20.06. bis 27.06.2009

 Ferndorf in Kärnten


Ich sag es jetzt mal so: Da gibt es einen netten Arbeitskollegen. Rein zufällig fährt auch er eine BMW R 1100 RT, auch er ist Mitglied bei den Motorradfreunden Burgaltendorf und er teilt meine Leidenschaft für die Berge. Helmars zweite Heimat liegt in Kärnten. Dort hat er seit einigen Jahren gleich mehrmals im Jahr Urlaub gemacht und die umliegenden Pässe mit dem Motorrad erkundet. Und schon lange lag er mir damit in den Ohren, wir könnten doch einmal gemeinsam eine Woche mit den BMW´s diesen schönen Flecken Erde erkunden.

Eigentlich musste man mich da nicht wirklich überzeugen. Und so haben wir uns dann einmal tatsächlich zusammengesetzt um eine Tour zu planen. Die 940 Kilometer bis nach Kärnten haben unsere RT´s auf dem Motorradanhänger hinter Helmars Wagen bewältigt. Denn in der Woche nach unserer Anreise hatten die Mopeds dann genügend Auslauf  Untergebracht  waren wir vom 20. bis zum 27. Juni in Helmars Stammpension, beim Jakelbauer in Ferndorf. Die Übernachtung mit Frühstück und Halbpension im Doppelzimmer kostet dort 30 Euro pro Tag. Hier der Link zur Homepage unserer Unterkunft:


Ferndorf liegt in der Ferienregion Mirnock am Millstätter See. Vom Jakelbauer aus hat man einen tollen Blick auf den Großglockner, einen der Berge, den wir in der Woche mit den Motorrädern erkunden werden. Nun gilt es also die Tage zu zählen, bis wir unsere Bikes zu diesem schönen Flecken Erde transportieren können. Hatte ich es bereits erwähnt? Geduld ist nicht meine größte Tugend....

Helmar konnte es nicht mehr erwarten, endlich sein Motorrad zu starten

Samstag, 20.06.2009

Am Freitag sind wir um 22:30 Uhr in Essen losgefahren. Die Motorräder hatten wir bereits am Vortag auf dem Anhänger verladen. Helmar ist die ganze Strecke alleine gefahren. Ab Rosenheim wurde das Wetter dann schlecht. Aber wir kamen ohne Stau oder gar Blockabfertigung durch den Tauerntunnel. Einzig unsere Hoffnung, dass das Wetter auf der anderen Seite des Berges besser wird, konnten wir dann begraben. Im Gegenteil, die Gipfel der umliegenden Berge zeigten sich mit einer frischen Puderzuckerschicht überzogen. Und das, was in den Bergen als Neuschnee vom Himmel fiel, kam bei uns im Tal als übler Dauerregen an. Wir mussten uns dann schon daran erinnern, dass es bereits Juni war, denn die Außentemperaturanzeige in Helmars 3er BMW zeigte zwischenzeitlich einen Wert von 4,5 Grad Celsius an.

Als wir um 10:00 Uhr beim Jakelbauern, unserer Pension in Laas, eintrafen, wurde uns von unseren Gastgebern eine gute Tasse Kaffee und das Versprechen serviert, dass die Wolken am Nachmittag auflockern würden. Der Kachelmann von der Pension Jakelbauer heißt Rudi. Und er sollte mit seiner Prognose recht behalten. Doch zunächst haben wir unser Zimmer bezogen und uns eine Mütze voll Schlaf gegönnt. Schließlich waren wir die ganze Nacht unterwegs gewesen und hatten einen erheblichen Schlafrückstand.

Um 14:30 Uhr hatte dann das Jucken in der Gashand die Auseinandersetzung gegen das Schlafdefizit für sich entschieden. Ein kurzer Druck auf den Startknopf und schon katapultierten sich  die RT´s voll freudiger Erwartung auf eine erste Einführungsrunde. Von Fresach aus ging es zum Ossiacher See und über die Gerlitzenstraße bis zum Hotel Mathiasel. Der köstliche warme Apfelstrudel mit Vanillesauce hatte Helmar schon in den Vorjahren an diesen Ort gelockt.
 


Unsere Seentour brachte uns im Anschluss an den Afritzer See, den Feldsee, den Millstätter See und dann zurück nach Laas. Abends haben wir dann im Gasthof Tell in Paternion einen schmackhaften Zwiebelrostbraten verspeist, bevor wir dann bei unseren Gastleuten noch ein paar nicht minder leckere Villacher Märzen und Stamperl getrunken haben. Das Leben kann so schön sein...
 

