2. bis 09. August 2008

Eine Reise in die Vergangenheit

Wenn man eine Reise plant, dann macht man sich natürlich auch Gedanken darüber, wie man die Abende in der Pension verbringt. Kein Internet, keinen Fernseher, noch nichtmals ein Radio. Wie wäre es denn mal wieder mit Lesen? Und da ich noch einen Geschenkgutschein für unsere Dorfbücherei herumliegen hatte, hab ich mir "Die Tore der Welt" von Ken Follett zugelegt. Hierbei handelt es sich um die Fortsetzung von "Die Säulen der Erde", dem Roman, den ich vor Jahren förmlich verschlungen habe. Die Handlung beider Romane spielt im 12. bzw. 13. Jahrhundert. "Die Tore der Welt" ist ein ziemlicher Wälzer: 1.295 klein bedruckte Seiten. Keine Chance also dieses Werk in gerade einmal einer Woche Urlaub zu bewältigen.  

Aber nicht nur aus diesem Grund wurde unsere Tour durch den Schwarzwald eine Reise in die Vergangenheit. Mit den Motorrädern haben wir einige geschichtsträchtige Orte angefahren und zahlreiche bis heute erhalten gebliebene Zeitzeugen vergangener Jahr-hunderte entdeckt.

Meine eigenen Beschreibungen habe ich übrigens mit Informationen aus externen Quellen ergänzt. Immer dann, wenn die Informationen nicht aus meiner Feder stammen, habe ich die Schrift Comic Sans gewählt.  

Unsere Unterkunft hatten wir im schönen Münstertal gefunden. Dort waren wir im Haus am Bühl bei Familie Gutmann untergebracht. Die Übernachtung im Doppel-zimmer incl. Frühstück kostete uns dort gerade einmal 15 Euro pro Person. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt. Das Frühstück war ausgezeichnet, das Zimmer geräumig und wir haben nette Leute kennen gelernt. Der selbst produzierte Honig und die selbst gebrannten Schnäpse sind im Haus am Bühl besonders zu empfehlen. Hier der Link zu unserer Pension:                                                                                                                         

http://www.haus-am-buehl.de/index.html

02.08.2008

Die Motorräder hatten wir bereits am Vorabend auf den Anhänger verfrachtet. Das Gespann stand dann die Nacht über in unserer Hofeinfahrt. So mussten wir morgens nur noch die letzten Taschen im Kofferraum verstauen. Um 5:00 Uhr ging es dann los in Richtung Schwarzwald.

Die 520 Kilometer Anfahrt ins Münstertal haben wir gut überstanden. Gegen Mittag sind wir an unserer Pension angekommen. Zunächst haben wir die Motorräder vom Anhänger geholt. Dabei hat unser Pensionswirt mit angefasst. Ansonsten wäre es doch ziemlich schwierig geworden, die RT unbeschädigt herunter zu bekommen.

Am frühen Nachmittag sind wir dann zu einer ersten Tour aufgebrochen. Wir sind über die 10 Kilometer lange ziemlich kurvige Straße durch das Münstertal gefahren. Das wird jetzt wohl unsere Hausstrecke. Über Todtnau ging es auf den Feldberg. Oben angekommen haben wir uns eine Tasse Kaffee und ein Stück Heidelbeerkuchen gegönnt.

Am Titisee vorbei ging es nach Kirchzarten und von dort über eine Nebenstrecke von Oberried nach Notschrei. Die Schauinslandstrecke ist an den Wochenenden für Motorradfahrer gesperrt. So musste unser GARMIN ganze Arbeit leisten und eine Alternativstrecke für uns finden. Also sind wir über Todtnau zurück und haben unsere neu gewonnene Hausstrecke dann auch gleich in Gegenrichtung kennengelernt. 130 Kilometer hat uns diese erste Nachmittagsrunde durch den schönen Schwarzwald geführt. Angie, die durch ihren Bandscheibenvorfall eine siebenwöchige Motorradzwangspause einlegen musste, fand das auch völlig ausreichend.

Um das Jahr 800 entstand zu Ehren des heiligen Trudpert an dessen Todesstätte das erste rechtsrheinische Benediktinerkloster St. Trudpert. Fast tausend Jahre lang, bis zur Säkularisation im Jahre 1806, war das Kloster stets kultureller, politischer, kirchlicher und wirtschaftlicher Mittelpunkt des Tales und gleichzeitig Ausgangspunkt der Christianisierung im Südschwarzwald.

