Ein Wochenende in der Vulkaneifel

19. September 2008, ein Sommer, der seinen Namen eigentlich nicht verdient hat, geht zu Ende. Die Tage werden bereits deutlich kürzer und die Sonne schafft es nicht mehr wirklich für sommerliche Temperaturen zu sorgen. Noch einmal möchten Thommy und ich zu einer Wochenendtour aufbrechen. Unsere Mädels sind auf Kegeltour. 2006 haben wir die Tradition der Sternschnuppen-Opfer-Tour begründet. Bei der zweiten Auflage sind wir allerdings nur noch zu zweit. Dirk hat alle möglichen anderen Dinge um die Ohren und findet keine Zeit mehr zum Motorrad fahren.

Im nächsten Jahr geht es mit den Motorradfreunden Burgaltendorf nach Weidenbach in die Eifel. Was spricht also dagegen, hier schon einmal Hotel und Umgebung vorab zu erkunden. Allerdings war das Hotel Pappelhof an diesem Wochenende ausgebucht. Nur vier Kilometer entfernt, im Nachbarort Wallenborn, haben wir aber Zimmer für zwei Übernachtungen buchen können.

Gegen 14.15 Uhr sind wir am Freitag in Burgaltendorf gestartet. Es ging auf dem direkten Weg in Richtung Eifel. Leider führt der direkte Weg über den Kölner Ring. Und dort läuft es am Freitag Nachmittag meist eher zähflüssig. Für Thommy war es die erste richtige Tour mit seiner neuen HONDA CBR 1000 F. Soviel sei schon an dieser Stelle verraten, er machte einen wirklich zufriedenen Eindruck.

Kurz nachdem wir die Autobahn verlassen hatten, haben wir eine größere Pause eingelegt und uns mit ein paar alkoholfreien Kaltgetränken erfrischt. Thommys Sohn Sven wohnt in der Eifel, ganz in der Nähe von Daun. Und da Thomas sich daher häufiger in der Gegend aufhält, hat er so nebenbei schon so manchen Biker-Treff erkundet. "Weisses Haus" hieß der urige Treff, am Tor zur Eifel. Dass dort nicht das Oberhaupt der Vereinigten Staaten von Amerika residiert, liess sich an der Außendeko des Treffs recht schnell erkennen.

Von der schönen Terasse des Treffs aus hat man einen herrlichen Blick auf die Bundesstraße. Diese führt direkt zum Nürburgring und wird daher von vielen Rennbrezeln, überwiegend mit gelben Kennzeichen genutzt. Und da die Kollegen nicht immer zu 100 Prozent auf die zulässige Höchstgeschwindigkeit achten, ist die Kommunikation im Außenbereich des Weissen Hauses ab und an etwas schwieriger.

Am frühen Abend kamen wir an unserem Ziel, dem Ort Wallenborn in der Vulkaneifel an. Der "wallende Born" oder der "Brubbel", wie er im Volksmund auch genannt wird, ist das Wahrzeichen der kleinen Eifelgemeinde Wallenborn, die von dieser Quelle auch ihren Namen erhielt. Diesen Ortsnamen gibt es nur ein einziges Mal in Europa und genauso einmalig ist wohl auch die periodisch aufwallende Quelle.

Nach 30 Minuten Ruhezeit schießt das Wasser für kurze Zeit geysirartig in einer bis zu vier Meter hohen Fontäne aus dem Brunnenschacht, um dann noch mehrere Minuten heftig nachzuwallen.

Doch der Brubbel war nicht das einzige touristische Highlight, welches die beschauliche Eifelgemeinde zu bieten hat. Doch dazu später mehr. Untergebracht waren wir in der Pension United Parcel Service (oder war der Name doch Hermes?). Jedenfalls hatte das Gästehaus mit dem 70er-Jahre-Charme eine angeschlossene Gastwirtschaft, die aber leider wohl schon seit geraumer Zeit dauerhaft geschlossen war.

Die Zimmer waren sauber, die Dusche war in Ordnung und das Frühstück ausgezeichnet. Nachdem wir die erste eiskalte Nacht noch so gerade überlebt hatten, ich hatte ernsthaft überlegt in der langen Thermounterwäsche von Louis zu nächtigen, wurde am Samstag sogar die Heizung angeschmissen. Da waren wir allerdings auch nicht mehr die einzigen Gäste der Pension. Bis dahin war unsere einzige Mitbewohnerin in diesem Haus eine gefleckte Katze, die nachts durch diverse Katzenklappen polterte um draußen auf Beutezug zu gehen. 

Freitag Abend haben wir uns jedenfalls auf die Suche nach einer geöffneten Gaststätte begeben und dabei gleichzeitig ein wenig den Ort erkundet. Das nächste touristische Highlight lag dann in unmittelbarer Nachbarschaft unserer Herberge. Hierbei handelte es sich um das "Kaufhaus Jung" nebst angeschlossener Tankstelle und tuberkulosefreiem Rinderbestand.

Thommy war von der Original-Pennzoil-Zapfsäule schwer beeindruckt. Das Zählwerk der Spritabgabe in Litern und die Preisangabe in Deutscher Mark konnte man mittels einer kleinen Kurbel zurück drehen. Und diese kleine Rückstellkurbel erweckte den Ingenieursgeist in Thommy. Immer schneller und heftiger drehte Thomas an der Kurbel, bis eine einheimische Autofahrerin ihr Fahrzeug vor Thommy zum Stehen brachte, um ihn darüber aufzuklären, dass die Tankstelle schon seit langem geschlossen hat. Benzin könne man aber noch in Daun bekommen. Dabei hatte Thomas sich doch so bemüht blasenfrei zu zapfen. 

  

Das "Kaufhaus Jung" liess sich am Besten mit dem Begriff  "einzigartig" umschreiben. Die Vielfalt der angebotenen Artikel auf engstem Raum war wirklich beeindruckend. Vom Arbeitskittel für die Landfrau der siebziger Jahre und einer Original-Wrangler-Jeans in hellblau über einen Messbecher mit der altdeutschen Schrift "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein" hatte dieser Kaufmannsladen wirklich alles zu bieten.

Irgendwann in den Tagen unserer Altvorderen hat dann wohl der letzte Nachfahre der Kaufmannsfamilie Jung aus Wallenborn in der Vulkaneifel das Rentenalter deutlich überschritten. Und da sich kein Erbe für das Imperium (Kaufhaus, Tankstelle und tuberkulosefreier Rinderbestand) finden konnte, kam dann irgendwann der Tag, an dem das definitiv letzte mal in Wallenborn blasenfrei gezapft und die Preisangabe mittels Handkurbel auf Null zurückgedreht wurde. Entgegen jeder anderen Erwartung konnte das Renditeobjekt in bester Lage an der Hauptstraße nicht veräußert werden. Und so findet sich jetzt an der Schaufensterscheibe des "Kaufhaus Jung" folgender Hinweiszettel:

Doch eigentlich hatte uns doch der Hunger aus unserer Pension mit der gemütlich rustikalen Atmosphäre hinaus auf die Mainstreet von Wallenborn getrieben. Von dort waren es nur ein paar Meter bis zum neuerbauten Landhaus-Café am Brubbel. Auch dieses Etablissement befindet sich im Besitz der Familie United Parcel (Hermes)-Bickler. Der Seniorchef persönlich kümmert sich um das blasenfreie Zapfen des köstlichen Bitburger Pilseners. Als wir während des Verzehrs der schmackhaften und reichhaltigen Speisen nach einem zweiten Gerstensaft verlangten, konnte unserem Wunsch allerdings nur mit Flaschenbier abgeholfen werden, da das Fass sich zu Ende geneigt hatte.

Gegen 19:30 Uhr waren wir dann die einzig verbliebenen Gäste des Landhauses. Dem sonst so redegewandten Wirt, er hatte in etwa das Temperament eines kross gebackenen Eifeler Landbrotes, fielen nun langsam die Augen zu. Hin und wieder erwischten wir den Gastwirt in einer der wenigen wachen Phasen, dann konnten wir den Versuch wagen noch etwas von dem Flaschenbier zu bekommen. So etwa um 20:00 Uhr mehrten sich die Anzeichen dafür, dass sich der Tag im Landhaus am Brubbel seinem Ende entgegen neigte. Nun wurde uns auch kein Flaschenbier mehr serviert. Kurz bevor die Lichter im Lokal gelöscht wurden, haben wir die Rechnung beglichen und uns auf den Heimweg begeben. Wallenborn, die pulsierende Metropole im Landkreis Vulkaneifel war bereits zur Ruhe gekommen. Der Brubbel hatte aufgehört zu wallen, es wurden keine Blasen mehr gezapft, die Vorhänge an den Fenstern der Bauernhöfe waren geschlossen und Thommy und ich sanken kurz nach 21:00 Uhr nach einem aufregenden Tag erschöpft in unsere Betten. Wenn es nächtens nicht so fürchterlich kalt gewesen wäre, hätte es ein wirklich schöner Tag gewesen sein können... 

Samstag, 20. September im Jahr 2008 nach Christi Geburt, 8:15 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit, die Motorräder sind von einer dicken Eisschicht überzogen. Sollte jetzt nicht noch eigentlich Sommer sein? Überspringt die Eifel den Herbst und geht gleich in den Winter über? Ist an diesem Wochenende noch mit Schneefällen zu rechnen? Der heiße Kaffee am Frühstückstisch tut richtig gut. Die Nacht habe ich überlebt, weil ich aus der Bettdecke eine Art Iglu gebaut habe. Das waren gefühlte Minus 10 Grad heute Nacht. Doch Biker sind echte Kerle. Die fahren bei jedem Wetter.

Außer es ist zu kalt oder es regnet.....

Dem geschätzten Leser dieser Seite wird sich vielleicht die Frage stellen, wann es in diesem Artikel mal wieder ums Motorrad fahren geht. Die Frage stell ich mir auch und gelobe dann auch gleich mal Besserung. Obwohl ich jetzt auch schon ankündigen kann, dass ich an diversen Stellen meines Berichtes erneut vom eigentlichen Thema abweichen werde.

Trotz des nächtlichen Wintereinbruchs sprangen unsere Motorräder zuverlässig an. Und für mich ergab sich dann auch gleich einmal die Gelegenheit, die Heizgriffe der BMW zu testen. Nach den 195 Kilometern der gestrigen Anreise musste Thommy den Benzinhahn seiner HONDA auf Reserve stellen. Also ging es erstmal nach Daun, denn dort kann man, wie wir am Vortag aus kundigem Mund erfahren durften, den wertvollen Treibstoff noch käuflich erwerben. Mit vollgetangten Mopeds ging es dann nach Kradenbach, wo wir Thommys Sohn Sven eingesammelt haben. Sven sollte uns an diesem Tag als Sozius auf dem Motorrad seines Vaters begleiten.

Von dort ging es dann über schmale und kurvige Straßen über Boxberg, Senscheid und Wirft nach Adenau. In unmittelbarer Nähe zur Nordschleife erhöhte sich die Zahl der Rennbrezeln mit gelbem Nummernschild deutlich. Wir haben uns eine gute Tasse Kaffee gegönnt und Thommy nutzte die kleine Pause um seine Tourplanung zu vervollständigen.

Über Niederadenau, Schuld, Holzheim und Keldenich führte unser Weg nach Kall-Krekel. Dort gab es mit "Ottto´s Bikertreff" einen wirklich guten Anlaufpunkt für durchreisende Motorradentusiasten, der leider nun geschlossen ist. Den Treff kann man nun für ca. 250.000 Euro käuflich erwerben. Einziger Nachteil, und wohl auch der Grund für die Schließung, nahe am Treff haben zwei Rechtsanwälte Häuser erworben. Und denen waren die vielen Biker wohl ein Dorn im Auge. Die Bezeichnung "Bikertreff" hat nun eine recht gute Imbissbude gleich in der Nähe übernommen. Und so lange es den Herren Juristen noch gefällt, kann man dort hervorragendes Schaschlick speisen.