Sonntag, 21.06.2009

Kärnten, Wasserland. Mit diesem Slogan wirbt das österreichische Bundesland für seine faszinierende Seenlandschaft. Doch in unserer Urlaubswoche kam auch reichlich Wasser aus der anderen Richtung auf uns zu. Über die Widrigkeiten des Wetters wird in diesem Tourbericht daher häufiger zu reden sein. Doch das Wetter am Sonntag Morgen zeigte sich deutlich besser als am Vortag. Beim ersten Blick aus dem Fenster trübte noch ein Nebelschleier den Blick, doch dann wurde von Minute zu Minute die Aussicht auf die umliegenden Berggipfel besser.

Das Frühstück, welches uns Gerlinde servierte, war schon einmal vielversprechend. Derart gestärkt konnten wir uns dann zeitig auf den Weg machen. Über Villach ging es nach Arnoldstein und über den Wurzenpass in Richtung Slowenien. Vom Grenzübergang aus ging es nach Kranjiska Gora.



Über 50 mit Kopfsteinen geflastere Kehren ging es dann weiter bis nach Vrsic auf 1611 Metern Höhe. Eine erste kleine Herausforderung für unsere Oberarme, die die schweren RT´s durch die engen Kurven wuchten mussten.
 

 

 
Weiter ging es durch eine wunderschöne Landschaft bis nach Tavisio in Italien. Dort haben wir uns einen Latte Machiato und eine leckere Portion Nudeln gegönnt.


 
Über die karnische Dolomitenstraße ging es ein Stück weit durchs Gailtal und dann weiter zur "Windischen Höhe". Beeindruckende Landschaftsbilder flogen an uns vorbei. Es waren so viele tolle Eindrücke, dass ich nicht mehr in der Lage war, alles auf einmal zu verarbeiten.
 

 

 
Unsere Fahrt führte uns dann am Farchtensee vorbei zum Weißensee und dann nach Zlan. Wie lautet noch mal der Slogan? Ach ja, richtig! "Kärnten, Wasserland".


 

 

 
Zum Abschluss dieser gelungenen Ausfahrt ging es über die 14,5 Kilometer lange Goldeck-Panoramastraße noch einmal auf 1895 Meter Höhe zum Endparkplatz "Seetal". Und diese Höhe musste über 10 Kehren, die wir gleich zweimal durchfuhren, bewältigt werden. Oben angekommen hatten wir einen herrlichen Blick auf die Millstätter Alm und den Millstätter See, die Nockberge, die Gailtaler Alm, die Karawanken und das Drautal bis nach Villach. In weiter Ferne waren die schneebedeckten Gipfel der Julischen und Karnischen Alpen zu entdecken.
 

 

 
Nach 240 Kilometern und insgesamt 70 Kehren kamen wir erschöpft aber glücklich beim Jakelbauer in Laas an. Und das Grinsen in unseren Gesichtern ist den ganzen Abend nicht mehr verschwunden.
 

Montag, 22.06.2009

Richtig warm war es an diesem Morgen nicht. Doch RT-Fahrer sind harte Jungs. Die fahren bei jedem Wetter; außer es ist kalt oder es regnet. Pünktlich um 10:00 Uhr wurden die Boxer-Motoren zum Leben erweckt. Es ging in Richtung Spittal und dann über Greifenburg und Lienz bis Huben. Dort ging es in das schöne Defereggental.
 


Wir hatten Kärnten also vorübergehend den Rücken gekehrt und befanden uns nun in Osttirol, um dem Nationalpark Hohe Tauern unsere Aufwartung zu machen.
 

 

 
Durch das Defereggental schraubten wir uns immer höher, dem Staller Sattel entgegen. Auf 2052 Metern über Normalnull haben wir in der Hexenschänke eine Pause eingelegt. Helmar hat sich eine Portion Hüttenmacheroni einverleibt und ich gönnte mir eine deftige Speckknödelsuppe.
 



 

 
Oben auf dem Sattel war es bitter kalt. Dazu blies ein kräftiger Wind und es gab sogar ein paar vereinzelte Schneeflocken.
 

 

 

 
Durchs Antholzer Tal ging es dann von Ost- nach Südtirol. Der Grenzübergang nach Italien liegt gleich am Staller Sattel. Der "Passo Stalle" ist allerdings nur zu jeder vollen Stunde in Richtung Antholz zu befahren. Dann nämlich schaltet die Ampel, die die Zufahrt auf den Pass regelt für eine Viertelstunde auf grün. Die Passstraße mit den messerscharfen Kehren ist derartig eng, dass der Fahrzeugverkehr immer nur in eine Richtung möglich ist. Auch so ist der Pass eine echte fahrerische Herausforderung, erst recht, wenn dann noch einige Rindviecher in den schmalen Kehren herumstehen.


