Seite 3 des Tourberichts "Südengland 2012"

Auf dem Weg nach St. Ives hat Helmar noch schnell ein paar Fotos von mir und meiner HONDA geschossen. Wie ich finde macht sich die Varadero auch im Linksverkehr gut.

Die Fischerorte entlang der cornischen Küste litten wie die Zentren des Bergbaus unter dem Niedergang ihrer Erwerbsquelle. Diesem Schicksal entging die Hafenstadt St. Ives, die von Künstlern, Schriftstellern und schließlich Touristen entdeckt wurde.

Die Granithäuschen um verwinkelte Gassen, der Hafen und die schönen Sandstrände sind tatsächlich malerisch. Der erste Künstler von Rang, der ab 1883 hier wohnte, war der gebürtige Amerikaner James Whistler.

Um zwei bedeutende engische Künstler des 20. Jahrhunderts - die Bildhauerin Barbara Hepworth und den Maler Ben Nicholson, die 1939 mit ihren Kindern hier Zuflucht vor dem Bombenkrieg suchten - bildete sich die "St. Ives School", die vornehmlich abstrakte Werke schuf. Heute gibt es in St. Ives an jeder Ecke Galerien und Ateliers.

Gerade einmal 80 Kilometer waren wir heute mit den Motorrädern in Cornwall unterwegs. Aber die Bilder, die wir von diesem Tag in unseren Erinnerungen behalten werden, sind mit die stärksten der gesamten Südenglandtour.

Donnerstag 07.06.2012 Die Geschichte dieses Tourtages ist schnell erzählt. Es gab Motorrad fahren zum Abgewöhnen. Bereits in der Nacht hatten wir den Regen gegen das Fenster unserer Guest Lodge prasseln hören. Das ganze Ausmaß des Unwetters wurde uns allerdings erst bewusst, als wir durch die Tür auf die Straße traten. Windböen in einer Stärke von bis zu 70 Meilen in der Stunde peitschten den Regen über die Straße. Die Gischt an der Seepromenade spritzte über die Fahrbahn bis in den Gegenverkehr.


Und gerade heute stand eine ziemlich lange Touretappe bis nach Bristol an. Die Route hatten wir über kleine Straßen über Barnstaple, durch den Exmoor National Park  und an der Küste des Bristol Channel entlang geplant. Daran war bei diesen Wetterverhältnisse nicht zu denken. Wir haben daher beschlossen, die Strecke auf direktem Weg über Schnellstraßen und Autobahnen zu bewältigen. Doch vor diesem Kraftakt haben wir uns erst einmal ein deftiges Frühstück gegönnt. 

Außer Wasser von allen Seiten und die Rücklichter der vor uns fahrenden PKW und Lastwagen haben wir auf den 309 Kilometern an diesem Tag so gut wie nichts gesehen. In den völlig durchnässten Klamotten haben wir uns auch nur eine kurze Pause gegönnt. Die war allerdings bitter notwendig, denn der Kampf gegen die Windböen verlangte uns einiges an Kräften ab.

Endlich in Bristol angekommen, stoppte uns eine geschlossene Schranke an einer Hängebrücke. Ein halbes Pfund Wegegebühr war hier zu entrichten. Wir standen also im schönsten Regen mitten auf der Brücke, versuchten mit eiskalten Fingern aus den nassen Handschuhen zu kommen um an das Geld im Topcase zu gelangen. Mittlerweile staute sich der Verkehr hinter uns bis in die Seitenstraßen. Ein freundlicher Brite hat mir dann zwei 50 Penny-Stücke in die Hand gedrückt, damit es endlich weitergeht. Erstaunlich war, dass niemand geschimpft oder gehupt hat. Das unterscheidet dann wohl den deutschen vom britischen Autofahrer.

Das nachfolgende Bild der imposanten Brücke habe ich übrigens aus dem Web. Meine Kamera hätte ich bei diesem Wetter nicht aus der Tasche geholt.

Am frühen Nachmittag kamen wir dann an unserem IBIS Hotel an. Dort haben wir erst einmal die Hotellobby geflutet. Endlich auf dem Zimmer haben wir uns dann gleich ans Trocknen der Motorradbekleidung begeben.

Für weitere Aktivitäten fehlte uns nach diesem Tag etwas der Antrieb. Wir haben noch in einem netten Pub etwas gegessen und das ein oder andere Ale getrunken und sind dann zeitig im Bett verschwunden. 

Freitag 08.06.2012 Auch am Morgen war es noch ziemlich nass. Unsere Abfahrt in Richtung Portsmouth haben wir daher immer wieder hinausgezögert. Doch irgendwann haben wir uns doch aufgerafft. Ich hab mir die komplette Regenbekleidung übergezogen. Helmar hatte diese ja ohnehin bereits seit Plymouth an.

Derartig gegen alle Wetterkapriolen gerüstet ging es auf die 150 Kilometer lange Strecke zu unserem heutigen Tourziel. Und der Himmel hatte tatsächlich ein Einsehen. Je weiter wir uns von Bristol entfernten, um so trockener wurde es. Der Wind tat ein Übriges um die Nässe von Fahrer und Material zu vertreiben. Aufgrund der immer noch bedrohlichen Wolken über uns, haben wir nur einen kurzen Zwischenstopp auf einen Kaffee bei Mc Donalds eingelegt.

Kurz vor Portsmouth klarte es dann aber endgültig auf und es war fast so etwas wie Sonne zu sehen. Dafür legte der Wind noch einmal zu. Auf der Stadtautobahn, die ins Zentrum von Portsmouth führt stürmte es derartig heftig, dass wir Probleme hatten die schweren Maschinen auf der Straße zu halten.

Der Reiseführer sagt zu Portsmouth aus, dass es sich hier sicher nicht um eine der englischen Vorzeigestädte handelt. Unser Aufenthalt war sicher zu kurz um sich ein eigenes Urteil zu bilden. Doch die Häuserfronten im viktorianischen Stil fand ich schon ziemlich beeindruckend. Und vor allem ........... es war trocken!

Die Stadt ist als der Hauptstützpunkt der königlichen Marine von großer Bedeutung. In den Dockanlagen befindet sich ein Museumsteil, Flagship Portsmouth genannt, wo man alles über die Royal Navy erfahren kann.

Spektakulär ist auch der am Hafen gelegene 170 Meter hohe Aussichtsturm Spinnaker Tower. Nördlich der Museumsschiffe befindet sich das Charles Dickens House, in dem der Schriftsteller 1812 das Licht der Welt entdeckte.

In einem Pub in Hotelnähe haben wir gut und preiswert gegessen, ein Ale getrunken und uns eines der Spiele der Fußball-Europa-Meisterschaft angeschaut. Und dann wurde es auch schon Zeit, die letzte Nacht auf englischem Boden einzuleuten.

Samstag 09.06.2012 Der Morgen begrüßte uns mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Und tatsächlich, Helmar war optimistisch und hat die Regen-Überschuhe weggelassen. Es galt zunächst einmal die Strecke bis Dover zu bewältigen, um dann rechtzeitig vor Abfahrt unserer Fähre um 17:25 Uhr einzuchecken.

Wir kamen trocken und zügig voran. Kurz vor Dover sind wir einen Imbiss angefahren um uns noch einmal "Fish and Chips" schmecken zu lassen. In einem Straßencafe gab es noch den obligatorischen Cappucino, dann wurde es auch schon Zeit zum Fähranleger zu fahren. Für 17:25 war die Rückfahrt nach Calais gebucht. Und es bestand die Verpflichtung mindestens 45 Minuten vor der geplanten Ablegezeit einzuchecken.

So weit, so gut. Doch gleich bei der Überprüfung unserer Tickets gab es Schwierigkeiten. Helmar und ich wurden gebeten uns im Office von P&O Ferries einzufinden und unsere Unterlagen dort vorzulegen. Hat dann ein wenig gedauert, bis wir verstanden haben was eigentlich los war. Seit gestern tobten wohl heftige Stürme über dem Ärmelkanal. Eine der Fähren benötigte wohl für die Strecke bis Calais statt der geplanten 1 1/2 gleich 6 Stunden und weitere Fähren konnten erst garnicht auslaufen. Nun war der Fahrplan etwas durcheinander geraten. Unsere Abfahrt war nun auf 20:15 Uhr verschoben.

Es gab also genügend Zeit die anderen ausharrenden Fahrgäste näher kennen zu lernen und sich noch einmal in der englischen Sprache zu erproben. Gegen 20:30 Uhr setzte sich unsere Fähre dann doch in Bewegung. Während der Fahrt durften wir dann unsere Armbanduhren wieder um eine Stunde vorstellen, denn nun galt ja wieder die Mitteleuropäische Sommerzeit. Bei unserem Eintreffen im Hafen von Calais war die Nacht daher bereits angebrochen.

Im Dunkeln ging es dann noch ca. 110 Kilometer bis nach Belgien. Um 0:30 Uhr konnten wir unser Gepäck in unserem Hotel in Aalter fallen lassen. Vor dem zu Bett gehen gab es noch zwei Dosenbier für jeden von uns, dann war auch dieser Tag mit insgesamt 342 Kilometern auf dem Tageskilometerzähler zu Ende.

Sonntag 10.06.2012 Unsere Südenglandtour ging nun unaufhaltsam ihrem Ende entgegen. Nachdem wir in der Nacht erst spät ins Bett gekommen waren, haben wir es am Morgen ruhig angehen lassen. Nach einem ausgiebigen Frühstück - ohne Rührei, Bohnen und Speck - haben wir die Mopeds für die letzte Touretappe beladen.

Noch einmal ging es über 326 Kilometer zurück nach Essen. Gegen 14:30 sind wir am Sonntag Mittag wohlbehalten zu Hause eingetroffen.

2.448 Kilometer waren Helmar und ich in diesen 10 Tagen gemeinsam mit unseren Motorrädern unterwegs. Wir haben unendlich viele Eindrücke von Land und Leuten gesammelt und werden diese Tour noch lange in wirklich guter Erinnerung behalten. Da gab es Bilder in diesen Tagen, die werden wir für immer vor Augen haben.  Es war einfach ein super Erlebnis, Südengland mit dem Motorrad zu bereisen. Eigentlich könnten wir doch gleich wieder losfahren, oder?