15.04. bis 17.04.2010

 Hallenberg im Sauerland

Der Winter 2009/2010 war lang und heftig. Und selbst Mitte April waren die Temperaturen noch nicht wirklich frühlingshaft. Angie und ich schleppten also zu Beginn der neuen Motorradsaison ein riesiges Defizit an Tourenkilometern hinter uns her. Bis zum geplanten Motorradurlaub im Allgäu waren es noch einige Wochen.

Im April hatten wir uns 14 Tage Urlaub genommen. Im Vorjahr gab es zu dieser Zeit sommerliche Temperaturen. Doch in diesem Jahr liess der Frühling weiter auf sich warten. Also haben wir die Langzeitwetterprognosen studiert und uns drei Tage herausgesucht, an denen zumindestens das Regenrisiko gering war. Und da uns nach ein paar schnittigen Kurven war, bot sich doch gleich mal das Sauerland für einen Kurztrip an.

Das Sauerland und seine angrenzenden Regionen Wittgensteiner Land, Schmallenberger Sauerland, Siegerland, Waldecker Upland, Ederbergland mit dem Nationalpark Kellerwald-Edersee gehören zu den schönsten Motorradrevieren Deutschlands. Mitten im Herzen der Republik erschließt sich dem motorradbegeisterten Fahrer ein Netz aus Straßen und Sträßchen, Tälern und Höhenzügen, die es gilt, sowohl in sportlicher Fahrweise wie auch bei gemütlichem Cruisen, erobert zu werden.

Im Jahr 2008 waren wir mit unserem Motorradclub im Landgasthof "Zum wilden Zimmermann" in Hallenberg zu Gast. Und da es uns dort gut gefallen hatte, haben wir uns vorab telefonisch ein Doppelzimmer reserviert.

Donnerstag 15.04.2010

Am Donnerstag Morgen haben wir den Tag erst einmal mit einem leckeren Frühstück begonnen. Gegen 11:00 Uhr haben wir die Motoren unserer BMW`s angeworfen und sind los in Richtung Sauerland. Hierbei hab ich auf die Tourenplanung unserer Clubtour vom vorvergangenen Jahr zurückgegriffen. Dies sollte sich allerdings als Fehler herausstellen.

Wird eine Tour über andere Navigationssysteme geplant, behandelt GARMIN die gesetzten Wegpunkte wie Zwischenziele. Bei jeder Umleitung versuchte mein GARMIN zumo uns daher an das erste verpasste Zwischenziel zurück zu führen. Auf Dauer bereitet dieses Unterfangen nur wenig Vergnügen. Also sind wir recht schnell von der ursprünglichen Routenplanung abgewichen.

Das Wetter bei unserer Anreise war trocken aber recht frisch. So mussten wir uns unterwegs öfters mal mit einem koffeinhaltigen Heissgetränk aufwärmen. Diese Pausenregelung kam meiner Begleiterin übrigens sehr entgegen.

Auch am Aussichtsturm "Hohe Bracht" haben wir uns einen Kaffee gegönnt. Angie hat noch eine "kleine" Beilage dazu genommen, welche den Erfolg ihrer wochenlangen strengen Diät ziemlich in Frage stellte. Zum Ausgleich gab es aber vom Restaurant aus eine schöne Aussicht auf das hügelige Umland.

Auf unserem Weg nach Hallenberg haben wir den Kahlen Asten überquert und auch dem Rothaargebirge eine erste Aufwartung gemacht. Dort war es schon einmal schön kurvenreich und der Straßenbelag war erste Sahne. Schräglagenzauber ohne Ende!

Nach 197 Kilometern kamen wir in bester Laune, allerdings auch ein wenig eingefroren in Hallenberg an. Hier die Eckdaten zu unserer Unterkunft, die wir einmal mehr empfehlen können:

Landgasthaus

Zum wilden Zimmermann

Familie Womelsdorf

Nuhnestraße 25

59969 Hallenberg

Tel. 02984 / 8221 - Fax 02984 / 2368

info@zwz.de - www.zwz.de

Bis zum Abendessen war noch ein wenig Zeit. Daher haben wir noch einen kleinen Spaziergang durch Hallenberg gemacht.

In der guten Stube unserer Unterkunft gab es dann ein leckeres Drei-Gänge-Menü. Als Hauptspeise gab es ein Schnitzel mit frischem Spargel, Kartoffeln und Sauce Hollandaise. Ein kulinarisches Glanzlicht dieses Tages. Wir haben dann noch das ein oder andere Stündchen am Tresen verbracht, nette Gespräche geführt und köstliches Pils und vom guten Sauerländer Kräuterlikör getrunken. Dann sind wir zeitig ins Bett, denn gleich am nächsten Morgen sollte es mit einer schönen Tour durch die nähere Umgebung weitergehen.

Freitag 16.04.2010

Gerade einmal 4 Grad über Null waren es am nächsten Morgen. Und von der Sonne sollte an diesem Tag nur wenig zu sehen sein. Egal, da mussten wir jetzt durch. Gleich nach dem guten Frühstücksbuffet zogen wir los um das Sauerland zu erkunden. Das nachfolgende Bild zeigt die Tagesroute.

 

Von Hallenberg aus ging es über wenig befahrene Straßen in Richtung Edersee. Die kurvenreiche Straße entlang des Ufers zieht an schönen Wochenenden tausende von Motorradfahrern an. Von daher macht die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h wohl Sinn. Wir hatten die Straße und all die tollen Kurven an diesem kühlen Vormittag fast für uns alleine.