03.08.2008

Der Sonntag machte seinem Namen keine Ehre, denn er begrüßte uns mit geschlossener Wolkendecke und regnerischem Wetter. Nach einem guten Frühstück sind wir dann erstmal mit dem Auto los um uns das schöne Freiburg anzuschauen.

Eine erste Erwähnung eines heutigen Stadtteils Freiburgs, der Wiehre, findet sich 1008 in einem Dokument, in dem Kaiser Heinrich II. dem Bischof von Basel Adalberoni den Wildbann in den Wäldern der Gegend überschreibt. Um 1091 baut der Zähringer Herzog Bertold II. das schöne Castrum de Friburch auf dem Schlossberg. Der Siedlung der Dienstleute und Handwerker am Fuße des Berges verleiht Bertolds Sohn Konrad im Jahre 1120 das Markt- und Stadtrecht. 1146 predigt Bernhard von Clairvaux in der Stadtkirche den Zweiten Kreuzzug. An Stelle dieser zu kleinen Kirche veranlasst Bertold V. 1200 den großzügigen Bau des heutigen Münsters.

Nach dem Aussterben der Zähringer übernehmen 1218 die Grafen von Urach mit Egino I. dem Neffen Bertold V. die Herrschaft und nennen sich fortan die Grafen von Freiburg. Im Jahre 1235 lehrt Albertus Magnus in Freiburg. Die Hosanna, die älteste noch erhaltene Glocke des Münsters wird 1258 gegossen. Nach den häufigen Streitereien mit den Grafen um die Finanzen kauft sich die Freiburger Bürgerschaft 1368 mit 20.000 Mark Silber von der Herrschaft des ungeliebten Egino III. los und unterstellt sich dem Schutz des Hauses Habsburg.

Freiburg muss den neuen Herrschern Kriegsleute stellen und Finanzhilfe leisten. In der Schlacht von Sempach siegen die Schweizer Eidgenossen 1386 gegen den österreichischen Herzog Leopold III. und löschen dabei einen Großteil des Freiburger Adels aus. Die Zünfte beherrschten danach den Stadtrat. Im Jahre 1417 verhilft Herzog Friedrich IV. von Habsburg dem auf dem Konzil von Konstanz abgesetzten Papst Johannes XXIII. (Gegenpapst) 1415 zur Flucht nach Freiburg. Darauf verhängt König Sigismund die Reichsacht über den Habsburger und Freiburg ist bis 1427 Reichsstadt. Als Herr der österreichischen Vorlande stiftet Erzherzog Albrecht 1457 die Freiburger Universität.

Im Jahre 1498 hält Maximilian I. Reichstag in Freiburg. Unter dem Zeichen des Bundschuhs erheben sich im gleichen Jahr die Bauern am Oberrhein, doch der Aufstand bei Freiburg unter Joß Fritz wird verraten. 1524 nehmen im Deutschen Bauernkrieg 18.000 Bauern unter Führung von Hans Müller Freiburg ein und zwingen den Stadtrat, einer evangelisch-christlichen Vereinigung beizutreten. Als 1529 in Basel die Bilderstürmer den Protestantismus durchsetzen, fliehen der Fürst der Wissenschaft Erasmus von Rotterdam und das Basler Domkapitel ins gut katholische Freiburg. Mit der Vollendung des Hochchors, der 1513 durch den Konstanzer Weihbischof geweiht wird, ist 1536 das Münster endgültig fertiggestellt.

Kurz nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges 1620 übernehmen die Jesuiten die Universität Freiburg. Im Jahre 1632 besetzen die Schweden unter General Horn die Stadt, die in den folgenden Jahren mehrmals den Besitzer wechselt. Eine kaiserlich-bayrische Armee unter den Generälen Franz von Mercy und Jan van Werth nimmt 1644 Freiburg ein. Anschließend kommt es zur Schlacht bei Freiburg zwischen den Bayern und französisch-weimarischen Truppen, angeführt von den Marschällen Turenne und Condé.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts kommt es unter Ludwig XIV. immer wieder zu Übergriffen auf rechtsrheinisches Gebiet. Nach dem holländischen Krieg muss Kaiser Leopold I. 1679 im Frieden von Nimwegen die Stadt Freiburg samt Lehen sowie Betzenhausen und Kirchzarten der Krone Frankreichs überlassen. Nachdem Ludwig XIV. Sébastien le Prestre de Vauban angewiesen hatte, die Stadt zu einer modernen Festung auszubauen, besucht der König 1681 Freiburg, um den Fortschritt der Arbeiten persönlich zu begutachten. Im Frieden von Rijswijk 1697 darf Ludwig XIV. die im Elsass besetzten Gebiete einschließlich der freien Reichsstadt Straßburg behalten, muss aber Freiburg an die Habsburger zurückgeben. Gegen Ende des Spanischen Erbfolgekriegs besetzt Marschall Claude-Louis-Hector de Villars 1713 Freiburg erneut. Im zweiten österreichischen Erbfolgekrieg leitet Ludwig XV. 1744 vom Lorettoberg aus die Kanonade der Stadt und nimmt sie ein. Als die französischen Truppen Freiburg räumen müssen, zerstören sie die Festungsanlagen gründlich. Lediglich das Breisacher Tor blieb als Teil der Vaubanschen Bauten erhalten. Auf dem Wege nach Frankreich zur Vermählung mit Ludwig XVI. wird Marie-Antoinette 1770 in Freiburg begeistert empfangen. Kaiser Joseph II. besucht Freiburg im Jahre 1777.

