Donnerstag, 25.06.2009

Nun sollte das Wetter doch endlich einmal besser werden. Unser heutiges Ziel war das Dach Österreichs, der Großglockner. Der Einstieg in die Großglockner Hochalpenstraße lag für uns in Heiligenblut. Und bis dahin waren es schonmal 120 Kilometer.  Wie soll ich mich jetzt ausdrücken? Vielleicht so: Der Einen lacht die Sonne, sie tummelt sich im knappen Bikini im Sand. Und dann gibt es den Anderen, der sich in die Regenkombi zwängt.
 

 
Dieses aussagekräftige Foto ist bei Spittal entstanden. Ein großer Teil unserer Anreise zum Berg der Berge erfolgte einmal mehr bei eher feuchter Witterung. Doch davon haben wir uns nicht beirren lassen. Schließlich ist man ja nicht aus Zucker...
 

 
Je näher wir dann Österreichs höchstem Berg kamen, um so besser war der Blick auf den schneebedeckten Gipfel. Neuschnee  auf der Hochalpenstraße? So etwas kann einen harten und wild entschlossenen Biker wie Helmar und mich doch garnicht beeindrucken. Letztendlich waren wir aber doch froh, als der erste digitale Hinweis am Straßenrand freie Fahrt auf der Alpenstraße signalisierte.
 

 
Die Großglockner Hochalpenstraße

Die berühmteste Alpenstraße führt ins Herz des Nationalparks Hohe Tauern, zum höchsten Berg Österreichs, dem Großglockner (3.798 m) und seinem Gletscher, der Pasterze. Auf 48 Kilometern Hochalpenstraße mit 36 Kehren, bei einem Höhenanstieg bis auf 2.504 Meter ein Natur- und Fahrerlebnis der besonderen Art. Man durchquert eine einzigartige Gebirgswelt mit blühenden Almwiesen, duftenden Bergwäldern, mächtigen Felsen und ewigem Eis bis zum Fuße des Großglockners, der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe.
 

 
Der Großglockner

Der höchste Berg Österreichs zählt zu den höchsten Gipfeln der Ostalpen und gilt als "heiliger Berg". Die Erstbesteigung gelang im Jahr 1800. Seine Majestät Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth (Sisi) wanderten 1856 zu jener Stelle, die seither "Kaiser-Franz-Josefs-Höhe" heißt.
 

 
Die Geschichte

Die Großglockner Hochalpenstraße wurde bis 1935 in nur fünf Jahren erbaut und ist ein Kulturdenkmal. Historische Funde am Hochtor bezeugen, dass hier Menschen bereits seit dreieinhalb Jahrtausenden die Alpen überqueren.
 


Fahr- und Naturerlebnis

Der Einklang von Natur und sicherer Straße bietet ein unvergessliches Erlebnis mit einem Ausblick auf mehr als 60 Dreitausender. Murmeltiere und Steinböcke sind oft aus nächster Nähe zu beobachten. Die "Glocknerwiesen" der Südseite mit vielen Orchideenarten gelten als botanische Sensation.
 

 


Soweit die Schilderung im offiziellen Erlebnisführer. Unsere Weiterfahrt nach dem Besuch der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe gestaltete sich dann etwas anders. Nachdem wir den Weg Richtung Zell am See gewählt hatten, wurde es immer nebeliger und feuchter. Stellenweise konnte man keine 20 Meter weit sehen. Das Ganze hatte schon ein bisschen was gespentisches. Und dann türmte sich plötzlich an den Seitenrändern der Straße der Neuschnee.


 

 
Doch die größte Herausforderung wartete noch im Tunnel unterhalb der Edelweißspitze auf uns. Denn auch in diesen ca. 560 Meter langen Tunnel war der Nebel eingedrungen. Die spärliche Deckenbeleuchtung war gerade noch als solche zu erkennen. Das Scheinwerferlicht meiner RT wurde schon nach maximal 2 Metern vom Nebel verschluckt. Völlig orientierungslos fuhr ich im ersten Gang mit schleifender Kupplung durch diesen Schlund. Und ich war dann schon fast glücklich, als ich am Ende dieses Blindanflugs auf der anderen Seite in die nächste Nebelwand eintauchen konnte.

Trotz des dichten Nebels haben wir die zahlreichen Kehren auf unserer Abfahrt ins Tal gut bewältigt. Je mehr Höhenmeter wir hinter uns ließen, umso besser wurde die Sicht. Unten, in Zell am See, sah es dann fast schon nach Sommer aus. Nachdem wir die Maschinen aufgetankt hatten, haben wir beim Bärenwirt, einem vom Tourenfahrer empfohlenen Biker-Hotel, einen leckeren Fleischkäse verspeist. Abenteuer machen eben hungrig.