 


In Antholz haben wir uns kurz den Austragungsort für die Biatlon-Meisterschaften angeschaut. Über Toblach und Silian ging es dann auf die Pustertaler Hochalpenstraße.


 

 
Über Lienz ging es zurück zum Jakelbauern nach Laas. Wir haben die Tour einigermaßen trocken hinter uns gebracht. Dafür waren wir schon ein wenig durchgefroren und der Hintern machte sich nach 355 Tageskilometern und 8 1/2 Stunden im Motorradsattel unangenehm bemerkbar.

Meine Reiseaufzeichnungen wurden an diesem Abend dann noch etwas undurchsichtig. Das lag dann wohl an diesem gemütlichen Abend in der Gaststube unserer Pension. Das gute Villacher Bier und einige Stamperl schoben den Beginn der Nachtruhe weit nach hinten.


 

Dienstag, 23.06.2009

Der Engländer sagt zu diesem Zustand: "the morning after the night before...". Nach dem ereignisreichen gestrigen Abend sind wir gemeinsam mit unseren Gedächtnislücken mal etwas später beim Frühstück erschienen. Irgendwie wollten die Lebensgeister auch nach dem ersten Kaffee nicht so recht in Schwung kommen. Passend zum angeschlagenen Gemütszustand weinte der Kärntner Himmel dann auch gleich am Morgen. Und dies hat er dann bis zum späten Abend so fortgesetzt. An Motorrad fahren, war also gleich aus mehreren Gründen nicht zu denken.
 
Vormittags sind wir mit dem Auto nach Velten an den Wolfgangsee. Den Ort und die Uferpromenade haben wir mit Regenschirmen bewaffnet erkundet.


 
Am Nachmittag sind wir nochmal nach Villach. Helmar wollte zum Werksverkauf nach Garbor um ein paar preiswerte Markenschuhe zu erstehen. Leider hat er nichts passendes gefunden. Wir sind dann noch in ein nahe gelegenes Einkaufszentrum, haben eine Kleinigkeit gegessen, einen Media Markt erkundet und dann noch das Angebot des ortsansässigen BMW-Händlers begutachtet. Das wars dann auch schon für diesen Dienstag. Ansonsten habe ich viel gelesen, Helmar hat ein ausgiebiges Mittagsschläfchen abgehalten und abends haben wir Gerlindes Kochkünste genossen.

Mittwoch, 24.06.2009

Für den heutigen Tag hatten wir uns, halbwegs vernünftiges Wetter vorausgesetzt, die Nockberge vorgenommen. Doch der Morgen begann, wie der letzte Tag aufgehört hatte, mit Regen. Für den weiteren Verlauf des Tages waren trockenere Abschnitte angekündigt. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, lautete also das Motto des Tages. Und damit uns beim Jakelbauer nicht die Decke auf den Kopf fiel, haben wir uns für den Vormittag ein alternatives Schlechtwetterprogramm ausgesucht.  Und so haben wir uns das Fahrzeugmuseum der Familie Pirker in Villach Zauchen angeschaut. Ein Besuch der sich wirklich gelohnt hat.


 
Rudolf Pirker, der Sammler und Gründer des Villacher Fahrzeugmuseums, schreibt in der Einleitung zu seinem Hauskatalog folgendes:

Als ich 1960 mit dem Oldtimersammeln begann, waren diese Fahrzeuge noch keine Veteranen, sondern nur ausgediente, verrostete und wertlose alte Vehikel, die keiner mehr haben wollte. Das große Umsteigen vom Zweirad zum Auto war voll im Gange. Man konnte ein Motorrad oder einen Roller nicht mehr eintauschen. Die meisten Fahrzeuge, die heute im Museum stehen, wären beim Alteisen gelandet, hätte ich sie nicht vor diesem Schicksal bewahrt.Im Laufe der Zeit habe ich so viel Schrott zusammengetragen, später dann mit meinen beiden Söhnen Kurti und Rudi geschraubt und restauriert, dass wir genug Material für ein Museum beisammen hatten.
 

