27.06. bis 11.07.2010 

Roßhaupten im 

"Wenn ich viel reisen sollte, wollte ich nirgendwo lieber denn durch Schwaben und Bayernland ziehen, denn sie sind freundlich und gutwillig, beherbergen gerne und gehen den Wandersleuten entgegen und tun gute Ausrichtung für ihr Geld"

Martin Luther

Es waren nach einer  länger andauernden Schlechtwetterperiode die ersten richtigen Sommerwochen im Jahr 2010. Und genau zu diesem Zeitpunkt waren wir in der Zeit vom 27.06. bis zum 11.07.2010 im historischen Gasthof  Adler in Roßhaupten-Sameister im Allgäu zu Gast.

unsere Pension


 

Das familiär geführte Haus mit einer gemütlichen Gaststube und einer großen Sonnenterrasse liegt in idyllischer Lage zwischen Roßhaupten am Forggensee und Lechbruck am See. Wo früher Postkutschen der Thurn & Taxis Linie hielten, genießt man heute Eisbecher, Kaffee und Kuchen, oder ein Mittagessen.



Im Sameister haben seit vielen Jahrhunderten die Reisenden immer gerne Einkehr gehalten. Im späten Mittelalter waren es die Händler, die mit ihren Packpferden auf beschwerlichen Saumpfaden vorbeikamen, wenn sie ins Tirolerische zogen. Bereits 1287 wird der Ort erstmals als "Saummeister" urkundlich erwähnt.



Später wurde aus dem "Saummeister" der Postmeister und bis Ende des 18. Jahrhunderts war Sameister eine Thurn und Taxis`sche Poststation, der Wirt gleichzeitig ab 1722 kaiserlicher Postmeister.
 


Wir haben uns ganz bewusst für eine Pension mit angeschlossener Gaststätte entschieden und darüber hinaus Halbpension gebucht. Denn wenn wir abends von einer Motorradtour heimkehren, möchten wir uns nicht noch auf die Suche nach einem Restaurant begeben. Und es ist eine Wohltat, eine Motorradtour im Biergarten der Pension ausklingen zu lassen. Das haben wir auch bei unserem Urlaub im Allgäu in vollen Zügen genossen.

Und hier gehts zur Homepage des Gasthof Adler
 
Allgäu - Land und Leute

Wo braunes Vieh auf sattgrünen Wiesen grast und man Schupfnudeln oder Kässpatzen genießt, dort ist das Allgäu. Eine Region, die die Kurgäste nach Bad Wörrishofen lockt, Höhenwanderer und Skifahrer ruft und Kulturpilgerer mit einer Vielzahl von Schlössern und barocken Kirchen anzieht. Es bleibt kein Wunsch offen. Dramatische Berglandschaften, saftiges Grün und klare Seen unter weißblauem Himmel, buhlen um die Gunst der Motorradfahrer, die sich Passstraßen und grandiose Kurven entlangschrauben und die große Palette an Landschaftseindrücken suchen: Vom Hochgebirge über die grünen Berghänge der Voralpen bis zu den Ausläufern von Nord- und Mittelschwaben bietet sich fürs Auge und Bikerherz Genuss pur.
 


Wer ins Allgäu fährt, fährt eigentlich nach Bayern. Eigentlich, weil die Allgäuer keine Bayern sind, auch wenn der Tourismus mit Slogans wie "Auf nach Bayern" wirbt. Der größte Teil des Allgäus zählt nämlich zum Bundesland Baden-Württemberg. Der Unterschied zwischen Bayern und Allgäuern macht sich bereits bei der Sprache bemerkbar, denn die Mundart ist schwäbisch-alemannisch geprägt.
 


Staats- oder Landesgrenzen können das Allgäu nicht klar umreißen; es ist also schwierig festzulegen, wo genau das Allgäu überall ist, obwohl die politischen Grenzen des heutigen Allgäus durch das Ende der napoleonischen Kriege 1805 gesteckt wurden. Von der Urlaubslandschaft Allgäu ist man schnell in Österreich oder in der Schweiz: Beim Erklimmen von Gipfeln oder auf dem Weg zur Fellhornbahn-Bergstation oder auf dem Großen Krottenkopf in 2.657 m Höhe ist man mit beiden Füßen in Österreich.