 

 
Irgendwann, bei Fleischkäse und Spezi, klärte mein persönlicher Tour-Guide mich darüber auf, dass der Rückweg uns in umgekehrter Richtung über die Großglockner Hochalpenstraße führen würde. So musste ich mich der Herausforderung mit den Nebelwänden ein zweites mal stellen. Und tatsächlich war es auf dem Rückweg erneut nass und nebelig. Um den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten, war es noch einen Tick nasser und nebeliger als auf dem Hinweg. Einzig die Sicht im  Tunnel war besser als bei der ersten Durchfahrung. Dafür machte Helmar noch mal eben diesen kurzen Abstecher zur Edelweißspitze. Diese 6 kopfsteingepflasterten engen Kehren sollten doch wohl keine Herausforderung mehr für uns sein.
 

 
Nun hatten Helmar und ich den Großglockner aber wirklich bezwungen. Wir hatten sämtliche uns im Weg stehende Widrigkeiten bekämpft. Hatten Kälte, Schnee, Nebel und Regen getrotzt und die Hoffnung nie aufgegeben. Wir hatten mit den 1100er RT´s alle Klippen umschifft und wenn wir ein paar Balken und Nägel dabei gehabt hätten, so hätten wir sicher das Recht gehabt ein weiteres Gipfelkreuz zu errichten. So aber, suchten wir, die letzten Helden der Menschheitsgeschichte, den Weg durch den Nebel hinab nach Heiligenblut, um uns an einer leckeren Tasse Cappucino zu erwärmen.

Unten angekommen, hat Helmar seiner Petra zu Hause erst einmal per SMS übermittelt, unter welchen Gefahren er den "heiligen Berg" bezwungen hat.
 

Muss ich es an dieser Stelle eigentlich noch erwähnen? Kaum waren Latte Macchiato und Capucino serviert, setzte auch unten in Heiligenblut der Regen ein.Und dieser Regen war auf unserem 120 Kilometer langem Heimweg einmal mehr unser ständiger Begleiter. War trotzdem ein schöner Tag. Wann bietet sich einem sonst schonmal die Gelegenheit auf solche Abenteuer?

Freitag, 26.06.2009

Leider schon unser letzter Tag in Kärnten und somit auch die letzte Chance Kilometer zu machen. Von Laas aus fuhren wir über Feistritz bis nach Matschiedl und dann durch das Gailtal bis nach Hermagor. Von dort ging es weiter bis Kötschach, dem Startpunkt für die Fahrt durch das wunderschöne Lesachtal.


Die Straße, die durch das Lesachtal führt, ist ziemlich eng und weist eine Menge Kurven auf. Und da die Straßenbauer die Fahrbahn direkt an eine steile Wand getackert haben, sind die Rechtskurven ziemlich schlecht einsehbar. Grund genug für Helmar und mich, die Strecke im gemäßigten Tempo zu befahren. Schließlich wusste man nie, was einen hinter der Kurve erwartete. Geht aber auch anders. Denn die schlechte Voraussicht war für eine Motorradgruppe aus Slowenien kein Hindernis, uns mitten in einer der Kurvenkombinationen zu überholen. Helmar wurde bei Schräglagenfahrt in einer Kurve auch noch angehupt. Doch beim besten Willen, es gelang ihm einfach nicht, sich spontan in Luft aufzulösen.


In einem kleinen Ort im Lesachtal, kurz vor dem Wallfahrtsort Maria Luggau, haben wir eine Pause eingelegt und uns mit einer Spezi erfrischt.Nachdem wir unsere Fahrt dann fortgesetzt hatten, setzte kurz hinter Obertillach dann der Regen ein. Gott sei Dank war es aber nur ein kurzer Schauer, denn als wir dass Lesachtal verließen, trockneten die Straßen bereits wieder ab. 


In Thal-Aue haben wir dann unsere Mittagspause eingelegt und haben erstmal was leckeres gegessen. Mit gut gefüllten Mägen ging es dann über Amlach und Tristach nach Görtschach. Unser weiter Weg verlief parallel zum Flüsschen Drau und so durchfuhren wir auch den Ort Drellach im Drautal. 


Über die kurvenreiche Weissensee-Bundesstraße ging es dann wieder zurück bis nach Hermagor. Von dort war es dann nicht mehr weit bis zur Pension Jakelbauer. 253,8 Kilometer kamen auf unserer Schlussetappe hinzu. Trotz der wetterbedingten Widrigkeiten, waren wir in der einen Woche 1.456 Kilometer unterwegs. Wenn man bedenkt, dass wir an 1 1/2 Tagen überhaupt nicht fahren konnten, kein so schlechtes Ergebnis. 

unsere Pension

Wir haben uns bei Familie Unterkofler vom Gasthof Jakelbauer pudelwohl gefühlt. Die Unterbringung war hervorragend. Wir wurden mit tollen Speisen und Getränken verwöhnt und der familiäre Service war klasse. Wir werden uns sicher einmal wiedersehen. Dann hoffentlich bei etwas besserem Wetter.

Hier noch ein paar Fotos rund um die Pension Jakelbauer: