das Auto noch bei Tageslicht entladen können und die Motorräder in der Garage verstaut. Ein kluger Schachzug, denn am Pfingstmontag zog ein orkanartiger Sturm mit Starkregen und Windböen von bis zu 140 Kilometer in der Stunde über Nordrhein Westfalen hinweg, der für reichlich Verwüstungen sorgte. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Fazit

Dolomiten und Trentino: eine fantastische Motorradregion! Cavalese ist ein perfekter Ausgangspunkt für zahlreiche Tagestouren. Was wir in diesem Urlaub an Kurven und Kehren erleben durften ist unbeschreiblich. Dies stellt allerdings auch gewisse Herausforderungen an Konzentration und Kondition. Bei der Tourenplanung sollte man sich im Vorfeld daher lieber etwas zügeln. Fahrstrecken von 350 Kilometern am Tag, wie wir sie in anderen Urlauben gefahren sind, sind kaum zu schaffen. Wenn man also auch die herrlichen Dolomitenpanoramen geniessen möchte und für Film- und Fotoaufnahmen anhalten will, dann wird es eng. Zum Vergleich, in den Urlauben in Kärnten sind wir in 14 Tagen ca. 3.000 Kilometer mit den Motorrädern gefahren. In diesem Jahr waren es 2.078 Kilometer. Und trotzdem waren wir meist den ganzen Tag unterwegs.



An- und Abreise verliefen in diesem Jahr ohne Staus, Unfälle oder sonstige Probleme. Es ging zügig voran und wir sind entspannt am jeweiligen Ziel angekommen.

Wir waren diesmal recht früh im Jahr unterwegs und hatten anfangs ein wenig mit Niederschlägen und niedrigen Temperaturen zu kämpfen. Auf den Passhöhen war es ziemlich kalt, dafür haben wir häufig noch tiefverschneite Bergpanoramen geniessen können. Zum Schluss unseres Aufenthaltes wurde es deutlich wärmer. Das Motorradfahren auf den engen Pässen wurde dann nochmal anstrengender. Ich kann mir vorstellen, dass es bei richtig sommerlichen Temperaturen noch ein wenig anspruchsvoller wird, lange Touren zu bewältigen. Aber dann hat man ja die kühleren Passhöhen, auf denen man wieder abkühlen kann.

Das Tourenfahrer Partnerhaus Hotel la Stüa in Cavalese können wir wirklich empfehlen. Ein tolles Ambiente, das Zimmer war urgemütlich, es gab ein reichhaltiges Frühstücksbüffet, leckeres Essen und der Service war perfekt. Und wir sind dort vielen gut gelaunten Menschen begegnet, die immer hilfsbereit und freundlich waren.
Unser Fazit: das war ein perfekter Motorradurlaub.

Wo es uns im nächsten Jahr hinverschlägt? Schaun mer mal. Ein paar Ideen gibt es schon.