Sonntag 27.06.2010

Um 4:00 Uhr in der Frühe haben wir uns auf den Weg ins Allgäu gemacht. Unser Gespann hatte sich gegenüber den Vorjahren verändert. Nachdem meine Mercedes C-Klasse dem Rostfrass zum Opfer gefallen ist, war mein "neuer" Audi A 4 nun als Zugmaschine für den Antrieb des Gespanns zuständig. So viel sei schon mal verraten: Der Audi hat seine Aufgabe zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllt. Den Motorradanhänger hatte uns unser "Motorradfreund" Axel kostenfrei zur Verfügung gestellt. Hierfür auch noch einmal von dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.


 
Dass wir so früh und dann noch an einem Sonntag gestartet sind, war eine gute Entscheidung. Denn die Straßen waren frei und wir kamen gut voran. Gegen 13:00 Uhr konnten wir unser Gespann gleich neben dem Gasthof Adler abstellen. Schnell waren Koffer und Taschen auf unserem Zimmer verstaut und wir konnten die BMW´s vom Anhänger entladen.

Wir haben uns dann gleich in die Motorradkluft geworfen um eine erste, wenn auch kleine Runde auf den schönen Straßen des Allgäus zu drehen. Unser eigentliches Ziel war allerdings Füssen, wo wir uns einen schönen Platz fürs Public Viewing suchen wollten. Die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika war unser ständiger Begleiter in diesem Motorradurlaub. Und für diesen Sonntag Abend stand das Achtelfinale Deutschland gegen England an. Und tatsächlich haben wir einen schattigen, wenn auch leicht überfüllten Biergarten gefunden, in dem das Spiel übertragen wurde.


 
Das alkoholfreie Weizenbier - wir mussten schließlich noch fahren - floss in Strömen und die Stimmung war gut. Der englisch sprechende ältere Herr vor uns berichtete auf meine vorsichtige Nachfrage, dass er Ire sei und wir ruhig über die "Three Lions" schimpfen dürften. Das Spiel verlief dann standesgemäß: 4 : 1 für Deutschland - dementsprechend gab es auch kaum etwas über den Gegner von der Insel zu meckern. Okay, da war noch dieses nicht gegebene Tor für die Engländer. Korrekte Entscheidung, oder? Manchmal dauert Rache 45 Jahre. Wembley lässt grüßen...


 

 
Quer durch den Autokorso in der Innenstadt von Füssen haben wir uns unseren Weg zurück nach Roßhaupten gebahnt. Dort wartete noch unser Drei-Gänge-Menü auf uns, denn schließlich hatten wir ja Halbpension gebucht. Es gab eine Nockerln-Suppe, die es so nur im Allgäu gibt, Kalbsbraten und zum Nachtisch Eis mit heißen Kirschen. Dazu genehmigten wir uns das ein oder andere Kaufbäurer Aktienbier und aus medizinischen Gründen und zur Anregung der Verdauung einen Obstler. Urlaub hat begonnen....

Zurück auf dem Zimmer habe ich noch schnell auf dem Notebook die Tour für den nächsten Tag geplant. Dann ging es zeitig ins Bett. War doch irgendwie ein anstrengender Tag und die Aklimatisierung machte uns zusätzlich zu schaffen.

Montag 28.06.2010

Die Glocke der kleinen Kapelle, die geschätzte 50 Meter neben unserem Gästezimmer steht, hat uns pünktlich um 6:00 Uhr geweckt. Irgendwie keine Uhrzeit für unseren Urlaub, beschlossen wir einstimmig. Es ist uns daher auch ohne größere Anstrengungen gelungen, uns nochmal umzudrehen und einen kleinen Nachschlag an Schlaf zu nehmen.