Nach dieser schmackhaften Stärkung gings es durch Dahlem, Statkyll und Schönfeld nach Pelm bei Gerolstein, wo wir einen Blick auf die beeindruckende Kasselburg geworfen haben. Sehenswürdigkeiten gehören zu einer richtigen Motorradtour halt dazu.

Der nächste planmäßige Halt sollte dann in Weidenbach erfolgen. Im nächsten Jahr führt uns die Mehrtagestour der Motorradfreunde Burgaltendorf nach Weidenbach. Dort werden wir im Hotel Pappelhof unser Quartier beziehen. Und diese Unterkunft wollten wir uns gerne einmal persönlich ansehen.

Das Hotel hat einen wirklich guten Eindruck auf uns gemacht. Ein wenig verwirrt hat mich der zweisprachige Hausprospekt. Der nachfolgende Textabschnitt ist meinem Freund und Gold-Wing-Fahrer Michael S. gewidmet:

Pappelhof Weidenbach is romantisch gelegen, direkt aan het bos, met goed verzorgde fiets- en wandelpaden en een grote vijver. Als u rust en ontspanning zoekt, van de pure natuur wil genieten en dit alles wil beleven in een gezellige familiesfeer, kom dan bij ons, wij verheugen ons op uw komst.

"Verheugen"? Günter? Ist das nicht ein EU-Parlamentarier? Und was hat der jetzt mit Weidenbach in der Vulkaneifel zu schaffen? Auf der schönen Terasse haben wir uns Kaffee und Kuchen schmecken lassen. Und während dieser Ruhepause hat Thommy natürlich die weitere Fahrt durch die Vulkaneifel geplant. Irgendwie waren es ihm noch nicht genug Sehenswürdigkeiten an diesem Wochenende. Da war ich aber völlig anderer Meinung. Schließlich waren da schon das Kaufhaus Jung, die Pennzoil-Zapfsäule, der tuberkolosefreie Rinderbestand, die Pension United Parcel-Service, der Brubbel nebst Erlebnisgastronomie und die Kasselburg. Ob mir denn die Mare bekannt wären, wurde ich gefragt. Ja, nee, ist klar... Frutti die Mare mit extra Knoblauch - eine meiner Lieblingspizzen. Vorausgesetzt es ist noch genügend Pils im Fass. Da hatte Thommy jedoch an etwas völlig anderes gedacht. Und so ging es mit mir als Kulturbanausen im Schlepptau weiter nach Schalkenmehren um gleich mehrere dieser Mare zu besichtigen.

Auf Thommys Vorschlag, einen der Mare zu umrunden, bin ich nicht eingegangen. Der Weg ums Gewässer war nicht geeignet für meine RT. Und zu Fuß mit Motorradstiefeln? Och nee...

Auch nach dem Besuch von Gemündener, Weinfelder und Schalkenmehrender Maar, war es noch nicht vorbei mit den kulturellen Highlights. Der spätere Abend hatte da noch so einiges zu bieten. Zunächst steuerten wir mit den Motorrädern unsere Pension in Wallenborn an. Und bereits dort gab es weitere Überraschungen. Zum Einen gab es auf einmal weitere Gäste und zum Zweiten, ich hatte diese Hoffnung eigentlich bereits begraben, die Heizung funktionierte. Sollten wir dieses Wochenende tatsächlich ohne abgefrorene Gliedmaßen überstehen?

Für unseren Weg zur Erlebnisgastronomie "Landhaus am Brubbel", wir waren wegen der frühen Polizeistunde in der Lokalität frühzeitig aufgebrochen, wählten wir eine andere Route. Dabei kamen wir an einer Imkerei mit Verkaufsstelle vorbei. Mein Verdacht, dass es in Wallenborn seit der Schließung des Kaufhauses Jung keine Einkaufsmöglichkeiten mehr gab, war also unbegründet. Kurz hinter der Imkerei entdeckten wir an einem Baum am Wegrand diesen Kollegen.

