05.06. bis 19.06.2011       


Zu Gast bei Familie Unterkofler in der Pension "Jakelbauer"



Bei der Planung für unseren Motorradurlaub im Jahr 2011 hatten wir zunächst mit der Region Südtirol geliebäugelt. Dann haben Angie und ich auf ein zumindest mir bekanntes Ziel zurückgegriffen. Denn bereits 2009 war ich mit meinem Freund Helmar beim Jakelbauern in Fresach zu Gast. Höchste Zeit also, dass auch Angie das Motorradland Kärnten und die hervorragende Küche von Gerlinde kennenlernt.  Hier geht es dann auch gleich einmal zur Homepage unserer Unterkunft im schönen Kärnten:



Bei Rudi und Gerlinde kann man den Urlaub wirklich geniessen. Der Tag beginnt mit einem tollen Frühstück und nach Rückkehr von der Motorradtour wartet bereits ein frisch gezapftes Villacher Märzen auf die durstigen Kehlen. Das von Gerlinde liebevoll zubereitete Abendessen ist einfach unschlagbar. Schmeckt nicht, gibts nicht! Und so ist es auch kein Wunder, wenn man nach dem Urlaub ein paar Kilos mehr auf die Waage bringt.
 


Natürlich macht man hier Urlaub auf dem Bauernhof. Es gibt jede Menge Tiere. Doch die zahlreichen Katzen und hier im  Speziellen der wenige Wochen alte Nachwuchs, hatten es meiner Ex-Sozia besonders angetan. Die Beiden wurden während unseres Urlaubsaufenthaltes ein unzertrennliches Paar.



Wir waren mit Sicherheit nicht zum letzten mal beim Jakelbauern zu Gast. Diese Pension ist ein echter Geheimtipp. Damit das so bleibt: Bitte nicht weitererzählen!!!

Sonntag 05.06.2011

Unser Anreisetag. Die Motorräder hatten wir wie immer am Vorabend auf unseren Anhänger verladen. Auch das Gepäck hatten wir bereits am Samstag im Kofferraum verstaut. So konnte es um 3:15 Uhr zu nachtschlafener Zeit auf in Richtung Kärnten gehen.

Die Fahrt verlief annähernd staufrei und ohne Zwischenfälle. Alle zwei Stunden haben Angie und ich uns beim Fahren abgelöst. Selbst den Tauerntunnel konnten wir ohne Blockabfertigung und zeitliche Verzögerung passieren. Doch ausgerechnet auf den letzten Metern, nachdem wir die Autobahn verlassen hatten, haben wir mit dem Gespann noch eine kleine Ehrenrunde gedreht. Aber mit knapp 12 Stunden Fahrzeit für die etwas mehr als 950 Kilometer waren wir recht zufrieden.



Beim Jakelbauern in Ferndorf/Laas wurden wir freundlich begrüßt. Das Gepäck war mit Rudis Hilfe schnell im Zimmer verstaut. Später hat uns die Familie Unterkofler auch beim Entladen der Bikes vom Motorradanhänger geholfen.

Drei Biker aus Bochum und Essen, die zum erweiterten Bekanntenkreis unseres Freundes Helmar gehören, waren ein paar Tage vorher angereist. Mit den Jungs haben wir später in der Gaststube das Abendessen eingenommen und noch eine Zeit lang beim Bier zusammengesessen. Angie musste sich als einziges Mädchen in der Männerrunde so manchen Spruch anhören. Aber daran konnte sie sich in den nächsten Tagen ja noch gewöhnen.

Nach dem langen und anstrengenden Tag sind wir zeitig ins Bett und dort auch gleich ins Koma gefallen.

Montag 06.06.2011

Kärnten begrüßte uns am Morgen wolkenverhangen. Über Nacht hatte es geregnet, doch die Straßen trockneten bereits wieder ab. Gleich nach dem Frühstück sind wir mit dem Auto nach Döbriach um Einkäufe zu erledigen und uns beim Touristikverband die Kärnten-Card zu besorgen. Mit dieser Karte erspart man sich den Eintritt für diverse Museen, Sehenswürdigkeiten und Seilbahnen. Und bei verschiedenen Mautstraßen entfällt nach Vorzeigen der Karte die Mautgebühr.

Später haben wir in Feistritz die Motorräder betankt. Dann sind wir am Milstätter See vorbei nach Patergassen gefahren um der Nockalmstraße unsere Aufwartung zu machen. Hier konnten wir dann auch gleich unsere neu erworbene Kärnten-Card einsetzen und die 9,50 Euro Mautgebühr für die schwungvolle Straße durch den Nationalpark Nockberge sparen. Die ersten Kehren unseres Urlaubs haben wir in vollen Zügen genossen und auch Angie kam mit den Haarnadelkurven prima zurecht.


An der Schiesselscharte haben wir eine kurze Pause eingelegt und Angie hat die Wunschglocke erklingen lassen. Ihren Wunsch hat sie mir nicht verraten. Sollte es ein heftiger Regenguss für die dürstenden Wiesen und Felder gewesen sein, so ist ihr Wunsch jedenfalls prompt in Erfüllung gegangen.


Der heftige Regen zwang uns daher zur Umkehr. Die Nockberge konnten von uns daher an diesem Tag nur zu einem geringen Teil erobert werden. Wir werden in den kommenden Tagen nochmals dorthin zurückkehren. Allerdings ist die Wetterprognose auch für die kommenden Tage nicht so toll. Auch die Turacher Höhe haben wir uns aufgrund der Wetterlage gespart. Vor unserer Rückkehr zum Jakelbauern sind wir aber noch die kurvige Straße hinauf zum Skigebiet Falkertsee gefahren. Leider sind wir an unserem ersten Urlaubstag nur auf 118 Motorradkilometer  gekommen. Da bleibt also noch Luft nach oben.


Nachmittags sind wir dann noch mit dem Auto nach Villach und haben dem dort ansässigen Hein Gericke Shop einen Besuch abgestattet. Es hat ja mal einen Urlaub gegeben, bei dem ich mir sämtliche Ausweispapiere, Scheckkarte und Geldbörse nachschicken lassen musste, da ich alles zu Hause vergessen hatte. Dieses mal habe ich nur die Motorradjacke am Garderobenhaken im heimischen Flur hängen lassen. Und die leichte Sommerjacke hatte sich bei der derzeitigen Wetterlage als nicht hochgebirgstauglich erwiesen. Daher musste ich beim Herrn Gericke noch schnell ein preisreduziertes Exemplar erstehen. Was man nicht im Kopf hat…


Dienstag 07.06.2011

Für den heutigen Tag war die Wetterprognose etwas besser. Erst am Nachmittag sollten die ersten Schauer einsetzen. Unser Plan war es, zunächst die Malta Hochalmstraße zu befahren und uns nach erfolgter Besichtigung des Städtchens Gmünd die Goldeck Panoramastraße zu gönnen. Wir sind also gegen 9:00 Uhr bei fast wolkenlosem Himmel und mit der Sonne im Herzen in Richtung Spittal gestartet.


Hinter Spittal ging es dann auf kurvigen Straßen immer am Flüsschen Lieser entlang, bevor wir in Gmünd links ins schöne Maltatal einbogen. Und durch dieses Tal fährt man nicht, hier schwingt man sich durch aufregende Kurvenkombinationen, die wohl von einem Motorradfahrer in die atemberaubende Landschaft gebaut wurden.


Das Maltatal mit seiner gebührenpflichtigen Mautstraße lässt keine Wünsche offen: imposante Wasserfälle gleich neben der Straße und beim Weg hinauf zur mächtigen Kölnbreinsperre, hinter deren 200 Meter hohen Mauer glasklares Gebirgswasser gestaut wird, gilt es mal eben 1000 Höhenmeter zu bewältigen.


Gleich sechs Felstunnel wollen durchfahren werden, von denen einer als ziemlich enge Tunnelkehre gestaltet wurde. Gründe genug um jede Menge Adrenalin auszustoßen. Oben angekommen, haben wir die fantastische Fernsicht und die Blicke auf die umliegenden teils noch schneebedeckten Berggipfel genossen.


Doch erste Wolken am Himmel, ließen für die weitere Tour nichts Gutes erahnen. So machten wir uns nach einer kurzen Rast auf den Rückweg hinunter nach Gmünd. Die Malta Hochalmstraße ist teilweise nur einspurig zu befahren. Den Verkehr durch die engen Tunnelröhren und Kehren regeln Ampeln. Teilweise muss man mit Wartezeiten von bis zu 20 Minuten rechnen. Zeit genug, um mit anderen Bikern vor der roten Ampel über Tourerlebnisse der letzten Tage zu plaudern. 


Und kaum hatten wir die Mautstation passiert, öffnete der Himmel mal wieder seine Schleusen. Und an diesem Zustand sollte sich bis zurück zur Pension Jakelbauer auch nichts mehr ändern. Nachdem wir die Regenjacken über die Motorradklamotten gezogen hatten, ging es daher im gemäßigten Tempo auf direktem Weg zurück zu unserer Unterkunft. Das Städtchen Gmünd und die Goldeck-Panoramastraße müssen also noch auf uns warten.

Am Nachmittag sind wir dann noch mit dem Auto nach Millstatt, wo wir uns am Ufer des Millstätter Sees einen Kaffee und einen Topfenstrudel gegönnt haben. Beides konnte uns genau wie das Wetter aber nicht wirklich überzeugen. Doch die Erinnerung an die spektakuläre Malta Hochalmstraße vom Vormittag ließ uns auch diesen Tag in positiver Erinnerung behalten. Wetterbedingt waren wir am zweiten Tourtag allerdings nur 127 Kilometer unterwegs. Es kann also nur besser werden.

Mittwoch 08.06.2011

Ich sag es jetzt mal so, Sonnenbrille und Sonnencreme waren bislang in diesem Urlaub nicht unsere ständigen Begleiter. Und daran sollte sich auch an diesem dritten Urlaubstag nicht viel ändern. Und da es am frühen Morgen gleich die ersten Niederschläge gegeben hat, haben wir uns nach dem Frühstück ein Alternativprogramm überlegt.


Wir sind mit dem Auto nach Gmünd gefahren und haben uns dort zunächst die historische Altstadt angeschaut. Gmünd war über viele Jahre die Wirkungsstätte von Prof. Dr. Ing. h. c. Ferdinand Porsche. Und hier wurde das erste Auto mit dem Namen „Porsche“ gebaut – der legendäre Porsche 356. 44 Coupés und 8 Cabrios entstanden von diesem Typ im Werk Gmünd, gebaut von 300 Mitarbeitern.


Mit viel Idealismus und hohem persönlichen Einsatz errichtete der Gmünder Antiquitätenhändler Helmut Pfeifhofer 1982 das erste und einzige private PORSCHE-Automuseum in Europa. In diesem Museum spannt sich der Bogen von den ersten Porsche-Konstruktionen über Austro-Daimler, Steyr und Volkswagen bis Porsche als Seriensieger auf allen Rennstrecken und Straßen der Welt.


Auch nach dem Besuch des Porsche-Museums hatte sich das Wetter nicht grundlegend verändert. Als wir also mit dem Auto auf Spittal zufuhren, haben wir uns daher entschieden, noch einen weiteren Museumsbesuch einzulegen. Und da lockte uns gleich in Spittal Österreichs größte Modell-Eisenbahnanlage.


300 Quadratmeter Schaufläche locken hier die Besucher in die Wunderwelt der Eisenbahn. Insgesamt 210 Lokomotiven und über 500 Waggons kommen auf der Anlage zum Einsatz. Auf ca. 600 Metern Schienen bewegen sich 17 Zuggarnituren gleichzeitig. Aus meiner Sicht – schließlich war ich in meinem früheren Leben auch einmal Modellbahner – beeindruckt die Modellbahnanlage vor allem durch ihre Größe, ihre Technik und die Menge des rollenden Materials. Die Landschaftsgestaltung lässt allerdings Wünsche offen. Gerade im Detail wirkt die Ausgestaltung eher grob. Hier fehlt die Liebe an der perfekten Nachbildung. Von daher war ich eher enttäuscht.