So war es 8:30 Uhr, als wir uns auf den Weg in die Gaststube machten. Ein gedeckter Frühstückstisch, mit allem was das Herz begehrt. So muss Urlaub sein. Bereits zum Tourstart verwöhnte uns die Sonne. Zum Eingewöhnen stand am heutigen Tag die große Allgäu-Rundfahrt an. Den größten Teil der Strecke hatte ich im Vorfeld von der Panaromastraße Allgäu aus dem Tourenfahrer-Magazin übernommen. Von Sameister aus ging es am idyllischen Illasbergsee in Richtung Füssen.



Weiter ging es am Forggen- und am Hopfensee vorbei über Weissbach und Nesselwang nach Wertach. Dabei hatten wir staendig den Duft von frisch gemähtem Gras und würzigen Wiesenkräutern in der Nase.



Von Oberjoch nach Bad Oberdorf konnten wir schonmal interessante Kurvenkombinationen und Kehren genießen. Denn auch wir suchten wie zahlreiche andere Motorradfahrer das Erlebnis der Oberjoch-Passstraße, die hinter Hindelang beginnt. Früher war sie mit ihren 106 Kurven Austragungsort für Rennen, heute herrscht auf der ganzen Strecke von Hindelang bis Oberjoch Überholverbot. Im Anschluss folgten wir dem Verlauf der Ostrach und trieben die BMW´s über Sonthofen nach Immenstadt. Weitere Zwischenziele unserer Rundfahrt waren dann Grünenbach, Isny und Buchenberg.


 
Ein Teil der Strecke führte uns auch durch Kempten. Kempten ist schon fast eine mittlere Großstadt, mit den üblichen roten Ampeln, Baustellen und Staus. Wenig attraktiv bei nahezu 30 Grad Celsius. Nach so viel Stop and Go waren wir etwas entnervt und wählten daher den direkten Weg zurück nach Roßhaupten. Nach 260 Kilometern kamen wir wohlbehalten, wenn auch etwas verschwitzt, an unserer Pension an. Es war ein toller Tag mit faszinierenden Eindrücken.

Dienstag 29.06.2010

Heute mussten wir noch etwas zeitiger aus den Betten. Dienstags hat der Gasthof Adler Ruhetag. Und damit unsere Wirtsleute ihren freien Tag zeitig ausnutzen konnten, mussten die Gäste die Nachtruhe etwas eher beenden, wenn sie ihr Frühstück in der Gaststube einnehmen wollten. War jetzt aber nicht ganz so schlimm. Der Spruch: "Der frühe Vogel fängt den Wurm", gilt auch irgendwie für den Biker. Denn der Tag sollte wieder so heiß werden. Und da war es gut, die kühleren Morgenstunden für den Tourstart zu nutzen.

Unsere Fahrt führte uns am Forggensee vorbei nach Füssen und dann durch den Grenztunnel zu unseren österreichischen Nachbarn nach Reutte. Dort haben wir zum Preis von 1,24 € je Liter Super bleifrei die Tanks der BMW´s bis zum Rand gefüllt. Nun ging es den Fernpass hinauf, wo wir von einem Rastpunkt aus einen herrlichen Blick auf die Zugspitze werfen konnten.


 
Weiter ging es nach Telfs und dann über den Zirler Berg nach Seefeld. Unsere weitere Route führte uns über eine kleine Verbindungsstraße über Neuleutasch und Gasse an der Leutascher Ache entlang nach Mittenwald.


 

 
Da Mittenwald so etwas wie meine zweite Heimat ist, haben wir dort natürlich eine längere Pause eingelegt. Beim Schlendern durch Straßen und Gassen konnte ich ein paar Erinnerungen aus meiner Kinder- und Jugendzeit auffrischen.