Französische Revolutionstruppen nehmen Freiburg 1796 ein. Nach drei Monaten befreit Erzherzog Karl die Stadt. Als der Herzog von Modena Herkules III. im Frieden von Campo Formio 1797 seine italienischen Besitzungen verliert, erhält er als Kompensation den Breisgau. Nach Herkules' Tod 1803 fällt der Breisgau an seine ins Haus Habsburg eingeheiratete Tochter Maria Beatrice. Doch dieses modenisch-habsburgische Zwischenspiel dauert nur kurz, denn 1805 verfügt Napoleon den Anfall des Breisgaus und der Ortenau an das Großherzogtum Baden. Die Schlussakte des Wiener Kongresses bestätigt 1815 den Verbleib Freiburgs bei Baden.

Im Jahr 1827 wird Freiburg Sitz des neu gegründeten Erzbistums Freiburg. 1845 wird die Bahnlinie in Richtung Offenburg eröffnet. Die Revolution von 1848 entlädt sich im Südwesten Deutschlands besonders heftig, obgleich Baden 1818 während der Restauration eine recht liberale Verfassung erhalten hatte. In Freiburg kommt es zu blutigen Barrikadenkämpfen, an denen neben badischen Regierungstruppen hessische Verbände beteiligt sind.

Mit der Reichsgründung von 1871 nimmt die Stadt am allgemeinen Wirtschaftsaufschwung in Deutschland teil. Unter Oberbürgermeister Otto Winterer erhält Freiburg mit der Bebauung neuer Stadtteile im Stile des Historismus sein Gesicht. Schon 1901 fährt eine elektrische Straßenbahn. Im Ersten Weltkrieg werfen feindliche Flugzeuge und Luftschiffe Bomben über der Stadt ab. Die Rückkehr des Elsass zu Frankreich nach dem verlorenen Krieg trifft Freiburg wirtschaftlich besonders hart.

Zwei der ersten Reichskanzler der Weimarer Republik stammen aus Freiburg. Wie überall im damaligen Deutschen Reich übernehmen 1933 die Nationalsozialisten in Freiburg die Macht. Unter dem Rektorat Martin Heideggers wird die Universität gleichgeschaltet. 1938 wird St. Georgen eingemeindet, im gleichen Jahr geht in der Reichspogromnacht die Freiburger Synagoge in Flammen auf. 1940 werden die in Freiburg noch verbliebenen Juden mit einem Sammeltransport ins südfranzösische Konzentrationslager Gurs geschickt. Am 10. Mai 1940 bombardieren Flugzeuge der Deutschen Luftwaffe irrtümlich die Stadt. 57 Menschen fanden damals den Tod.

Am Abend des 27. November 1944 bombardiert die britische Royal Air Force Freiburg, wobei etwa 3.000 Bürger den Tod finden. Aus den Trümmern der vollkommen zerstörten Altstadt erhebt sich das relativ unbeschädigte Freiburger Münster. Durch die starken Detonationswellen wurde das Münster jedoch nahezu abgedeckt. Mit Ziegelspenden aus Basel konnte das Münster bis Januar 1946 wieder fast vollständig gedeckt werden.

Im April 1945 besetzen die Franzosen die Stadt, in der im Oktober General de Gaulle eine Siegesparade abhält. In Folge der Aufteilung Deutschlands in verschiedene Besatzungszonen wird Freiburg 1946 die Hauptstadt des Landes Baden. Nach einer Volksabstimmung geht 1951 Südbaden im Bundesland Baden-Württemberg auf.

Die Studentenunruhen der späten 1960er Jahre finden auch in Freiburg ihren Niederschlag. Das gewachsene politische Bewusstsein führt in den 1970er Jahren zur Beteiligung vieler Freiburger am erfolgreichen Widerstand der Kaiserstühler Bauern gegen das geplante Kernkraftwerk Wyhl. Im Gefolge dieser Ereignisse entwickelt sich in der Stadt eine starke autonome Szene und ein breites ökologisch orientiertes Spektrum. Freiburg wird zu einer Hochburg der neu gegründeten Grünen, und wird daher als Ökohauptstadt Deutschlands bezeichnet. Aber auch wissenschaftlich und wirtschaftlich entwickelt sich in Freiburg ein Klima, das der Stadt eine führende Rolle als Umweltstadt verschafft.

1986 ist die Stadt Gastgeber der siebten Landesgartenschau Baden-Württemberg, was für die Entwicklung der westlichen Stadtteile von großer Bedeutung ist. Die Attraktivität Freiburgs führt zu einem starken Bevölkerungszuwachs, der den Ausbau alter und die Errichtung neuer Wohngebiete erfordert. Auf einem von der französischen Garnison 1992 verlassenen Kasernengelände entsteht der Stadtteil Vauban. 1993 erfolgt der Spatenstich zum neuen Stadtteil Rieselfeld.

1996 überschreitet die Stadt die Bevölkerungszahl von 200.000 Einwohnern. Darunter sind etwa 30.000 Studenten, die an der Universität und vier weiteren Hochschulen studieren.

Gegen Mittag haben wir es dann doch noch gewagt mit den Motorrädern zu einer kleine Tour aufzubrechen. Wir sind einfach mal der Nase nach gefahren und den Ortsschildern zu uns völlig unbekannten Orten gefolgt. Unsere Fahrt führte an Feldern und Weinbergen vorbei und durch kleine ländlich geprägte Ortschaften. Dabei haben wir auch einige romantisch aussehende Straußenwirtschaften entdeckt. In Müllheim fand gerade ein mittelaterlicher Markt statt. Grund genug einen Zwischenstopp einzulegen und uns das Treiben der Händler und Gaukler einmal näher anzuschauen.

Am 27. Oktober 758 schenkte Strachfried seinen Besitz in Müllheim, darunter auch Weinberge, dem Kloster St. Gallen. Diese Urkunde, die im Stiftsarchiv zu St. Gallen aufbewahrt wird, enthält die erste schriftliche Erwähnung der »villa Mulinhaimo«, der heutigen Stadt Müllheim.

Bodenfunde, vor allem aus der Römer- und Alemannenzeit, zeigen, dass aber schon vor 758 Menschen hier gewohnt haben. Bei Grabungen, die aus Anlass der Renovierung der Martinskirche in den Jahren 1980 und 1981 vom Landesdenkmalamt durchgeführt wurden, stieß man auf Teile einer römischen Villa, die, so wird vermutet, Kernstück eines der größten römischen Landgüter in dieser Gegend gewesen ist. Ende des 1. Jahrhunderts bauten die Römer ihre Badeanlagen im nahen Badenweiler. Die Geschicke der Stadt Müllheim waren in früheren Jahrhunderten sehr eng verknüpft mit denjenigen der Herrschaft Badenweiler, zu der Müllheim gehörte. Diese bildete Jahrhunderte hindurch einen Bestandteil eines der Gebiete der alemannischen Herzöge. Noch heute sind die Grenzen der alemannischen Siedlungen erkennbar.

Das ursprüngliche Müllheim bestand aus zwei Orten am Ausgang des Weilertals: Ober- und Untermüllen, die endgültig zusammenwuchsen, als 1727 der Amtssitz von Badenweiler nach Müllheim verlegt wurde. Schon 1698 erhielt die Gemeinde das Recht zur Abhaltung eines Wochenmarktes. Neben Acker- und Weinbau brachten Gewerbefleiß und Handel, besonders der Weinhandel, eine Aufwärtsentwicklung. Durch den immer stärker werdenden Zustrom von Beamten und Angestellten sowie von Handwerkern und Geschäftsleuten stieg die Einwohnerzahl bis zur Jahrhundertwende auf 1700, wovon 300 die Bürgerrechte besaßen. Ein Markstein für Müllheims Entwicklung ist die Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1810. Müllheim war früher und ist auch heute das Zentrum des Markgräfler Weinbaugebietes mit etwa 480 ha Rebfläche. Seit 1872 findet alljährlich der Müllheimer Weinmarkt statt.

Von Müllheim führte uns unser Weg über den Rhein nach Frankreich. Weiter ging es bis Mulhouse. Unser kurzer Abstecher nach Frankreich war aber leider ein wenig enttäuschend. Eine karge Landschaft, alles sah ein wenig "grau in grau" aus und Mulhouse wirkte wie ausgestorben. Wir müssen also in den nächsten Tagen unbedingt dem Elsass einen Besuch abstatten, um dem Ruf unseres französischen Nachbarns auf dieser Tour zu retten.

Auf gleichem Weg ging es zurück zur deutschen Grenze. In Riedlingen entdeckten wir ein schönes Gartencafe in dem wir uns mit einer kühlen Apfelschorle erfrischen konnten und uns Kuchen und Eis haben schmecken lassen.

Die Regenwolken hatten sich mittlerweile verzogen und der Sonne Platz gemacht. Unter unserer Motorradkleidung, ich hatte extra die dicke Jacke angezogen, ist es uns mächtig warm geworden. Über kleine kurvige Straßen ging es zurück ins Münstertal. Aufgrund des anfänglich nicht so tollen Wetters kamen an diesem Tag lediglich 140 Motorradkilometer auf unser Tourkonto.  Abends waren wir noch im Gasthaus "Zur Sonne" gut und reichlich essen. Und zurück an der Pension haben wir uns noch mit unseren Gastgebern und den anderen Feriengästen zusammengesetzt. Es wurde ein netter Abend mit leckerem Ganter Pilsener und köstlichem selbst gebranntem Birnenschnaps. 

04.08.2008

Nun denn, an diesem Montag Morgen sah es nun wirklich nicht nach Motorrad fahren aus. Es wehte ein kräftiger Wind und es dauerte auch nicht lange bis es heftig zu regnen begann. Nun erwies es sich einmal mehr als ziemlich praktisch, dass wir die Motorräder mit Auto und Anhänger in den Schwarzwald befördert hatten. Denn so stand uns das Auto noch für ein Alternativprogramm zur Verfügung.

Die deutsche Fachwerkstraße war unser Ziel. Als Route für die Hinfahrt wählten wir einen großen Bogen über viele Berge und Täler und kurvenreiche Straßen. Also waren wir schonmal eine ganze Weile unterwegs bis wir unser erstes Etappenziel Schiltach erreichten.

Schiltach liegt in 295 bis 842 Meter Höhe im Mittleren Schwarzwald an der Mündung des Flusses Schiltach in die Kinzig, an der engsten Stelle des Kinzigtals, zwischen Offenburg, Freudenstadt und Schramberg.

Schiltach entstand im 11. Jahrhundert als Pfarrei für die umliegenden Höfe, welche älter sind als Schiltach selbst. In der Umgebung der heutigen evangelischen Stadtkirche, im Bereich des heutigen Vorstädtle, entsteht eine Ansiedlung, die der Ursprung von Schiltach ist, welche nach dem Fluss Schiltach benannt war. Vermutlich zur Mitte des 13. Jahrhunderts gründeten die Herzöge von Teck zur Sicherung ihrer Gebiete die Stadt Schiltach (erste Erwähnung 1275), eine ummauerte Stadt mit Toren und die darüberliegende Burg Schiltach zu ihrer Verteidigung. Eine Kirche wurde in der Stadt nicht gebaut, denn diese war bereits da, in der Siedlung vor der Stadt.

 

Die Stadt sollte den durchgehenden Verkehr beherbergen und ein Dienstleistungszentrum vor dem Anstieg der Straße in Richtung Rottweil sein. Die Burg und die Stadtanlage von Schiltach übernahm somit ab etwa 1250 die Funktion der Willenburg, die die Versorgung an der Straße vor der Gründung der Stadt Schiltach wahrgenommen hatte. Die Straße durch das Kinzigtal war schon in Römerzeiten die Verbindung durch den Schwarzwald aus der Straßburger Gegend in Richtung Rottweil.

1371 kam die Stadt Schiltach an die Herzöge von Urslingen. Die verarmten Urslinger verkaufen im Jahr 1381 Burg und Stadt an die Grafen von Württemberg. Bis auf die Jahre 1519 bis 1534, in denen die Stadt zunächst von der Reichsstadt Rottweil, dann von Vorderösterreich besetzt war, (wie das ganze Herzogtum Württemberg), blieb Schiltach bis zum Jahre 1810 bei Württemberg.

Die Fachwerkkulisse von Schiltach war wirklich beeindruckend. Ich fühlte mich ein bisschen in die Zeiten zurückversetzt, in den ich an meiner Modelleisenbahnanlage gebastelt habe. Von Schiltach fuhren wir dann weiter nach Haslach.