Der Edersee ist der flächenmäßig zweit- und volumenmäßig der drittgrößte Stausee Deutschlands. Das gesamte Stauvolumen beträgt beachtliche 225 Millionen Kubikmeter. Der Edersee wurde in erster Linie als Zufluß für den Mittellandkanal, Weser und Fulda errichtet. In Minden steht ein Pumpwerk, dass der Weser das Wasser für den Mittellandkanal zuführt. Auch dient der Edersee zur Stromerzeugung, so dass in Spitzenzeiten die Turbinen bis 20MW Strom erzeugen können. Die Staumauer wurde im Mai 1943 durch britische Bomber zerstört, jedoch innerhalb eines Jahres wieder aufgebaut.
 




Vom Edersee aus ging es weiter in Richtung Rothaargebirge. Die Qualität des Straßenbelages konnte mit der Strecke vom Vortag allerdings nicht mithalten. Der letzte harte Winter hatte dem Asphaltstreifen ziemlich zugesetzt. Gerade in den Kurven gab es reichlich Unebenheiten. So wurde unsere Reisegeschwindigkeit weniger von der Gashand als vom Fahrbahnuntergrund bestimmt. Doch die Sauerländer sind bereits dabei, für geordnete Verhältnisse zu sorgen. Zahlreiche Straßensperrungen und Umleitungen zeugten von reichlichen Straßenbauaktivitäten.

Meine 1100er RT fahre ich nun schon länger als zwei Jahre. Und an diesem Freitag dem 16.04.2010 durfte ich auch erstmals die Vorzüge der Heizgriffe an meiner BMW kennen und schätzen lernen. Es war ziemlich kalt. Und als wir dann in einer kleinen Dorfkneipe unsere Lebensgeister mit einem Kaffee wiederbelebten, berichtete uns die Wirtin, dass ihr Thermometer gerade mal 2,5 Grad anzeigte.

Trotz all dieser Widrigkeiten waren wir mit der geplanten Runde eher als geplant fertig. So haben wir noch eine kleine Extraschleife eingelegt und sind in Richtung Bad Berleburg weitergefahren.



Auf dem Rückweg von Bad Berleburg haben uns besagte Straßensperrungen und Umleitungen noch diverse Streiche gespielt. So hatten wir nach unserer Ankunft beim "Wilden Zimmermann" 235,1 Kilometer mehr auf unserem Tourkonto. Angie hat die nächste Stunde unter der heißen Dusche verbracht um wieder aufzutauen. Beim schmackhaften Grillteller war sie dann auch schon wieder recht redseelig. Den weiteren Abend haben wir erneut am Tresen unseres Gasthofes verbracht. Es gab nette Gespräche mit der einheimischen (allerdings nicht mehr ganz nüchternen) Bevölkerung und einem der soeben angereisten holländischen Biker.

Samstag 17.04.2010

Leider schon unser Abreisetag. Oder vielleicht auch "Gott sei Dank". Denn auf unserem Rückweg kam uns so manches Exemplar der sportlich ambitionierten Langnese-Männchen-Fraktion entgegen. Wer Motorrad fahren genießen möchte, der sollte die Wochenenden im Sauerland vermeiden. Denn dann gehören die Straßen den Knieschleifern. Die aktuelle Unfallstatistik der etwas flotteren Motorradfahrer wird durch die Straßenmeisterei dann an den einschlägigen Leitplanken (meist mit Unterfahrschutz ausgestattet) veröffentlicht.

Es waren auch nur 4 Grad über Null an diesem Morgen. Aber bei herrlichem Sonnenschein war die niedrige Temperatur gleich viel besser zu ertragen. Nach einem erneut guten Frühstück ging es gegen 10:00 Uhr zurück in Richtung unseres Lieblingsdorfes. Hier unsere Route für diesen Tag:



Am Anfang wählten wir die Strecke, die wir bereits bei unserem Motorradclub-Wochenende in 2008 gewählt hatten. Das war eine wirklich schöne Streckenführung. Doch die letzten harten Winter hatten auch dieser Straße mächtig zugesetzt. Erneut bestimmte also der Straßenbelag unsere Reisegeschwindigkeit. Am Weserturm haben wir eine erste Pause eingelegt.



Unsere Rückfahrt verlief beinahe ohne weitere größere Zwischenfälle. An einer Tankstelle haben wir nochmal eine Rast eingelegt. Und als es dann wieder losgehen sollte, konnte ich meinen Motorradschlüssel eine Zeit lang nicht finden. Da wurde es mir doch ziemlich mulmig. Letztendlich fand sich der Schlüssel dann doch noch in einer Jackentasche, die mir bis Dato völlig unbekannt war. Die Aktion hat jedenfalls zu einem Anstieg meiner Körpertemperatur beigetragen. So verschwand dann für den Rest der Tour mein Pullover im Topcase.
 

Nach weiteren 202,7 Kilometern erreichten wir Burgaltendorf. Es war ein schöner Kurzurlaub im Sauerland, den wir sehr genossen haben. Das schreit nach Wiederholung. Bei solchen Kurztrips kann man dem Alltag entfliehen und es sich einmal richtig gut gehen lassen.
 

Insgesamt waren wir an diesen drei Tagen 634,8 Kilometer unterwegs. So langsam verbessert sich also unsere Kilometerbilanz zur Saisoneröffnung.