Das Örtchen Wallenborn in der Vulkaneifel hatte also doch die ein oder andere Überraschung zu bieten. Doch was wollte uns die merkwürdig gekleidete Gestalt nun sagen? Die Lösung fand sich dann auf einem Schild weiter unten am Baumstamm.

Ein wenig hatten wir den Verdacht, dass diese Tradition im Umgang mit Honigdieben in Wallenborn bis heute bewahrt wurde. Entgegen unseren sonstigen Gewohnheiten haben wir die Honigwaben der Bienenstöcke der näheren Umgebung nicht an Ort und Stelle abgeschleckt. Außerdem wollten wir ja gleich im Anschluss im Brubbel-Cafe zu Abend essen.

Die Erlebnisgastronomie hatte dann gleich eine weitere Überraschung zu bieten. Wegen einer Familienfeier war ein großer Teil der Tische reserviert. Mit etwas Glück konnten wir noch ein paar freie Sitzgelegenheiten ergattern. Hannelore aus Wallenborn feierte ihren 60. Geburtstag. Zahlreiche Gäste aus Nah und Fern waren angereist. Aus diesem Anlass hatten die Wirtsleute tatsächlich ein neues Fass Bier angeschlagen. Es gab an diesem Abend also auch wieder köstliches Bitburger Pilsener vom Fass. Doch damit nicht genug! Hannelore hatte mit Manfred einen Alleinunterhalter gebucht, der die Feier mit diversen Tasteninstrumenten musikalisch bereicherte.

Nachdem wir unser Abendessen eingenommen hatten, hat Thommy seinen Sohn zurück nach Kradenbach gebracht. Er war etwa 1 1/4 Stunden ortsabwesend. In dieser Zeit hat er natürlich einigs verpasst. 100 Meter Luftlinie vom wallenden Born entfernt kam Manfred, der Heimorgelvirtuose aus der Vulkaneifel, so richtig in Wallung. Altes deutsches Liedgut wurde intoniert, Stücke wie "Du hast die Haare schön" oder "Ein Stein, der Deinen Namen trägt...." brachten die Gäste des Landhauses am Brubbel förmlich in Ekstase. Der absolute Höhepunkt wurde allerdings erreicht, als Teile von Hannelores Familie dem Geburtstagskind ein umgetextetes Lied zur Melodie von "Marmor, Stein und Eisen bricht..." in mir bislang völlig unbekannten Tonarten vortrugen.

Wer hätte mit solch einer Stimmung in unserem lieb gewonnenen Gasthof gerechnet. Thommy und ich, wir haben an diesem Abend wirklich über die Stränge geschlagen. Erst nach 22:30 Uhr haben wir unsere Rechnung beglichen. Und die Vorwürfe, die die Tochter des Hauses uns bei der Abrechnung des Deckels aufgrund unseres hohen Bierkonsums gemacht hat, haben uns ein bisschen betroffen gemacht. 12 Pils mit 2 Personen an einem Abend, so etwas ist wirklich nicht zu tolerieren und da konnten natürlich selbst unsere Mädels auf ihrer Kegeltour nicht mithalten. So sind wir an diesem Abend auch erst nach 23:00 Uhr in den Betten verschwunden. Ziemlich unseriös, zumal wir an diesem Tag mit unseren Motorrädern 244 Kilometer Eifel erkundet hatten.

Sonntag Morgen. Der Himmel war ziemlich bedeckt. Das sollte sich im Tagesverlauf auch nicht mehr ändern. Dafür ist es aber trocken geblieben. Bikerherz was willst du mehr? Vielleicht erst einmal ein hervorragendes Frühstück? Haben wir auch bekommen. Der legendäre Wirt aus der Erlebnisgastronomie ging an diesem Morgen seiner Frau beim Frühstück ein wenig zur Hand. Es waren ja auch schließlich eine Menge Gäste im Haus. Irgendwann schlurfte er zu meinem Tisch um zu überprüfen, ob alles vollständig war. In einem Anflug von einem Redeschwall brachte er das Wort "...Kondensmilch....?" über die Lippen. Auf meine Antwort, "es ist alles vorhanden und zu meiner vollen Zufriedenheit", entgegnete er mit nie erwatetem Humor, ".... sonst hätte ich jetzt eine Kuh besorgt...." Während er noch zurück zur Küche schlurfte machten Thommy und ich uns mit den Motorrädern auf den Heimweg.

Wir hatten uns vorgenommen, unseren Heimweg möglichst ohne Autobahnnutzung zu gestalten. Dabei haben wir uns sowohl auf Thommys Katenlesekünste als auch auf meinen GARMIN Streetpilot verlassen. Die Mischung aus beidem hat uns dann auch tatsächlich wieder nach Hause gebracht. 

Den ersten Boxenstopp haben wir am Bikers Inn in Schleiden-Morsbach eingelegt. Ein Treff, den man sich merken sollte. Das Ganze macht einen urgemütlichen Eindruck, es gibt eine reichhaltige Karte und humane Preise. Auf der Terasse haben wir uns einen Kaffee gegönnt und Thommy hat sich einmal mehr in seine Straßenkarten vergraben. Petra, die Chefin vom Bikers Inn, gesellte sich dann zu uns und hatte noch einige gute Tipps für die weitere Rückfahrt für uns. Doch während Thomas die Tipps noch mit seinem extragroßen Edding zu Papier brachte, stand plötzlich Peter, Ehemann der Chefin und Chefkoch des Treffs, neben uns. Er hatte noch bessere Tipps. Ein toller Service. So hab ich vorher noch keinen Bikertreff erlebt.

Über Zülpich, Düren und Kerpen fuhren wir weiterin Richtung Köln. In Köln Langel haben wir unseren Mopeds eine Bootstour gegönnt. Dort hat uns die Rheinfähre nach Leverkusen Hitdorf übergesetzt. Dies war nochmals ein kleiner Höhepunkt unserer Heimfahrt.

Die Überfahrt haben wir ohne seekrank zu werden überstanden. Da hatten wir uns doch gleich wieder eine kleine Stärkung verdient. Der Beachclub Malibu direkt neben dem Fähranleger in Hitdorf war eine Empfehlung von Günther vom Bikers Inn. Den Currywurst-Pommes-Majo-Test hat dieses Lokal dann jedenfalls bestanden. 

Einen weiteren Zwischenstopp wollten wir auf unserem Weg nach Burgaltendorf noch einlegen. Und so sind wir dann noch im Cafe Schräglage im Neandertal eingekehrt. Damit man dort bedient wird, muss man Mitglied im Raucherclub werden. Thommy ist jetzt eingetragenes Mitglied im Raucherclub des Cafe Schräglage. Für mich schied eine Mitgliedschaft in dieser Vereinigung aus, da ich diesem Laster erst im April des Jahres entsagt habe.

Am Nachmittag kamen wir mit weiteren 244 Kilometern mehr auf dem Tacho in Burgaltendorf an. Rechtzeitig genug um unsere Sternschnuppen vom Busbahnhof abzuholen. Das Wiedersehen haben wir am Abend dann noch gemeinsam in unserer Dorfkneipe gefeiert.

Wie lautet jetzt das Fazit dieser Tour? Die Eifel hat mich überzeugt. Es gibt jede Menge kleiner, kurviger und wenig befahrener Straßen. Einige Kehren haben mich sogar an die Alpen erinnert. 683 Kilometer in nicht ganz 2 1/2 Tagen sind denke ich in Ordnung. Ich werde der Vulkaneifel sicher noch öfter einen Besuch abstatten.

Sollte sich irgendwann einmal ein Mensch auf diese Seite verirren, der seine Wurzeln am wallendenden Born - genannt Brubbel - hat, so möchte er nicht zu böse mit mir sein. Für einen Stadtmenschen wie mich sind Dörfer wie Wallenborn in der Vulkaneifel halt etwas ganz besonderes. In Essen gibt es sicher mehr verlassene Verkaufsräume und stillgelegte Zapfsäulen als in der gesamten Vulkaneifel. Tuberkulosefreie Rinderbestände kommen bei uns dafür seltener vor und Mare kennen wir auch nur mit extra Knoblauch aus der Pizzeria.