Miitenwald, am Fuß des Karwendelgebirges, lebt heutzutage hauptsächlich vom Tourismus. Doch lange Zeit lag die Haupteinnahmequelle des Ortes im Geigenbau. Der Mittenwälder Matthias Klotz hatte das Handwerk in Italien erlernt und 1679 in seinem Heimatort eingeführt. Noch heute wird der Geigenbau in Mittenwald gepflegt. Viele der ansässigen Geigenbau-Werkstätten führen eine Jahrhunderte alte Familientradition fort. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es hier eine Geigenbauschule von Weltruf und ein Geigenbaumuseum.


 
Unsere Mittagspause haben wir dann in einem urigen Biergarten eingelegt. Zu einer zünftigen bayerischen Brotzeit gehören frische Weißwürste, knusprige Brezen und ein kaltes Weißbier, in unserem Fall natürlich ein alkoholfreies. Am Weißwurstpellen erkennt man übrigens die Einheimischen, ich gehörte jetzt irgendwie nicht dazu.



Nachdem wir unsere Pause beendet hatten, haben wir dann irgendwie den Anschluss an die geplante Route verpasst. Eigentlich hatten wir uns als nächstes den Staffel- und den Walchensee vorgenommen. Doch so fuhren wir am Schmalensee vorbei nach Klais und dann durch Garmisch Partenkirchen in Richtung Murnau. In Echelsbach haben wir uns dann entschlossen, der Wieskirche unseren Besuch abzustatten.
 

 
Die Wieskirche ist eine imposante Rokokokirche im typisch bayerischen Stil, in der es zu unserer großen Freude auch noch angenehm kühl war. Eigentlich lautet die genaue Bezeichnung der Kirche "Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland auf der Wies". Passt aber auf kein Verkehrshinweisschild. Und so hat sich der Begriff Wieskirche dann wohl etabliert. Die Wieskirche hat eine lange und wechselvolle Geschichte hinter sich. Wer hier weitere Informationen wünscht, folgt einfach dem o.g. Link.


 

 
Nach so viel Kultur sind wir auf direktem Weg zurück zu unserer Pension. Dort erwartete uns eine dringend erforderliche, kalte und höchst erfrischende Dusche. Abends sind wir dann noch im klimatisierten Auto nach Füssen. Dort haben wir uns ein nettes Restaurant für unser Abendessen gesucht und uns die historische Altstadt angeschaut.


 
Füssen kann auf eine 700jährige Stadtgeschichte zurückblicken. Die Ursprünge der Siedlungsgeschichte reichen jedoch bis in die Römerzeit, als die "Via Claudia Augusta" von Norditalien nach Augsburg gebaut und auf dem Füssener Schlossberg im 3. Jahrhundert eine Abteilung der dritten römischen Legion stationiert wurde.
 

 
Die Lage Füssens an dieser Nord-Süd-Verbindung und an der Füssener Enge, dem Durchbruch des Lechs aus den Alpen, war auch für die Ausbreitung des christlichen Glaubens bedeutsam. Der St. Gallener Wandermönch Magnus wurde im 8. Jahrhundert an diesen Ort entsandt, der im Mittelalter "fauces" (Schlund) genannt wurde.
 
Nach Magnus' Tod verfiel die Zelle und Mitte des 9. Jahrhunderts wurde auf Initiative des Augsburger Bischofs das Benediktinerkloster St. Mang gegründet. Dieses prägte als Mittelpunkt des Glaubens, der Kultur und der Ökonomie das Füssener Land.

Ab 1313 unterstanden Kloster und Stadt, die wohl seit 1286 das Stadtrecht besaß, den Augsburger Bischöfen. Die Landesherren bauten das Hohe Schloss zu ihrer Sommerresidenz aus.
 

 
Im 15./16. Jahrhundert entwickelte sich Füssen zu einem wichtigen Handelsplatz und erlebte seine Blütezeit, als Kaiser Maximilian I. mit seinem Hofstaat fast 40 Mal in Füssen weilte. Der Dreißigjährige Krieg schnitt tief in die Entwicklung ein. Erst im ausgehenden 19. Jahrhundert erfuhr Füssen wieder einen Aufschwung durch die Gründung der "Mechanischen Seilerwarenfabrik" und den Bau der Schlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein der bayerischen Könige Maximilian II. und Ludwig II. und dem damit einsetzenden Tourismus.