Nach einer leckeren Leberkassemmel sind wir zurück zu unserer Unterkunft gefahren. Und auf einmal war da am Himmel so etwas wie Sonne zu sehen. Höchste Zeit, sich nun endlich auf die Motorradsättel zu schwingen. Schließlich hatten wir hier noch einiges nachzuholen. Und heute wollten wir die Nockalmstraße auch mal in voller Länge befahren.


Kurz vor Reichenau setzte dann allerdings leichter Regen ein. Um unsere Entscheidung, bei der unbeständigen Wetterlage die Nockberge zu befahren hinauszuzögern, sind wir zunächst geradeaus auf die Turracher Höhe gefahren.  Einst war die Straße, die hier hinüber in die Steiermark führt, der wahre Schrecken aller Untermotorisierten. Die Südrampe, die in früheren Jahren einmal mit einer Steigung von bis zu 34 % eine echte Herausforderung war, ist längst entschärft. Heute kann man locker und entspannt die Schräglagen genießen. Allerdings mussten wir beim Rückweg von der Turracher Höhe ziemlich acht geben. Der Regen der letzten Tage hatte Split und Geröll auf die Fahrbahn gespült. Und Split und Geröll sind nun mal die natürlichen Feinde eines jeden Motorradfahrers.


Immerhin hatte sich nun die fiese Regenwolke verkrochen. Und so haben wir uns dann doch noch an die Bewältigung der Nockberge gemacht.  Die mautpflichtige Nockalmstraße ist geradezu paradiesisch mit Kurven und Kehren gespickt. Da bleibt zwischen den herrlichen Schräglagen kaum Zeit, ein Auge auf die faszinierende Schönheit der Natur zu werfen. Es sei denn, man hält extra an. Was auch dringend angeraten ist, denn die Nockberge sind Europas einziger Nationalpark im sanften Hochgebirge. Abgesehen davon verfügen sie über den größten Fichten- und Zirbenbestand der Ostalpen.


Das unverwechselbare Erscheinungsbild der runden „Nockn“ liegt an einer Vielzahl vorkommender Gesteine und stellt eine erdgeschichtliche Rarität dar, wie man sie im ganzen Alpenraum nicht mehr findet.


Nach den 52 Kehren der Nockalmstraße mochte Angie den Heimweg lieber über Gmünd antreten, anstatt unser Kehrenkonto für diesen Tag in den dreistelligen Bereich zu schrauben. Die Heimfahrt verlief ohne größere Zwischenfälle. An einer Baustelle vor Spittal hatten wir eine Viertelstunde Wartezeit. Dort war aus einer Baumaschine Hydrauliköl ausgelaufen. Und die Straßenbauarbeiter waren emsig bemüht die Straße wieder befahrbar zu machen. Nach 138 Motorradkilometern, mit denen wir am Morgen nicht wirklich gerechnet hatten, kamen wir guter Dinge und vor Allem mit trockener Motorradbekleidung beim Jakelbauern an. Dort haben wir uns das gute Villacher Märzen und ein schmackhaftes Abendessen schmecken lassen.


Donnerstag 09.06.2011

Der Morgen zeigte einige Wolkenlücken und es war – man glaubt es kaum – trocken. Die Tourplanung war schnell gemacht. Wir wollten uns in der näheren Umgebung von Laas bewegen, denn der Wetterbericht hatte im Laufe des Tages abermals Schauer angekündigt.


Zunächst fuhren wir in Richtung der Goldeck-Panoramastraße. Das Befahren dieser Strecke kostet zwar Maut, bietet aber Aussicht auf Kurvenspaß vom Feinsten. Die 14,5 Kilometer lange Bergstrecke beginnt in Zlan-Stockenboi und schraubt sich bei einer maximalen Steigung von 10 % bis auf 1900 Meter Seehöhe hinauf. Die Strecke ist etwas fürs Auge denn die Ausblicke vom Goldeck auf die umliegende Bergwelt sind von ganz besonderer Qualität.