Haslach ist eine sehr alte Stadt. Römerzeitliche Funde (Keramikscherben, Altarstein, Römisches Grabrelief) lassen eine Besiedlung bereits zu Zeiten des Baus der Militärstraße durch das Kinzigtal (um 74 n. Chr.) vermuten. Bodenfunde deuten auf eine römische Straßenstation hin. Die Stadtgründung selbst dürfte zähringerschen Ursprungs sein, Haslach war von den Zähringern im 11. Jahrhundert als Marktstadt und Zentrum des lokalen Silberbergbaus gegründet worden. Letztere Funktion erlebte unter der Herrschaft der Fürstenberger (Ersterwähnung des Ortes 1240) einen enormen Aufschwung, Haslach war Sitz eines Bergrichters, der 400 Stollen und Schächte des Kinzigtals verwaltete. 1241 war Haslach in der staufischen Reichssteuerliste mit dem vergleichsweise hohen Betrag von 40 Mark Silber eingetragen, die Erhebung zur Stadt erfolgte 1278.

Haslach StadtmitteNach dem Niedergang des Silberbergbaus im 16. Jahrhundert entwickelte sich Haslach als Amts- und Marktstadt weiter. Im Spanischen Erbfolgekrieg wird Haslach 1704 komplett niedergebrannt und auf dem mittelalterlichen Grundriss der Stadt entstehen vergleichsweise moderne Fachwerkbauten in süddeutscher, barocker Abzimmerung. Nach Bildung des Großherzogtum Baden 1803 wurde Haslach Sitz des gleichnamigen Bezirksamtes. Als dieses 1857 aufgelöst wurde, kam die Stadt zum Bezirksamt Wolfach, aus dem 1939 der Landkreis Wolfach wurde.

Nächste Station und gleichzeitig Höhepunkt unserer Erkundungstour an der deutschen Fachwerkstraße war der Besuch der alten Reichsstadt Gengenbach. Gengenbach liegt an der Kinzig im unteren Kinzigtal auf 175 Meter über NN am Rande des mittleren Schwarzwalds.

Im Umfeld des Benediktinerklosters Gengenbach bildete sich aus einer bäuerlichen Ansiedlung mit grundherrschaftlichem Markt im Verlauf des hohen Mittelalters die Stadt Gengenbach aus.

Zu 1231 ist das opidum Gengenbach erstmals belegt, 1360 wurde Gengenbach Reichsstadt. Das reichsstädtische Territorium umfasste die Dörfer Reichenbach, Schwaibach, Ohlsbach und Bermersbach als „Landstäbe“. Seit 1500 gehörte der Ort zum Schwäbischen Reichskreis. Pfarrkirche war bis 1803 die Martinskirche außerhalb des Mauerrings, von dem Schwedenturm, Obertor, Kinzigtor und Niggelturm (14. bis 16. Jahrhundert) erhalten geblieben sind. Der Dreißigjährige Krieg brachte schwere Verwüstungen, der Pfälzische Erbfolgekrieg die fast völlige Zerstörung Gengenbachs.

1803 wurde die Stadt dem Großherzogtum Baden eingegliedert. Sie wurde zunächst Sitz des Amtes Gengenbach, das 1872 dem Bezirksamt Offenburg (ab 1939: Landkreis Offenburg) zugeschlagen wurde. Seit 1973 gehört sie zum Ortenaukreis.

In einem waren Angie und ich uns an diesem Tag einig. Gengenbach war der schönste der drei Orte die wir uns an diesem Tag an der Fachwerkstraße angeschaut haben. Allerdings muss man dazu die großen Plätze der Stadt verlassen und einfach einmal in eine der zahlreichen engen Gassen eintauchen. Dort finden sich wirklich schöne Winkel. Die alten Häuser werden von den Bewohnern liebevoll in Stand gehalten. Und gleichzeitig gibt es eine tolle Blütenpracht zu bewundern. Einen etwas längeren Besuch in der alten Reichsstadt Gengenbach können wir daher empfehlen. 

Auf dem Rückweg haben wir noch einen kurzen Halt in Offenburg eingelegt und einige Einkäufe erledigt. Ich habe in diesem Kurzurlaub schon so viel fotografiert, dass ich Sorge hatte, der Speicherchip der Digitalkamera könnte nicht ausreichen. Also hab ich mir mal vorsorglich einen weiteren 2 GB SD-Speicherchip gekauft.