Die Topographie der Stadt spiegelt die Herrschaftsstrukturen in früheren Zeiten wider. Oben das Hohe Schloss als Sitz des Landesherrn, in der Mitte am Schlossberg die Abtei St. Mang und unten die Stadt, die sich um Schloss und Kloster gruppiert.
 

 
Erzielt das Schloss größere Fernwirkung, so besticht das Kloster durch die Geschlossenheit seiner barocken Architektur. Den Reiz der Altstadt machen die mittelalterlich engen Gassen und Winkel aus.

223 Kilometer waren wir an diesem Tag mit den Motorrädern unterwegs. Von der Vielfältigkeit Bayerns, die wir heute einmal mehr erleben durften, waren wir schlichtweg beeindruckt. Zahlreiche Bilder haben wir in unseren Köpfen abgespeichert. Und wir haben gelernt, "Bayern, das ist ein Stück vom Himmel".
 

Mittwoch 30.06.2010

Für den heutigen Tag waren Sommergewitter und Schauer angesagt. Die Temperaturen sollten aber weiter auf hohem Niveau liegen. Grund genug, die aufgeheizten Täler gegen kühlere Höhen einzutauschen. Erneut ging es über Füssen, diesmal allerdings über Landstraßen nach Reutte in Tirol. Auf dem Weg dorthin haben wir uns den Lechfall angeschaut.



Vor 12.000 Jahren unserer Zeitrechnung ging im Ostallgäu die letzte Eiszeit ihrem Ende entgegen. Mit dem Rückzug des Lechgletschers blieben gewaltige Massen von Kies und Geröll zurück und es bildete sich nach dem Abschmelzen der Eismassen ein großer See, der den gesamten Pfrontener Talboden bedeckte. Gespeist wurde der See von den Wassern des Lechs, der Ach und der Vils.
 


Beim heutigen Lechfall in Füssen fielen die Wassermassen 100 m tief in den Füssener See. Nachdem sich der Lech in jahrtausend langer Arbeit einen Durchlass durch den Fels gegraben hatte, konnten die Wasser aus dem Pfrontener See allmählich abfließen. Breit öffnet sich seither das Pfrontener Tal - von Nord nach Süd um 45 m abfallend.
 


In Reutte haben wir die Mopeds nochmals mit dem vergleichsweise preisgünstigen österreichischen Sprit versorgt. Dann führte uns unser Weg durch das schöne Lechtal an den Orten Forchach, Stanzach, Häselgehr, Stockach und Warth den Hochtannbergpass bis nach Hochkrummbach auf etwa 1.650 Metern Höhe.



Nach einer kurzen Rast wendeten wir die BMW`s und fuhren die Bregenzerwaldstraße durch das Lechtal zurück bis nach Weissenbach am Lech. Dort bogen wir dann links in Richtung Tannheimer Tal ab. Die Auffahrt in dieses schön gelegene Tal war wesentlich anspruchsvoller als der eher harmlose Hochtannbergpass. Diese Auffassung durften wir allerdings wenige Tage später korrigieren, als wir die Strecke erneut befuhren, diesmal aber von Hochkrummbach aus weiter in Richtung Bregenzer Wald.

Der kristallklare Haldensee fügte sich passgenau in die umliegenden Berge ein. Für dieses herrliche Panorama lohnt sich Ein Zwischenstopp allemal.



Auf deutscher Seite ging es dann über Oberjoch und Görisried und dann über kleinste Nebenstraßen durch Ortschaften mit nur wenigen Häusern und Bauernhöfen. In Sameister angekommen war unsere Regenbilanz positiv. Bei unseren heutigen 251 Kilometern hatten wir nur wenige Tropfen abbekommen.
 