Nach dem wir die phänomenale Aussicht genossen hatten, führte uns die Panoramastraße zurück nach Zlan. Von dort ging es über beschauliche Straßen weiter bis zum Ostufer des Weißensees. Der fjordähnliche Weißensee ist der höchstgelegene Badesee der Alpen. Sein Wasser weist Trinkwasserqualität auf und er liegt eingebettet in einem wunderschönen Naturschutzgebiet.


Rund zwei Drittel seines Ufers sind unverbaut. In einem Restaurant direkt an einem Bootsanleger haben wir uns Kaffee und einen Apfelstrudel mit Schlagober schmecken lassen.


Von den Ufern des Weißensees zog es uns nach dieser kurzen Rast wieder in Richtung Villach. Denn vom Ortsteil Möltschach führt die ebenfalls mautpflichtige Villacher Alpenstraße über rund 16 Kilometer bis hinauf zur Rosstratte in 1732 Metern Höhe. Entlang der Straße bietet sich immer wieder ein fantastischer Rundblick auf die Stadt Villach, die Julischen Alpen und die markante Südseite des Dobratsch, das größte Bergsturzgebiet der Ostalpen. Leider war die Rosstratte bei unserer Ankunft wolkenverhangen, sodass wir nur einen Teil des sich bietenden Alpenpanoramas bewundern konnten.


Zurück im Ortsteil Möltschach schwenkten wir mit unseren Motorrädern in Richtung des Faaker Sees. Der kleine See liegt idyllisch unterhalb der gewaltigen Bergkulisse der wilden Karawanken und dem sanften Hügelland des Rosen- und Gailtals gelegen. Die Bekanntheit des Faaker Sees rührt unter anderem von der hier alljährlich stattfindenden Harley-Davidson European Bike Week. Ein besseres Plätzchen hätten sich die Fans amerikanischen Edelstahls auch nicht aussuchen können. Denn der Faaker See bildet eine tolle Kulisse für jährlich etwa 18000 Teilnehmer am Motorradtreffen.


Freundlicherweise war uns mit unseren Motorrädern der Marken BMW und Honda die Fahrt vorbei am Faaker See gestattet. Nur ans Ufer gelangt man nicht so recht. Denn der Strandbereich des schön gelegenen Sees wurde professionell vermarktet. Freie Stellen, an denen man ans Seeufer gelangen kann, finde man daher kaum.

Vom Faaker See aus lenkten wir unsere Bikes wieder Richtung Laas. Und natürlich holte uns auf der Bundesstraße dann doch noch eine Regenwolke ein. Doch daran haben wir uns in diesem Motorradurlaub längst gewöhnt. Und immerhin haben wir es heute auf 194 Motorradkilometer gebracht. Das macht Lust auf mehr.

Freitag 10.06.2011

Der Himmel über Kärnten zeigte sich beinahe wolkenlos. Und die Sicht auf die umliegenden Berge war grandios. Doch uns zog es heute ins Tirolersche. Über die Bundesstraße ging es über Spittal durch das Drautal in Richtung Lienz. Lienz ist die Metropole Osttirols. Und wie das in Metropolen so ist, Straßen und Kreuzungen sind dicht und der Durchgangsverkehr kommt nur schleppend voran.

Hinter Lienz rollte der Verkehr auf der Bundesstraße 108 erheblich besser und wir näherten uns rasch den Hohen Tauern. In Huben schwenkten wir mit unseren Motorrädern scharf nach links ins Defereggental ein. Und dort geht es dann gleich über eine steile Rampe hinauf um Höhenmeter zu machen. Nur schlecht, wenn man wie wir einen 36-Tonner-Sattelzug vor sich hat, den man auf der engen Straße mit den zahlreichen Kurven kaum überholen kann.


Ich muss es wohl nicht unbedingt erwähnen, kaum ging es mit den Bikes durch das schöne Defereggental, setzten die ersten Schauer ein. Und diese sollten uns bei unserer heutigen Tour immer wieder mal begegnen. In Erlsbach haben wir in einer hübschen alten Gastwirtschaft eine Pause eingelegt und uns mit Kaffee und Kakao gestärkt. Danach gondelten wir wieder kurvenreich durch die Milka-Idylle des Defereggentals. Hier verträumte Holzhäuser, dort saftige Weiden. Und wäre es hier nicht so wolkenverhangen gewesen, hätte uns im Rückspiegel sogar noch der Großglockner zugezwinkert.