Mit dem bislang mäßigen Wetter auf unserer Schwarzwaldtour hatten wir uns einigermaßen abgefunden, schließlich war das Alternativprogramm mehr als ordentlich. Doch ausgerechnet die viel gerühmte Badische Küche machte uns ein bisschen Ärger. So hatten wir festgestellt, dass das Angebot in den Restaurants der Umgebung recht überschaubar war, die Preise aber eher im höheren Segment einzuordnen sind. Unsere Suche nach einer preisgünstigen Gastwirtschaft mit einem vernünftigen "gutbürgerlichen" Angebot blieb jedenfalls erfolglos. Da waren wir von Mittenwald im letzten Jahr besseres gewohnt.

An diesem Abend hat uns das Essen glatte 50 Euro gekostet. Dafür waren wir aber im Gasthaus "Zur Linde" in einem anerkanntem Spitzenlokal. Internationale Gäste, hervorragender Service, gehobenes Ambiente.... wir haben es lieber etwas bodenständiger. Unterhaltung nur in gedämpfter Lautstärke ist jetzt nicht so unser Ding. Aber man weiß sich halt zu benehmen. Nachdem wir jedoch schon mit unserer Weizenbier- und Obstlerbestellung, anstatt aus der umfangreichen Weinkarte zu wählen, unangenehm aufgefallen waren, ging dann auch noch mein Handy in voller Lautstärke los. Und da sich das Handy in meiner Jackentasche und die Jacke an der Garderobe befand, dauerte es ein wenig, bis ich meinem aktuellen Lieblingsklingelton Einhalt gewähren konnte. Meine Tochter Anne hatte das Bedürfnis gehabt, ihren alten Vater zu sprechen. Und so wurde der "Gasthof zur Linde" das erste Mal in seiner 350jährigen ruhmreichen Geschichte mit den Klängen von "Sharp Dressed Man" von ZZ Top beschallt.

Die Motorräder mussten an diesem Tag untätig bleiben. Nur gut dass ihnen zumindest die Hühner von Familie Gutmann ein wenig Gesellschaft leisteten.

05.08.2008

Dienstag Morgen, 9:30 Uhr.... ein kleiner Flecken Sonnenlicht im an uns vorüberziehenden Wolkenband. Das war unsere Chance. Also rein in die Motorradklamotten und rauf auf die BMW´s. In den GARMIN StreetPilot habe ich als Ziel den Rheinfall bei Schaffhausen einprogrammiert. Die freundliche Stimme aus meinen Helmlautsprechern führte uns über unsere bereits hinlänglich beschriebene Hausstrecke das Münstertal hoch, über den Feldberg und am Schluchsee vorbei.

In Bonndorf haben wir eine kurze Kaffeepause eingelegt. Dann ging es weiter Richtung Schaffhausen. Bei der Überfahrt in die Schweiz kann man als Mitteleuropäer ja noch einen der wenigen verbliebenen Grenzübergänge mit echten Zöllnern, Schranken und allem was dazu gehört, erleben. Nun hatten wir zum ersten Mal eidgenössischen Boden unter den Pneus.

Den hübschen Bernhardiner haben wir übrigens nicht käuflich erworben. Sonst hätte es nachher bei der Einreise in die Bundesrepublik Deutschland noch Ärger mit dem deutschen Zoll gegeben.

Nach einigen kurvigen Straßen, die uns auch ein Weinbergen vorbeiführten, erreichten wir Schaffhausen und den Rheinfall. Der Wasserfall war wirklich beeindruckend. Hat sich wirklich gelohnt hier vorbei zu fahren. Wer möchte, kann mit einem der Ausflugsboote bis zu einer Anlegestelle an einem Felsen direkt unterhalb des Wasserfalls fahren und den Fels dann zu Fuß hinaufkraxeln. Sieht ziemlich spektakulär aus. Wir haben aber lieber drauf verzichtet.

Der Rheinfall (schweizerdeutsch: Rhyfall, früher auch Grosser Laufen genannt (gegenüber dem Kleinen Laufen in Laufenburg) ist neben dem doppelt so hohen, aber halb so wasserreichen Dettifoss auf Island der grösste Wasserfall Europas. Er befindet sich in der Schweiz auf dem Gebiet der Gemeinden Neuhausen am Rheinfall im Kanton Schaffhausen (rechtsufrig) und Laufen-Uhwiesen im Kanton Zürich (linksufrig), rund vier Kilometer westlich unterhalb der Stadt Schaffhausen.

Auf dem Weg vom Bodensee nach Basel stellen sich dem Hochrhein mehrfach widerstandsfähige Gesteine in den Weg, die das Flussbett verengen, und die der Fluss in Stromschnellen und einem Wasserfall, dem Rheinfall, überwindet.