Donnerstag 01.07.2010

Weiterhin hatte das Allgäu hochsommerliche Temperaturen zu bieten. Gleich nach dem Frühstück ging es wieder Richtung Reutte. In Bichelbach ging es dann von der Bundesstraße 179 hinunter und gleich hinauf auf eine kurvenreiche Landstraße in Richtung Berwang. Im Ort Rinnen bogen wir dann links in das landschaftlich schöne und kurvige Namlostal.



Das Namlostal ist ein Paradies für Motorradfahrer. Höchst zufrieden waren wir mit dem Umstand, dass die Jungs von der Heizerfraktion zu dieser frühen Stunde wohl noch in den Betten lagen. Dafür hatten wir einen Herrn älteren Semesters vor uns, der seinen PKW im Zeitlupentempo durch die Kurvenkombinationen steuerte. Da wir auch keine wirkliche Überholmöglichkeit hatten, blieb uns genügend Zeit die vielversprechende Streckenführung in aller Ruhe genaustens zu betrachten.



In Stanzach haben wir uns einen Kaffee und einen Latte Macchiato gegönnt und gemeinsam beschlossen, dass das Namlostal ein geiles Stück Straße ist und Opas doch einfach mal ein wenig länger schlafen sollten.

Nun ging es zurück über Reutte und dann über die kurvige Uferstraße am schön gelegenen Plansee vorbei. Das Schloss Linderhof  ließen wir links liegen, dafür haben wir in Oberammergau eine längere Pause eingelegt.  In Oberammergau liefen gerade die Passionsspiele.


 


Im Jahr 1633 wütete die Pest in Oberammergau. Die Einwohner gelobten, regelmäßig Passionsspiele "Spiel vom Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn Jesus Christus" aufzuführen, wenn die Pest ein Ende hätte. Danach gab es keine Pestopfer mehr zu beklagen, und die Passionsspiele werden auch heute noch alle zehn Jahre aufgeführt. Zu Pfingsten 1634 erfüllten sie das Versprechen zum ersten Mal auf einer Bühne, die sie auf dem Friedhof aufschlugen - direkt über den frischen Gräbern der Pesttoten.



Pro Spielzeit gibt es über 100 Aufführungen. 2000 Menschen, die alle gebürtige Oberammergauer oder seit mindestens 20 Jahren ansässig sein müssen, wirken als Spieler, Sänger, Instrumentalisten und Bühnenarbeiter mit. Bei den Passionsspielen im Jahr 2000 kamen 520.000 Besucher. Gezeigt werden die letzten fünf Tage im Leben Jesu, eine Aufführung dauert an die sechs Stunden.

Von bayerischen Tönen war kaum etwas zu hören in Oberammergau. Der Ort war fest in US-Amerikanischer Hand. Fehlte eigentlich nur noch, dass die weiss-blauen Raute-Flaggen eingeholt und durch Stars & Stripes ersetzt wurden. Es ist schon ein recht hoher Preis, den die Oberammergauer alle 10 Jahre zahlen. Und die mehr als 100 € für die Festspielkarte sind da wohl eher so eine Art Schmerzensgeld.

Der ortsansässige Friseurmeister schien vor langer Zeit ausgewandert zu sein - wahrscheinlich wegen der Amis. Es gab nämlich eine Menge wilder Gesellen auf den Straßen zu sehen. Männer mit langem Haar und wilden Bärten. Jeder zweite Fußgänger - gemeint sind die ohne lange Haare und wilde Bärte - lief mit einem Sitzkissen an der Hand durch die Gegend. Dafür gab es eine einfache Erklärung. Schließlich möchte man es bei der Kreuzigung ein wenig bequem haben.



Wir hatten von dem Treiben auf den Straßen Oberammergaus schon bald genug. Daher haben wir uns hurtig auf den Weg gemacht und dem Staffelsee in Murnau einen Kurzbesuch abgestattet. In Kochel am See reichte die Zeit für einen hastigen Blick auf den Kochelsee. Nächstes Highlight war dann die Kesselbergstrecke. Die wollten wir bereits bei unserer Alpentour 2007 befahren, doch leider waren wir an einem Wochenende dort unterwegs und dann ist dieses Sahnehäubchen der Motorradregion Bayern für Zweiräder gesperrt.



Die Kesselbergstraße führt mit ca. 9 km Länge von Kochel am See nach Urfeld am Walchensee und überwindet bis zum Pass einen Höhenunterschied von 240 m. Die Kesselbergstraße wurde 1492 unter Herzog Albrecht IV. von Bayern angelegt. Von 1893 bis 1897 wurde sie unter Luitpold von Bayern durch das Königliche Straßen- und Wasserbauamt Weilheim erneuert. Zwischen 1962 und 1994 erfolgte ein schrittweiser Ausbau und permanente Erneuerung durch das Straßenbauamt Weilheim.

Die Kesselbergstraße ist eine stark befahrene und gut ausgebaute Verbindungsstraße und führt in zahlreichen Kehren zum Pass hinauf. Unterwegs gibt es mehrere gern besuchte Aussichtspunkte mit schönem Blick über den Kochelsee und Teile des Alpenvorlands. In der Vergangenheit gab es auf dieser Strecke durch illegale Rennen und überhöhte Geschwindigkeit zahlreiche Todesopfer. Als Konsequenz gilt nun am Wochenende und an Feiertagen in Richtung Walchensee eine Sperrung für Motorräder, eine durchgehende Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 km/h sowie ein Überholverbot auf der gesamten Passstrecke. Für Motorradfahrer ist die Straße nach wie vor ein beliebtes Ausflugsziel.



Nun denn, diesmal war es ein Donnerstag, das Wetter war ideal für ein paar flotte Kurvendurchfahrten, wenn uns dieses Fahrschulauto vor uns nicht so ausgebremst hätte. Doch wir hatten ja noch den Rückweg um die Strecke im etwas flotteren Tempo auszutesten.  Unser Fazit: Super! Allerdings sind in manchen Kurvenkombinationen die erlaubten 60 Stundenkilometer rein illusorisch. Dafür wusste ich bisher garnicht, welche Schräglagen die schwere 1100er RT seinem Fahrer erlaubt. War schon klasse!

So langsam wurden die Temperaturen trotz Jet-Helm und Sommer-Motorradjacke unerträglich. Daher ging es über Murnau und Bad Kohlgrub und dann auf direktem Weg zurück nach Roßhaupten. 260 Kilometer waren wir an diesem Tag unterwegs. Und so hatten wir uns auch ein paar Halbe im Biergarten unseres Gasthofes verdient.

Freitag 02.07.2010

Und auch an diesem Freitag hielt das sommerliche Wetter an. Für heute waren Spitzentemperaturen von 35 Grad Celsius angekündigt. Eigenlich viel zu warm um Motorrad zu fahren, es sei denn, man hat die Chance in höhere Gefilde entfliehen. Und genau so haben wir es dann auch gehalten. Wenn denn nur nicht die An- und Abfahrt zu diesen luftigen Höhen wäre. Aber da mussten wir jetzt durch.

Wir sind zunächst über kleinere Straßen nach Pfronten. Von dort ging es erneut ins Tannheimertal. Diesmal allerdings in umgekehrter Richtung und bis Grän über eine wenig befahrene Nebenstraße. Am Haldensee vorbei ging es die kurvige Strecke hinunter nach Weissenbach. Anschließend war die Lech unser ständiger Begleiter, bis wir kurz hinter Elmen nach links aufs Hahntennjoch abbogen. Diese tolle Strecke hatten wir uns als unser heutiges Schmankerl ausgesucht.



Gleich in den ersten Kurven hatten wir dann beeindruckende Begegnungen mit der Lagnesemännchen-Fraktion. Das wurde dann aber später deutlch besser. Grundsätzlich waren die  vernünftig fahrenden Biker in der Mehrheit auf diesem schönen Stück Straße. Allerdings herrschte teils lebhafter Verkehr auf der Passstraße, so dass es in einigen Kehren ziemlich eng wurde.