 
Im April 1987 konnten wir das "1. Villacher Fahrzeugmuseum der 50er Jahre" in unseren eigenen Räumen an der Draupromenade 12 eröffnen. Es war richtig, denn dies ist ein Museum ganz besonderer Art. Es sind hier nicht, wie in den meisten anderen Ausstellungen, nur die ältesten, wertvollsten und seltensten Modelle der Automobilgeschichte zu sehen. Es gibt hier auch keine Luxuskarossen von Rolls Royce oder Bentley, einen Rennwagen von Bugatti, nicht den Flügeltürer von Mercedes und auch nicht den klassischen Jaguar E. Wir können auch nicht Autos von berühmten Politikern oder Schauspielern präsentieren. Aber Sie kennen doch noch den Fiat Topolino, die BMW Isetta, den Straßensänger Lloyd, das Goggomobil, den Fiat 600, den NSU Prinz, den Balilla, den Porsche 356, den DKW Junior oder den Messerschmitt Kabinenroller. Auch den Renault 4 CV, oder die Ente von Citroen, den Ford Cortina und den VW Käfer. Ihr erstes Moped oder das Fahrrad mit Hilfsmotor werden Ihnen noch in Erinnerung sein.
 

 
Erinnern Sie sich noch an die große Palette von Motorrollern aus den Anfängen dieser Fahrzeuge sowie die vielen Motorräder, die man vor nicht allzu langer Zeit noch täglich im Straßenverkehr gesehen hat?
 

 
Nach 20 Jahren im kleinen alten Museum konnten wir 2007 ins "neuerbaute Museum in die Ferdinand-Wedenig-Straße 9" übersiedeln. Es ist viel größer und noch schöner geworden. Für Erwachsene ist es eine Erinnerung und für Jugendliche lehrreich. Für Schulen und Berufsschulgruppen bedeutet das Museum einen interessanten Unterricht über Styling und Technik im Vergleich von damals zu heute.

Ein Wiedersehen mit diesen Vehikeln gibt es im Villacher Fahrzeugmuseum, ein Besuch wird Sie sicher erfreuen.

Rudolf Pirker
 

 
www.oldtimermuseum.at

Nach unserem Besuch in dieser schönen Fahrzeugausstellung hatte es tatsächlich zu regnen aufgehört und für ein paar kurze Momente tauchte sogar die Sonne hinter einer Wolkenlücke auf. So konnten wir die Nockalmstraße, die wir uns für diesen Tag vorgenommen hatten, so richtig geniessen. Die 7 € Maut waren jedenfalls vernünftig investiert. Dafür gab es 52 Kehren zu bewältigen. Und da wir die 35 Kilometer lange Strecke in beiden Richtungen befahren haben, gab es mal eben 104 kurvige Herausforderungen zu bewältigen.


 
Zunächst statteten wir der Glockenhütte auf 2.024 Metern einen Besuch ab. Dort gibt es die sagenumwogene "Wunschglocke" auf der Schiestlscharte. Jeder, der die Glocke erklingen lässt, hat einen Wunsch frei. Natürlich hab auch ich die Glocke zum läuten gebracht. Den Wunsch, den ich dabei im Kopf hatte, verrate ich aber nicht.
 


Die Nockalmstraße führt durch eine einzigartige Hochgebirgslandschaft, inmitten des größten Fichten-, Lärchen und Zirbenwalds der Ostalpen. Die unverwechselbaren runden "Nock´n" sind nicht nur von besonderem landschaftlichen Reiz, sondern auch eine erdgeschichtliche Rarität. Die geringe Steigung der Nockalmstraße im Einklang mit der Natur ist für jeden Motorradfahrer ein besonderer Genuss.
 

 
In der Pfandlhütte auf 1.860 Metern Höhe haben wir unsere Mittagspause eingelegt. Bevor es für uns aber etwas zu essen gab, machte sich Helmar als Sicherheitsbeauftragter für Almtiere einen Namen.
 

 
Nach all diesen Anstrengungen wurde es jetzt aber höchste Zeit für eine anständige Brotzeit.
 

 

 
Von Innerkremms befuhren wir die Nockalmstraße dann in entgegengesetzter Richtung bis zur Mautstation Winkelhütte. Von dort haben wir noch einen Abstecher zur Turracher Höhe gemacht. Die Steigung dorthin beträgt an einer Stelle 22 %. Das ist schon heftig.
 

 
Kaum waren wir an der Turracher Höhe angekommen, setzte dann wieder der Regen ein. Also haben wir die Mopeds gewendet, um dem Einfluss dieser Wolke zu entfliehen. Kurzfristig hatten wir den Faaker See als unser neues Zwischenziel ausgemacht. Doch leider wurde diese Wolke ständiger Begleiter unserer Flucht. Auf halber Strecke haben wir daher wieder kehrt gemacht und sind zu unserer Pension zurück gefahren. So kamen an diesem Mittwoch lediglich 200, wenn auch größtenteils landschaftlich wunderschöne, Kilometer aufs Tourkonto.