Kurzurlaub an der Mosel

Vom 26.04. bis 29.04.2015 waren wir im Hotel Weinhaus Fuhrmann in Ellenz-Poltersdorf zu Gast. Diesen Kurzurlaub hatte mir Angie zum Geburtstag geschenkt. Und so waren die Tage an der Mosel dann gleich eine gute Gelegenheit, Angies neues Cabrio bei Touren durch enge Dorfdurchfahrten und die herrliche Landschaft ausgiebig zu testen.

Sonntag 26.04.2015 - Anreise

Für unsere Fahrt zur Mosel hatten wir uns noch schnell ein Navi für den Opel Tigra zugelegt. Erfahrungsgemäß bedarf es etwas Gewöhnung, um mit einem solchen Navigationsgerät zurecht zu kommen. Und diese Erfahrung hat sich gleich bei unserer Anreise einmal mehr bestätigt. Geplant war eine Fahrt unter Vermeidung von Autobahnen. Eine nette Landpartie sollte es werden. Und so konnten wir gleich zu Beginn unserer Tour zahlreiche bislang unbekannte Straßen unserer Nachbarstädte Bochum und Hattingen kennen lernen. Daher wurde die vorgenommene Routenplanung schnell aufgegeben und das Navi umprogrammiert. Hierdurch wurde es dann nichts mit der Fahrt durch den Rheinisch-Bergischen Kreis, die Rheinfähre in Linz und die Fahrt durch die Vulkaneifel. Dafür durften wir die Tour durch die Innenstädte von Köln und Bonn geniessen.



Ellenz-Poltersdorf liegt in der Region Terassenmosel, etwa 14 Kilometer von Cochem entfernt. Böse Zungen behaupten, das Schönste an Ellenz-Poltersdorf sei der Blick auf Beilstein. Der Doppelort mit Häuserzeilen aus gepflegtem, teils verputztem Fachwerk ist aber selbst im direkten Vergleich durchaus attraktiv.



Unser Hotel, das Weinhaus Fuhrmann, versprüht den Charme der 70er Jahre und zieht bis heute noch zahlreiche Bus-Reisegruppen an. Und die bestanden zum größten Teil aus deutlich betagten Altersrentnern. Zwischenzeitlich kamen wir uns wie zum Wohnen auf Probe im Seniorenheim vor.  Die Zimmer des Hotels sind, zumindest wenn man die Reise als Angebot bucht, als schlicht zu bezeichnen. Der Service ist leicht gewöhnungsbedürftig und Frühstück und Abendbuffet sind in Ordnung. Uns ging es bei unserem Moselaufenthalt in erster Linie um Touren durch schöne Landschaften und Fachwerkromantik. Die Erfahrungen mit unserer Unterkunft sind dagegen so vergänglich wie eine Pusteblume.













Montag 27.04.2015 - Cochem

Der April macht bekanntlich was er will. Und der Wille dieses Monats deckte sich am heutigen Montag unglücklicherweise nicht mit unseren Wünschen. So blieb das elektrische Cabrioletverdeck von Angies Tigra Twin Top an diesem Tag geschlossen. Und auch die geplante längere Tour durch die Moselregion musste daher verschoben werden.



Der Vormittag war wettertechnisch noch halbwegs brauchbar. Und so haben wir uns entschlossen, dem Moselstädtchen Cochem unsere Aufwartung zu machen.





Cochems Marktplatz ist einer der meistbesuchten Orte an der Mosel. Die "Perle der Mosel" durchlebte ein ständiges Auf und Ab: Pest und Plünderung, Krieg und Kanonendonner, am schlimmsten 1689 und 1944/45, als Bomben die Altstadt verwüsteten. Auf dem alten Grundriss baute man stoisch wieder auf, mit Sinn für Tradition und die künftigen Gäste.











Steil hinauf geht´s zur Burg. Um das Jahr 1000 von Pfalzgraf Ezzo auf einem exponiertem Schieferkegel vor dem Eifelhinterland optimal plaziert, Reichslehen bis 1294, von König Adolf von Nassau aus Geldnot an Kurtrier verpfändet, blieb die Burg in allen Bauphasen bis zur Zerstörung 1689 durch Truppen des französischen Sonnenkönigs eine wichtige Bastion. Louis Ravenè ließ sie zwischen 1868 und 1877 neugotisch romantisierend wieder erstehen, konnte das Burgherrendasein jedoch nur kurz genießen. 1942 wurde die Burg sogenanntes "Volkseigentum", 1978 übernahm die Stadt die Immobilie, eine Reichsburg GmbH kümmert sich nun um die Erhaltung und Events wie Rittermahle.





Dienstag 28.04.2015 - Bernkastel-Kues



Ein wenig frisch aber trocken. So begrüßte uns der Dienstagmorgen. Heute konnte das Dach des Cabrios also im Kofferraum verschwinden. Und das haben wir auch ausgenutzt. Bis zum Abend sollten reichlich Kilometer zusammen kommen, die uns durch eine tolle Landschaft und romantische Ortschaften führten.