Der Rheinfall hat eine Höhe von 23 Meter und eine Breite von 150 Meter. Bei mittlerer Wasserführung des Rheins stürzen im Rheinfall 373 Kubikmeter Wasser pro Sekunde über die Felsen (mittlerer Sommerabfluss: etwa 700 m³/s). Die höchste Abflussmenge wurde im Jahr 1965 mit 1250 Kubikmetern, die geringste Abflussmenge im Jahr 1921 mit 95 Kubikmetern in der Sekunde gemessen.

Der Rheinfall ist von Fischen aufwärts nicht zu überwinden, ausser vom Aal. Dieser schlängelt sich seitwärts über die Felsen hoch.

Der Felsuntergrund, der viel älter ist als der Rheinfall selbst, wie auch die bedeutend jüngeren geologischen Vorgänge während des gegenwärtigen Eiszeitalters führten zur Entstehung des Rheinfalls. Durch die allgemeinen Temperatursenkungen setzten vor rund 500'000 Jahren die ersten Gletschervorstösse ins Mittelland ein und gestalteten die heutige Landschaft. Bis zum Ende der Riß-Eiszeit vor ca. 200'000 Jahren floss der Rhein von Schaffhausen westlich durch den Klettgau. Dieses frühere Flussbett wurde wieder mit Alpenschotter aufgefüllt.

Vor zirka 120'000 Jahren wurde der Fluss dann bei Schaffhausen nach Süden abgelenkt und bildete die rißzeitliche Rheinrinne. Der Rheinlauf unterhalb des Fallbeckens heute entspricht dieser Rinne, die wieder mit Schotter aufgefüllt wurde.

Während der letzten Eiszeit, der sogenannten Würmeiszeit, wurde der Rhein dann in weitem Bogen gegen Süden abgedrängt und erreichte oberhalb des Falles sein heutiges Bett auf hartem Malmkalk (Weissjura, Oberer Jura). Beim Übergang von den harten Malmkalken zur leicht abtragbaren risszeitlichen Schotterrinne entstand so vor rund 14'000 bis 17'000 Jahren der Rheinfall in seiner heutigen Form. Die Rheinfallfelsen (Grosser, besteigbarer Felsen und Seelentanzstein) bilden die Überreste der ursprünglich steil abfallenden Kalksteinflanke der einstigen Abflussrinne. Die sehr geringe bisherige erosive Überformung der Fallstrecke erklärt sich durch die geringe Schleppfracht (Flussgeschiebe) des Rheins unterhalb des Bodensees.

Für unsere Rückfahrt wählten wir zunächst die gleiche Strecke wie auf der Hinfahrt. Doch dann wählten wir nicht den Weg über den Feldberg sondern über den Schauinsland. Der Schauinsland im Schwarzwald ist der 1.284 Meter hohe Hausberg von Freiburg im Breisgau und ein beliebtes Ausflugsziel; früher hieß er wegen des Silberbergbaus Erzkasten. Eine wirklich toll zu fahrende Strecke mit beeindruckenden Kurven, Kehren und Schräglage ohne Ende.

Die serpentinenreiche, zwölf Kilometer lange Schauinslandstrecke von Horben über die Holzschlägermatte bis zur Bergstation der Schauinslandbahn wurde auch bekannt durch das legendäre Bergrennen, das von 1923 bis 1984 ausgetragene ADAC-Schauinsland-Rennen. Seit dem Jahre 2000 wird diese Motorsport-Tradition auf einer verkürzten Strecke bis zur Holzschlägermatte als Schauinsland Klassik fortgeführt, allerdings nur noch als Gleichmäßigkeitsfahrt für Oldtimer.

Mittlerweile ist dieses Bikerparadies allerdings Samstags, Sonntags und an Feiertagen für motorisierte Zweiräder gesperrt. Denn auf dieser Strecke hat schon so mancher Motorradfahrer seine Selbstüberschätzung mit dem Leben bezahlt. Zum Münstertal gibt es vom Schauinsland eine Verbindungsstraße. Diese wurde allerdings gerade instandgesetzt. Die ausgewiesene Umleitung ins Münstertal und nach Staufen gehörte dann aber zum Spektakulärsten, was uns bislang unter die Räder gekommen ist. Derartig schmale und scharfwinklige Kehren haben wir vorher jedenfalls noch nicht gesehen.

Am frühen Abend sind wir wieder an unserer Pension angekommen. Unsere Mopeds hatten 210 Kilometer mehr auf dem Tacho. Es war ein schöner und gelungener Tag. Ach ja, gegessen haben wir übrigens unterwegs, im "Gasthaus zum Bären" in Todtnau am Feldberg. Solides Essen von guter Qualität zu bezahlbaren Preise..... geht doch.