Am Talschluss warten zünftige Kurven bergan und der Staller Sattel naht unaufhaltsam. Allerdings ist das Asphaltband, das von Oktober bis in den Juni hinein einer Wintersperre unterliegt, zum Teil schon ganz schön löchrig und hier und da garniert auch mal eine Portion Rollsplitt den Scheitelpunkt der Kehren. Dennoch ist dieser Pass eine geradezu geniale Rampe und führt auf luftige 2052 Meter über den Spiegel der Weltmeere.


Neben der Piste blüht so blau, blau, blau der Enzian, und über allem erheben sich die gewaltigen Gipfel der Riesenfernergruppe. „Ferner“ heißt so viel wie Gletscher, und dort hinauf blickt man, zu den funkelnden Dreitauserndern, wohin sich der Winter samt Schnee und Eis während der leider oft zu kurzen Motorradsaison zurückgezogen hat.


Zeit zum Schauen hat man genug. Denn für Ordnung auf der gerade mal einspurigen Fahrstraße auf Südtiroler Seite sorgt eine unerbittliche Ampelsteuerung: Lange 45 Minuten steht sie auf Rot, dann ein Viertelstündchen auf Grün, jeweils von voll bis viertel nach.


Kaum schaltet die Ampel auf Grün geht`s endlich bergab. Engste Haarnadelkurven erfordern dabei eine feste Hand am Lenker. Für Angie waren es die ersten Motorradkilometer auf italienischem Boden und dann gleich über dieses Sahnestück von Passstraße. Dort, wo die Straße wieder gerade wird, befindet man sich in Antholz wo einmal im Jahr der Biathlon-Weltcup stattfindet. Hier befindet man sich in Süd-Tirol. Und so werden die Ortsnamen in Deutsch und Italienisch angezeigt.


Über Innichen ging es durch das Pustertal zurück in Richtung Lienz. Der Regen war nun unser ständiger Begleiter. Mittlerweile hatten wir bereits einige Motorradkilometer hinter uns. Und so meldeten unsere Hintern, dass nun langsam eine Pause fällig ist. Doch diese mussten wir bis Lienz verschieben, wo bereits der dichte Feierabendverkehr mit kilometerlangen Staus und stop-and-go auf uns wartete. Bei Mc Donalds haben wir uns mit einem Big Mac und einer Cola gestärkt. Dann ging es weiter in Richtung Kärnten.


Unterwegs haben wir noch einen Zwischenstopp eingelegt, um die durch die Sitzhaltung verbogenen Knochen und Gelenke wieder in Richtung zu bekommen. In Kärnten angekommen zeigte sich das Wetter dann von der freundlichen Seite. Und nach 320 Kilometern beim Jakelbauern angekommen, wurde uns berichtet, dass dort den ganzen Tag nicht ein Tropfen Regen gefallen ist. So kann es gehen, doch immerhin konnten wir den Staller Sattel befahren. Wer weiß, wann wir das nächste mal dorthin kommen.

Samstag 11.06.2011

Zur Abwechslung waren die Straßen am Morgen nass. Der Himmel war wolkenverhangen. So haben wir das Motorradfahren zunächst einmal vertagt und einen Besuch im Kärntner Handwerksmuseum eingeschoben. Das Museum liegt in Baldramsdorf und ist im Schloss zu Unterhaus untergebracht.





Über 40 Handwerksstuben bzw. Gewerbeabteilungen geben einen umfassenden Eindruck von der Berufswelt vergangener Zeiten. Hier erfährt man viel von den einst gebräuchlichen Werkzeugen, Geräten und Kleinmaschinen. Besonders anschaulich eingerichtet sind die Werkstätten und Abteilungen des Schmiedes, Gold- und Silberschmiedes, Schlossers, Wagners, Tischlers, Zimmermanns, Schusters, Sattlers, Buchdruckers, Schneiders, Hutmachers, Frisörs, Malers und Anstreichers, Fotografen, Apothekers und des Kaufmanns.