Zunächst führte uns die Tagestour an die Mittelmosel nach Bernkastel-Kues. Bernkastel mit seiner pittoresken Altstadt ist ein Schmuckstück. Auch so früh im Jahr bevölkern schon viele Touristen die schöne Altstadt mit den tollen Fachwerkhäusern. Inmitten dieser beeindruckenden Kulisse haben wir uns in einem Straßencafe einen Cappuccino und einen Latte Macciato gegönnt und das Treiben in den mit Kopfsteinen gepflasterten Gassen verfolgt.





Im Juni 2012 machten Trierer Forscher einen Sensationsfund. Sie entdeckten bei einer Routine-Untersuchung, dass sich schon im 4. Jahrhundert auf dem Gelände der heutigen Burgruine Landshut ein spätrömisches Kastell befand. Bestimmt genossen die Römer hier so manchen Schlummertrunk aus besten Weinlagen. Seit dem Mittelalter hatten die Trierer Erzbischöfe hier zu sagen. 







Die Spätrenaissance-Fassade des 1608 in Massivbauweise errichteten und zu Anfang des 20. Jahrhunderts restaurierten Rathauses stammt vom Bildhauer Hans Ruprecht Hoffmann oder aus seiner Trierer Schule. Das Erdgeschoss mit Rundbogenarkarden war früher eine offene Halle, als hier Gericht gehalten wurde und kleinere Übeltäter am Pranger "bürgerliche Züchtigung" erfuhren. 1914 zur Weinstube umgewandelt, lässt es sich darin nun gefahrlos bechern.









Gegen Mittag haben wir uns mit der "Moselperle" auf eine etwa einstündige Rundfahrt auf der Mosel begeben. Bei dieser Schiffstour haben wir natürlich einige Fotos geschossen, die ich an dieser Stelle gerne veröffentliche.







Dieses Foto habe ich ein wenig mit PhotoShop bearbeitet. Denn seit November 2013 ist die Burg Landshut geschlossen, da sie umgebaut wird. Den hässlichen Kran habe ich daher einfach mal weggezaubert.

Der Dreißigjährige Krieg und die Annexionen des Sonnenkönigs Ludwig XIV. machten der Burg zu schaffen. 1689 ließ dieser Burg und Stadtmauer schleifen, um die Steine für den Bau der Festung Mont Royal über Traben zu verwerten. 1692 machte ihr aber ganz unmilitärisch eine Feuersbrunst den Garaus.









Die Graacher Schanzen aus dem 18. Jahrhundert sind dem Hochmoselübergang zum Opfer gefallen. Der kulturhistorische Verlust wiegt schwer, auch wenn sie außer zu Versteckspielchen der deutsch-französischen Erbfeinde nie zu etwas nutze waren. Unten im Tal bewahrte sich Graach den Zauber gentiler Weinorte, die nicht von Hauptstraßen durchschnitten werden. An der Straße nach Zeltingen steht der mächtige Josephshof, einstmals Gut der Abtei St. Martin und wohl der älteste Siedlungskern Graachs, denn bei Fundamentarbeiten wurden 1995 Reste einer römischen Kelteranlage entdeckt - die leider der Unverstand der Baufirma vollends zerstörte.





Zum Abschluss unserer Tour sind wir auf versteckten Pfaden nach Klotten gereist. Dort war Angies Vater bereits 30 mal zu Gast in einer netten Pension mit Familienanschluss. Eine genauere Besichtigung des Feriendomizils blieb uns allerdings verwehrt, da in der Gaststube gerade ein Leichenschmaus stattfand. Doch die Tour nach Klotten war schon beeindruckend. Die engste Ortsdurchfahrt war gerade einmal einen Meter und achtzig Zentimeter breit.

Mittwoch 29.04.2015 - Rückreise 

Auch am Tag unserer Rückreise blieb es trocken. Doch anfangs waren die Temperaturen noch einstellig. Daher blieb das Dach des Cabrios vorübergehend geschlossen. In Linz am Rhein haben wir einen Zwischenstop eingelegt und einen Bummel durch die schöne Altstadt gemacht.















Nach unserer Pause konnten wir das Verdeck dann aber im Kofferraum versenken. Durch den Rheinisch Bergischen Kreis und das Bergische Land ging es in Richtung Engelskirchen. Und hier konnten wir das Navi dann schon  mal ausmachen. Denn die Strecke über die kleinen und kurvenreichen Straßen waren uns von unseren Motorradtouren bereits bestens bekannt.

Es waren schöne Tage an der Mosel. Die Touren mit dem Cabriolet haben uns richtig Spaß gemacht. So in etwa hatten wir uns das vorher auch vorgestellt. Wir waren sicherlich nicht das letzte mal in dieser schönen Region. Nur die Unterkunft dürfte dann wohl eine andere werden.